Was für eine geistige Elite bilden wir aus? Antifaschisten, die den Faschismus einführen

Was für eine geistige Elite bilden wir aus? Antifaschisten, die den Faschismus einführen

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von Markus Somm am 17.4.2021, 07:29 Uhr
"Antifaschistische" Demonstration in der Schweiz. Oder wenn junge Leute politischen Halluzinationen verfallen.
"Antifaschistische" Demonstration in der Schweiz. Oder wenn junge Leute politischen Halluzinationen verfallen.
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Auch in der Schweiz gibt es immer mehr unterbeschäftigte Akademiker, die vor lauter Intelligenz nicht mehr wissen, wie dumm sie sein können.

Vor ein paar Wochen stand in Zürich ein 31jähriger Schweizer Philosophie– und Geschichtsstudent vor Gericht: Man warf ihm unter anderem vor, an einer Demo gegen den sogenannten «Marsch fürs Läbe» im September 2019 Polizisten angegriffen und die Feuerwehr daran gehindert zu haben, einige Brände zu löschen.
Tatsächlich handelte es sich um eine krasse Aktion: Um die Abtreibungsgegner zu bekämpfen, die mit einem bewilligten Demonstrationszug für ihr Anliegen warben, war linken, genauer: linksextremen Aktivisten jedes Mittel recht. Sie randalierten, sie zerstörten fremdes Eigentum, sie legten Brände, – um Leute zum Schweigen zu bringen, mit deren politischen Ansichten sie nicht übereinstimmten. Als die Feuerwehr auftauchte, umringten 20 bis 30 Linke ein Tanklöschfahrzeug, polterten darauf ein und versuchten die Türen aufzureissen, um vermutlich die Feuerwehrleute herauszuzerren, die um ihr Leben bangten. Immerhin misslang das. Der offensichtlich hochgebildete Student rollte dabei einen Container vor das Löschfahrzeug, um es so zu blockieren. Mit anderen Worten, er nahm in Kauf, dass die Feuerwehr diverse Brände nicht rechtzeitig löschen konnte. Was wäre geschehen, wenn einer dieser Brände auf ein Haus oder einen Menschen übergesprungen wäre? Der hochgebildete Student hätte sich vielleicht wegen noch weit Schlimmerem vor Gericht verantworten müssen. Tod und Verderben. Man muss anscheinend sehr intelligent sein, um so dumm zu handeln.

Es begann mit Anna Göldi

Selbstverständlich verweigerte der Aktivist vor Gericht jede Aussage. Erst am Ende ergriff er das Wort und hielt ein Referat über die schweizerische Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Unser Wohlstand, so dozierte der Akademiker, sei ohne eine Geschichte von Gewalt und Gegengewalt nicht möglich gewesen. Um das zu begründen, begann er seine Ausführungen mit der Hinrichtung von Anna Göldi, einer angeblichen Hexe, im Jahr 1782, dann folgten weitere Informationen zum Thema sozialer Fortschritt und Emanzipation im Lauf der Jahrhunderte, wobei man annehmen darf, dass er sich selbst in diese grandiose Geschichte einreihte. Ein Held der Freiheit stand vor Gericht. Ein Feuerwehrauto zu demolieren ist doch genauso tapfer, wie sich seinerzeit dafür einzusetzen, dass alle Bürger das Wahlrecht erhielten – dabei wurde übrigens gestorben, während der hochgebildete Student solches wohl nie zu befürchten hat.
An welcher Universität und bei welchem Professor er solchen Unsinn gelernt hat, ist offen. So wie ich die Lage an unseren Hochschulen einschätze, hätte das überall in der Schweiz geschehen können. Die Linke hat unsere Fakultäten, besonders die geisteswissenschaftlichen, längst fest im Griff. Was aber mehr irritiert, sind zwei Dinge: Erstens die Selbstgerechtigkeit eines Aktivisten, der seinen totalitären Kampf gegen die Meinungsfreiheit für progressiv hält, der Faschist sozusagen, der vorgibt, sich mit faschistischen Methoden gegen den Faschismus zu wenden. Zweitens, und das wiegt schwerer: Was für Leute bilden wir eigentlich aus? Ist das die geistige Elite der Eidgenossenschaft im Jahr 2021? Gewalttätige, blasierte, gelangweilte Akademiker?

Nazis, überall Nazis

Etwa zur gleichen Zeit hatte sich auch ein ETH-Doktorand vor Gericht zu verantworten. Ihm hielt man vor, im September 2019 sogenannte «Nazis» spitalreif geschlagen zu haben. Die Details sind wichtig, weil sie eine ungeheure Blutrünstigkeit verraten: Mitten am Nachmittag hatten ein paar junge Männer im Zürcher Niederdorf gefeiert, offenbar einen Polterabend, dabei hätten sie, so wurde hinterher behauptet, den Hitlergruss und Nazi-Symbole gezeigt, – was zwar wenig Sinn macht, aber wie dem auch sei, es reichte für ein strenges Urteil der selbsternannten Volksjustiz: Rund zwanzig vermummte Linksaktivisten stürzten sich auf sie und droschen mit Veloketten, Flaschen und Steinen auf sie ein, dabei riefen sie mutig: «Antifa!» Drei der nicht mehr so fröhlichen Junggesellen mussten ins Spital eingeliefert werden. Die Vermummten machten sich aus dem Staub, nur eine Dächlikappe und eine Sonnenbrille liessen sie zurück. Auf diesen beiden Gegenständen fand die Polizei Spuren der DNA des Physik-Doktoranden. Trotzdem reichte das nicht für eine Verurteilung aus, – aber darum geht es mir auch nicht.
Vielmehr ist das der deprimierende Befund: Wenn höchst privilegierte Leute, die schon aufgrund ihrer Ausbildung zur oberen Mittelschicht gehören, die über beste Karriereaussichten verfügen sollten, weil sie intelligent sind, wenn solche Leute sich ernsthaft einbilden, sie lebten gewissermassen im Berlin des Jahres 1934 und kämpften gegen Adolf Hitler, muss man an zwei Dingen zweifeln: an unserem Bildungssystem, natürlich, aber auch an der Zukunft dieses Landes generell.
Offensichtlich leisten wir uns ein akademisches Proletariat, das aus jungen, klugen, aber verwöhnten Leuten besteht, die unterbeschäftigt sind, die kaum etwas verdienen und nicht wissen, wie sie sich sinnvoll in unsere Gesellschaft einbringen. Denn machen wir uns nichts vor. Diese Studenten halten wohl hochtrabende Vorträge über Sinn und Unsinn des Faschismus, aber letztlich fehlt es ihnen an Lebenssinn. Sie fühlen sich überflüssig, weil sie nur Überflüssiges zu bieten haben.
Eine Untersuchung, die die Luzerner Historikerin Andrea Franc neulich im Schweizer Monat zitiert hat, belegt, was ich meine: Seit 1980 hat zwar die Zahl der Geistes– und Sozialwissenschaftler um rund 200 Prozent zugenommen, aber die Nachfrage nach deren Talenten hält sich in Grenzen. Durchschnittlich verdient ein Geisteswissenschaftler heute 3750 Franken im Monat, das ist weniger als eine Pflegehelferin (4102 Franken) oder ein Tramchauffeur (5221 Franken). Gewiss, viele dieser ärmlichen Akademiker verdienen so wenig, weil sie freiwillig Teilzeitarbeit vorziehen, um sich ihren «Projekten» zu widmen (oder sie behaupten das immerhin), aber im Grunde verdeutlicht das nur, was zu Sorge Anlass gibt. Wir haben Leute als Elite ausgebildet, die wir gar nicht brauchen können.
Und das spüren diese Studenten – es sind Ressentiments, es ist Hass, es ist das Bewusstsein einer verlorenen Generation, was sie zu politischen Halluzinationen verleitet. Das Ganze ist so harmlos nicht. Junge Männer ohne Aussichten, ohne Familie, ohne Realitätssinn stürzen den Rest der Gesellschaft über kurz oder lang ins Elend. Die Geschichte kennt zahllose dieser Beispiele.
Der Philosophie– und Geschichtsstudent wurde übrigens zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten und 300 Franken Busse verurteilt. Er war schon einschlägig vorbestraft.
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