Der Untergang in den Fluten droht noch lange nicht – Klimageschichte Teil 5

Der Untergang in den Fluten droht noch lange nicht – Klimageschichte Teil 5

Nichts zeigt für die Alarmisten in Politik und Medien die Gefahren des Klimawandels so drastisch wie der Anstieg des Meeresspiegels. Dabei beweisen selbst die Prognosen des Weltklimarats: Die Warnungen, ganze Landstriche gingen unter, sind masslos übertrieben.

image
von Markus Schär am 16.10.2021, 07:00 Uhr
Bild: Keystone
Bild: Keystone
Das liesse sich zum «Plot eines Katastrophenfilms» entwickeln, meinte die NZZ: Jahrelang sehen die Menschen, wie das Meer allmählich näher kommt. Einige ziehen weg, viele harren aus, dann peitschen plötzlich Riesenwellen über sie hinweg. Dieses Drama fand tatsächlich statt. An einem Herbsttag vor rund 8150 Jahren versank Doggerland in der Nordsee, so verabschiedete sich Britannien endgültig vom Kontinent.
Die Katastrophe in der Mittelsteinzeit, zu der Archäologen seit einigen Jahren intensiv forschen (siehe hier), fasziniert die Medien. Denn das fruchtbare Land, das einst zwischen Grossbritannien, Dänemark und den Niederlanden lag, verschwand im Meer wie die sagenhafte Insel Atlantis. Und nichts zeigt die Schrecken der Klimaerwärmung so drastisch wie ein Untergang.

image
Der «Spiegel» flutete 1986 den Kölner Dom, «National Geographic» 2013 die Freiheitsstatue

Deshalb frotzelt der Liedermacher Manuel Stahlberger, dank dem Klimawandel verschwinde das Rheintal, so sei die Schweiz endlich «bi öppis Grossem debii». Deshalb droht gemäss dem Weltklimarat IPCC Inseln wie Vanuatu oder Tuvalu und Küstengebieten in Bangladesch oder Vietnam das Versinken. Und deshalb tauchte auf dem Titelblatt von «National Geographic» 2013 die New Yorker Freiheitsstatue, auf jenem des «Spiegels» schon 1986 der Kölner Dom in den Fluten ab. Das Nachrichtenmagazin feiert das schockierende Cover weiter als eines seiner besten, Köln liegt aber auch 35 Jahre nach dem Alarm wegen der «Klima-Katastrophe» immer noch genau 53 Meter über Meer.

Die Katastrophe taugt nicht als Warnung

Der Untergang von Doggerland eignet sich, genau besehen, allerdings nicht als warnendes Exempel, um Ängste vor dem Klimawandel zu schüren – im Gegenteil. Denn das Land zog die Menschen mit seiner Fruchtbarkeit erst an, nachdem die Temperaturen gestiegen waren, viel stärker und schneller als heute. Und es ging nicht wegen der Klimaerwärmung plötzlich unter, sondern wegen eines Tsunami, ausgelöst von einem Erdrutsch vor der Küste von Norwegen, dem grössten bekannten im Holozän.

image
Weil der Meeresspiegel nach der letzten Eiszeit stark stieg, schrumpfte Doggerland.

Immerhin können wir aus der Katastrophe vor 8150 Jahren lernen, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels – angeblich eine der grössten Gefahren des Klimawandels – nur mit einem weiten Zeithorizont beurteilen lässt: zurück bis zum Ende der letzten Eiszeit. Vor 18’000 Jahren bedeckten Gletscher Skandinavien bis weit nach Mitteleuropa und von den Alpen her auch fast die ganze heutige Schweiz. Das Eis, das sich auf der Nordhalbkugel ausdehnte, band so viel Wasser, dass der Meeresspiegel 120 Meter tiefer lag und dass die jagenden und sammelnden Menschen heute versunkenes Land nutzten: nicht nur Doggerland, sondern auch Sundaland, zwischen Malaysia und Java, oder Beringia, die Landbrücke von Sibirien nach Alaska, über die vor 15’000 Jahren die ersten Amerikaner zogen.

Der Meeresspiegel stieg früher viel schneller

Von diesem Tiefststand stieg der Meeresspiegel schnell an, weil sich das Klima stark erwärmte. Ein Primarschüler kann errechnen: Ein Anstieg von 120 Metern innert 10’000 Jahren macht 1,2 Zentimeter pro Jahr. Und diese simple Rechnung blendet aus, dass die Nordhalbkugel zweimal Rückschläge erlitt, vermutlich weil sich aus Amerika gewaltige Ströme von Schmelzwasser in den Atlantik ergossen, was den Golfstrom unterbrach (siehe hier). In den schnellsten Phasen der Erwärmung stieg der Meeresspiegel bis zu zwei Meter pro Jahrhundert (siehe hier) – im 20. Jahrhundert waren es nicht einmal 20 Zentimeter.

image
Zwischen 15’000 und 10’000 Jahren vor heute stieg das Wasser bis zu zehnmal so schnell. Quelle: Steven Koonin

Wo ist also das Problem? Wir leben immer noch in einer Zwischeneiszeit, völlig normal deshalb, dass die Ozeane weiter ansteigen. Denn einerseits schmilzt das Eis der Polarkappen und der Gletscher. Und andererseits dehnt sich das Wasser aus, wenn es sich erwärmt. Darum stieg der Meeresspiegel in den letzten 8000 Jahren noch um rund vier Meter, also fünf Zentimeter pro Jahrhundert. Dabei schwankte er aber im Rhythmus der wechselnden Kalt- und Warmphasen, die der IPCC nicht wahrhaben will (siehe hier). Bis Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte die kleine Eiszeit; die Erwärmung seither führte, mit Schwankungen, an den meisten Messstationen um den Globus zu einem Anstieg von 1,5 Millimeter pro Jahr.

Der Kölner Dom versinkt in 20’000 Jahren

«Der globale Meeresspiegel», warnt der IPCC in seinem aktuellen Bericht (siehe hier), «ist seit 1900 schneller gestiegen als in jedem vorangehenden Jahrhundert seit mindestens 3000 Jahren». Dies stellt er mit «hohem Vertrauen» fest, obwohl sich die Frage angesichts der Grössenordnungen – wenige Zentimeter pro Jahrhundert – kaum wissenschaftlich klären lässt. Ausserdem weist der IPCC darauf hin, dass sich der Anstieg beschleunige, nämlich von 1,3 Millimeter pro Jahr zwischen 1901 und 1971 auf 3,7 Millimeter zwischen 2006 und 2018. Auch so stiege der Meeresspiegel allerdings bis Ende des Jahrhunderts selbst im schlimmsten Szenario nur um 70 Zentimeter. Bei diesem Tempo würde es bis zum Fluten des Kölner Domes noch 20‘000 Jahre dauern.

image
Gemäss dem IPCC steigt der Meeresspiegel bis 2100 im schlimmsten Fall um 70 Zentimeter. Quelle: IPCC

Weshalb denn der Katastrophenalarm? Der IPCC muss weit in die Zukunft weissagen, damit er Küstenstädte überschwemmen und Südseeinseln verschwinden lassen kann. Bis ins Jahr 2300 steigt der Meeresspiegel gemäss seinem besten Szenario 50 Zentimeter bis 3 Meter und gemäss seinem schlechtesten Szenario 2 bis 7 Meter. Auch damit kann der IPCC allerdings nicht einmal die bis dahin ausgestorbene Klimajugend beeindrucken. Deshalb warnt die Grafik ausserdem: «Ein Anstieg von mehr als 15 Metern lässt sich bei hohen Emissionen nicht ausschliessen.» Dies, wie die Medien gerne Alarm schlagen, wegen eines exponentiellen Anstiegs des Meeresspiegels oder eines disruptiven Schocks wie dem Abbruch von Antarktiseis.

Gefährdete Inseln bauen Flughäfen

Was ist davon zu halten? Wenig bis nichts. Seriöse Analysen sehen in den Daten der letzten hundert Jahre keine Beschleunigung des Anstiegs. Eine Studie, die 2018 in der führenden Fachzeitschrift «Nature» Alarm schlug, musste ein Jahr später wegen schwerer konzeptioneller und statistischer Mängel zurückgezogen werden – peinlicherweise am Tag, als der IPCC seinen Spezialbericht zu Ozeanen und Kryosphäre vorstellte (siehe hier).

Die Südseeinseln, die angeblich im Meer versinken, wachsen sogar.


Ein schnelles Abschmelzen des Polareises erscheint äusserst unwahrscheinlich. Zwar warnen Studien, wegen des Klimawandels drohe beim Pine-Island-Gletscher in der Antarktis ein gefährlicher Kipppunkt. Zum Verlust von Eis führt hier aber ein Vulkan; sonst kühlt sich in der Antarktis das Klima seit vierzig Jahren ab. Und die Südseeinseln, die angeblich im Meer versinken – weshalb sie bei der Pariser Konferenz von 2015 auf eine Beschränkung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad und vor allem auf Milliardenzahlungen drängten? Sie wachsen sogar, die Seychellen und die Malediven bauen weitere internationale Flughäfen, um ihre neuen Luxusresorts zu füllen (siehe hier).

Menschen leben unter Wasser

Natürlich drohen die Fluten immer, ob in Venedig, auf Tuvalu oder auch im Schächental, weitab vom Meer. Das gilt aber seit Jahrtausenden; die Menschen haben gelernt, sich dagegen zu wehren, ja gar «unter Wasser zu leben», wie Björn Lomborg weiss. Bei einer schockierenden Studie, dass in dreissig Jahren das Land eines Viertels der Vietnamesen unter dem Meeresspiegel liege, wies Lomborg kühl darauf hin, dass sich gegenüber heute kaum etwas ändere: «Die Menschen leben seit Generationen im Mekong-Delta, weil es unglaublich fruchtbar ist, und sie schützen ihr Land seit je mit Deichen.»

«Niemand braucht eine Taucherausrüstung, denn die Menschheit löste Probleme schon immer mit Infrastruktur.»

Björn Lomborg, dänischer Statistiker und Buchautor

Das gelte auch für andere, die «unter Wasser» gedeihen, so für eine Million Londoner oder für die Holländer, die sogar ihren grössten Flughafen, Schiphol (Schiffsgrab), unter dem Meeresspiegel bauten: «Niemand braucht eine Taucherausrüstung, denn die Menschheit löste Probleme schon immer mit Infrastruktur.» Seit vierhundert Jahren ringen die Holländer ihr Land dem Wasser ab, allein im 20. Jahrhundert schufen sie 1650 Quadratkilometer Polder in der Zuiderzee östlich von Amsterdam. Das heisst: Sie erobern Doggerland zurück.

Weitere Informationen:
Steven E. Koonin: Unsettled. What Climate Science Tells Us, What it Doesn’t, and Why it Matters. New York 2021, 240 Seiten, Fr. 36.90.
Björn Lomborg: False Alarm: How Climate Change Panic Costs Us Trillions, Hurts the Poor, and Fails to Fix the Planet. Boston 2020, 336 Seiten, Fr. 38.90.
Klimageschichte Teil 1: siehe hier
Klimageschichte Teil 2: siehe hier
Klimageschichte Teil 3: siehe hier
Klimageschichte Teil 4: siehe hier

Mehr von diesem Autor

image

Klimakonferenz: Dasselbe Prozedere wie jedes Jahr – nur die Apokalyptiker klagten noch lauter

Markus Schär14.11.2021comments
image

Die Apokalyptiker lärmen nach jeder Fehlprognose lauter – Klimageschichte Teil 7

Markus Schär30.10.2021comments

Ähnliche Themen