Der Schwindel mit der Holzverbrennung - Teil 1

Der Schwindel mit der Holzverbrennung - Teil 1

Die Befürworter des CO2-Gesetzes propagieren Holzheizungen als klimafreundliche Alternative zu Ölfeuerungen. Doch Studien haben längst nachgewiesen, dass der Ersatz fossiler Brennstoff durch Holz den CO2-Ausstoss für viele Jahrzehnte erhöht statt senkt.

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von Alex Reichmuth am 17.5.2021, 16:00 Uhr
Die Verbrennung von Holz erhöht den CO2-Ausstoss für viele Jahrzehnte. Bild: Shutterstock
Die Verbrennung von Holz erhöht den CO2-Ausstoss für viele Jahrzehnte. Bild: Shutterstock
Umweltministerin Simonetta Sommaruga (SP) ist von Holz angetan. In ihren Ansprachen und Interviews zum CO2-Gesetz streicht die Bundesrätin regelmässig hervor, wieviel besser es sei, mit Holz statt mit Öl oder Gas zu heizen. So betonte sie in einem Interview mit Tamedia, dass eine vierköpfige Familie nicht von der steigenden CO2-Abgabe betroffen sei, wenn sie einen Holzofen habe: «Wenn die Familie mit Holz oder mit einer Wärmepumpe heizt (...), hat sie dank der Rückverteilung unter dem Strich mehr Geld im Portemonnaie.» Gegenüber dem «Blick» machte Sommaruga klar, welche Massnahmen angeblich dem Klima nützten: «Dazu gehört, dass wir mehr sauberen Strom in der Schweiz produzieren: mit der Wasserkraft, mit Solarenergie oder dem Holz aus unseren Wäldern.«

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Umweltministerin Simonetta Sommaruga setzt auf Holz gegen den Klimawandel. Bild: Bund

Auf den ersten Blick leuchtet das Argument ein: Holz ist ein erneuerbarer Energieträger. Bei der Holzverfeuerung wird nur soviel CO2 freigesetzt, wie zuvor beim Holzwachstum aus der Atmosphäre gebunden wurde. Nutzt man nur soviel Holz wie in den Wäldern nachwächst, ist die CO2-Bilanz ausgeglichen.
Doch so einfach ist es nicht. Die CO2-Neutralität gilt nur, wenn man die Zeit ausser Acht lässt. In Wahrheit muss man viele Jahrzehnte warten, bis das verfeuerte Holz im Wald nachgewachsen ist. Bis dann erhöht sich der Ausstoss an Kohlendioxid. Und das nicht zu knapp: Holz ist deutlich CO2-intensiver als fossile Brennstoffe. Bezogen auf die gleiche Energieproduktion emittiert Holz 16 Prozent mehr CO2 als Steinkohle, 42 Prozent mehr als Heizöl und gar 95 Prozent mehr als Erdgas.

Ein Drittel des organischen Materials bleibt im Wald

2018 hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern um Timothy Searchinger von der amerikanischen Princeton University in einem Kommentar in der Fachzeitschrift «Nature Communications» auf die negative CO2-Bilanz von Holz aufmerksam gemacht. Wenn extra Holz geschlagen werde, um es zu verbrennen – sei es zum Heizen oder zur Stromproduktion –, erhöhe dies die CO2-Konzentration in der Atmosphäre «für Jahrzehnte oder Jahrhunderte», schrieben sie.
Insbesondere strich die Wissenschaftler-Gruppe hervor, dass bei Holzverbrennungen etwa ein Drittel des organischen Materials in Form von Wurzeln und dünnen Ästen im Wald zurückbleibe. Dieses Material verrotte und erzeuge dadurch zusätzliches Kohlendioxid. Dieser Anteil müsse dem Brennstoff Holz angerechnet werden. So gesehen sei der CO2-Ausstoss von Holz sogar etwa 50 Prozent höher als von Kohle und etwa dreimal so hoch wie von Erdgas. Demnach liegt die CO2-Produktion von Holz auch etwa doppelt so hoch wie von Heizöl.

Ein neugepflanzter Baum anstelle des gefällten ist während den ersten Jahren und Jahrzehnten dünn und klein und kann darum weniger CO2 absorbieren, als es der geschlagene ältere Baum weiterhin gekonnt hätte.


Wird ein Baum im Wald geschlagen, erhöht sich bei dessen Verbrennung der CO2-Gehalt der Atmosphäre schlagartig. Zudem ist ein neugepflanzter Baum anstelle des gefällten während den ersten Jahren und Jahrzehnten dünn und klein und kann darum weniger CO2 absorbieren, als es der geschlagene ältere Baum weiterhin gekonnt hätte. Die CO2-Schuld in der Atmosphäre vergrössert sich darum weiter. Erst nach vielen Jahrzehnten kann der neue Baum das überschüssige CO2 wieder binden.
Jerôme Lagarnière von der kanadischen Forstverwaltung hat 2015 zusammen mit Wissenschaftskollegen in einer aufwändigen Studie im Fachblatt «GCB Bioenergy» berechnet, wie lange es geht, bis eine Holzfeuerung insgesamt weniger CO2 ausgestossen hat, als wenn die Feuerung mit fossilen Brennstoffen betreiben worden wäre. Die Berechnungen wurden für Holz aus kanadischen Wäldern vorgenommen, sind aber wohl auch auf europäisches Holz übertragbar.

Mindestens 70 Jahre bis zur CO-Parität

Die Studie kam zu diesen Schlüssen: Wird bei einer Heizung Kohle durch Holz ersetzt, so dauert es bei der Verwendung von 45-jährigen Bäumen zwischen 70 und 95 Jahren, bis bezüglich CO2-Ausstoss Parität herrscht. Erst ab diesem Zeitpunkt schneidet die Holzfeuerung besser ab. Werden 75-jährige Bäume verwendet, geht es 96 bis über 100 Jahre, bis zwischen Holz und Kohle Gleichstand bezüglich CO2-Ausstoss herrscht. Auch nach dieser Parität steht die Holzfeuerung noch in der CO2-Schuld, nur ist diese dann kleiner als bei der Kohlefeuerung.
Beim Ersatz von Heizöl durch Holz dauert es bei 45-jährigen Bäumen 82 bis über 100 Jahre, bis sich Parität bezüglich des totalen CO2-Ausstosses einstellt. Bei 75-jährigen Bäumen sind es sogar in jedem Fall mehr als 100 Jahre. Und wird mit Holz statt mit Gas gefeuert, dauert es sowohl bei 45-jährigen wie bei 75-jährigen Bäumen mehr als 100 Jahre, bis man mit Holz insgesamt nicht mehr CO2 ausgestossen hat als mit Gas.

Wer beschliesst, in seinem Haus eine Ölheizung durch einen Holzofen zu ersetzen, pustet zumindest während fast hundert Jahren mehr Kohlendioxid in die Luft.


Wer also beschliesst, in seinem Haus eine Ölheizung durch einen Holzofen zu ersetzen, in der Meinung, damit der Umwelt etwas Gutes zu tun, pustet zumindest während fast 100 Jahren mehr Kohlendioxid in die Luft. Erst danach ist die Holzheizung bezüglich CO2-Ausstoss gegenüber der Ölheizung im Vorteil.
Mit anderen Worten: Gemäss dem Abkommen von Paris soll der Ausstoss an Klimagasen in den nächsten Jahrzehnten massiv zurückgehen. Wer jetzt allerdings beschliesst, eine Ölheizung durch eine Holzheizung zu ersetzen, erreicht genau das Gegenteil: Der CO2-Ausstoss steigt in den nächsten Jahren massiv.

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