Der Schreck des Kleinunternehmers am Ende des Jahres

Der Schreck des Kleinunternehmers am Ende des Jahres

Wenn im Dezember die Prämienrechnungen und Lohndeklarationsformulare sonder Zahl auf den Schreibtisch flattern, spürt der Unternehmer besonders, wie schwer die Hand des Staates auf seinen Schultern liegt.

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von Martin Breitenstein am 22.12.2021, 11:00 Uhr
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Vielleicht bin ich ein schlechter Unternehmer. Obschon die Zahlen budgetiert sind, durchfährt mich als Kleinunternehmer (Beteiligung an einer Anwalts-AG) jeden Dezember wieder ein kalter Schreck, wenn all die Prämienrechnungen und Lohnmeldeformulare der Sozial- und anderen zahlreichen Versicherungen fürs neue Jahr hineinflattern. Als da sind: Abgaben und Beiträge für MWST, AHV, ALV, ALV-Zusatzbeitrag, UVG, UVGZ, KTG, PK/BVG, BRH (Berufshaftpflichtversicherung), DFK (Dienstfahrtenkasko), Sachversicherung, Cyberrisiken, Pro Litteris und was der Versicherungen und Abgaben mehr sind, von den Unternehmenssteuern einmal abgesehen. Obschon übrigens die Linke in der aktuellen Debatte um die Stempelsteuer so tut, es handle sich dabei um eine Steuer, die zu Recht bei der Hochfinanz Geld abschöpfe, entrichtet man als Kleinunternehmen die Stempelsteuer auf Versicherungen auch, z. B. bei der Berufshaftpflicht- oder bei Sachversicherungen.

Am eigenen Leib erfahren

Abstrakt hatte ich schon als früherer Angestellter bei grossen Medienhäusern von all diesen Abgaben Kenntnis. So richtig konkret vorstellen konnte ich sie mir aber erst, als ich sie als Angestellter und Arbeitgeber in Personalunion im eigenen Unternehmen dann ganz unmittelbar am eigenen Leib zu spüren bekam. Denn auch das Geld für all diese Abgaben und Prämien muss zunächst erwirtschaftet werden. Gewöhnlich sinken all diese Abgaben nicht, sondern werden über die Jahre Scheibchen für Scheibchen stetig erhöht: einmal etwas mehr Lohnprozente, einmal etwas mehr Mehrwertsteuer. In der Politik beliebt sind auch Pro-Forma-Befristungen, die dann beliebig verlängert werden. Den einstigen Miliz-Parlamenten ist das unternehmerische Schmerzempfinden weitgehend abhandengekommen, weil sich nur noch wenige Unternehmer den immer zeitaufwändigeren Gang in die Funktionärs- und Lobbyisten-Parlamente leisten können oder wollen.
Die Ausweitung der Staatsquote scheint politisch unumkehrbar. Sie wächst und wächst. Wenn wir uns etwa vor Augen halten, wie viel Schmiermittel das Parlament in Form einer weiteren Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozent einsetzen will, allein um die Selbstverständlichkeit eines gleichen Rentenalters 65 von Frau an Mann an der Urne durchzubringen, kann einem angst und bange werden. Ironischerweise publizierten die Medien zur gleichen Zeit eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz, wonach das Vermögen der Pensionierten in der Schweiz stetig steigt, und ein Grossteil der Rentner genug verdient, um auch im Ruhestand neues Vermögen äufnen zu können.

Wann überschreitet die Staatsquote die Schmerzgrenze von Unternehmern?

Als Unternehmer muss man grundsätzlich flexibel sein, und sich auf neue Gegebenheiten einstellen. Steigt also mit der Staatsquote automatisch die Schmerzgrenze von Unternehmern gegenüber einer wachsenden Abgabenlast? Gibt es einen Punkt, wo es für die Unternehmen unerträglich wird, wo sie wegziehen, schliessen oder sich der erdrückenden Abgabenlast anderswie zu entziehen versuchen? Wo dieser Punkt liegt, kann niemand voraussagen.
Aber es kann sicher nicht schaden, wenn Unternehmer alles unternehmen, um wieder mehr Einfluss auf die Politik zu gewinnen. Den Benchmark der politisch einflussreichsten Berufsgruppe stellen hierzulande nach wie vor die Bauern dar. Die drei Dachverbände der Schweizer Wirtschaft Economiesuisse, der Schweizerische Arbeitgeberverband und der Schweizerische Gewerbeverband haben sich kürzlich zu einer gemeinsamen wirtschaftspolitischen Agenda bekannt zur Vitalisierung der Schweizer Volkswirtschaft. Wenn die Wirtschaftsverbände dieser Agenda Taten folgen lassen und nicht mehr zerstritten, sondern geeint auftreten, dürfen die Unternehmer wieder auf einen politischen Gegenpol zu den Umverteilungs- und Subventions-Etatisten zählen.

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