Der Lustknacker

Der Lustknacker

Von fehlenden Hosen, Enten und Cowboys. Vom Ballett der Saison und von David Hasselhoff an der Rezeption: «Er kommt – Knight Rider.»

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von Dominique Feusi am 8.11.2021, 09:48 Uhr
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«Bestellst du dir später den Lustknaben aufs Zimmer?» Aber von Anfang an, meine Damen und Herren, oder machen wir’s hochkorrekt, liebe Lesenden und Liebenden, denn wir feiern diese Woche einen Neuzugang im, sagen wir, leicht anzüglichen, aber dennoch bildungssprachlichen Fachjargon.
Und das kam so: Die E. macht gerade Ferien in der eigenen Stadt. Als wir telefonieren, entrümpelt sie die Wohnung. Sie hat sich vom eigenen Betrieb eine Woche Pause verdient. Ob man dann daheim gleich weiterarbeiten soll? Jedenfalls hat sie diesen Plan. Zwei Stunden später schickt sie ein Foto von einem Balkon. Blick auf Zürich. The Dolder Grand. Entrümpelt sie jetzt da?
Wir witzeln ein bisschen über ihr hartes Alternativprogramm, dass sie da oben mal putzen soll, und wann ich bei ihr im Dolder einziehen kann. Aber die E. hat ja auch noch einen Mann. Der ist, hm, so etwa acht Jahre älter als sie, worüber sie gerne Witze macht. Mitleid ist nicht angebracht, er ist ein toller Kerl, der es faustdick hinter den Ohren hat, und die zwei lieben sich wie verrückt, so in der Art, dass es manchmal zum Kotzen kitschig ist, und man nicht erstaunt wäre, würden ihnen weisse Tauben aus dem Hintern fliegen. Manchmal auch nicht.

Choreographie? Kennen Sie.

Weil also am Abend eher er als ich zu ihr ins Dolder zieht, schreibe ich: «Bestellst du dir später den Lustknaben aufs Zimmer?» Und die E. retourniert, à point wie gewohnt, ihrer sei ja eher:
«Der Lustknacker!»
Richtig, und diesen Neuzugang im leicht anzüglichen, aber dennoch bildungssprachlichen Fachjargon, feiern wir nun. Denn haben Sie nicht auch sofort ein neues Lieblingsballett? «Der Lustknacker»! Crazy, wir beherrschen fast alle die Choreographie! Okay, die meisten von uns kennen sie. Kennen und Können können ja bekanntlich ganz schön weit auseinanderliegen.

Kein Hosenkavalier

Apropos Lustknacker und Dolder, vor ein paar Jahren habe ich an der Rezeption meine grosse Jugendliebe getroffen: Den Knight Rider. Nun gut, meine erste grosse Liebe war eigentlich Donald Duck, bis mir eines schrecklichen Tages auffiel, dass Donald Duck ja gar keine Hosen trägt? Was für ein Schock! Es war mir vorher nie aufgefallen, ich hatte es einfach hingenommen, ich war im Schwarm der Blinden mitgeschwommen. Aber nun war ich aufgewacht und die Hosen-Verweigerung stand zwischen mir und Donald Duck. Dass er eine Ente war, hat mich seltsamerweise nie gestört, aber dass er keine Hosen trug, da hat meine Toleranz aufgehört.

La donna è mobile

So ist das eben, liederliches Frauenherz, «La donna è mobile», und so wechselte die Liebe zu einem, der Jeans trug: Lucky Luke: «Der Mann, der schneller zieht als sein Schatten». Wir hatten eine sonnige Beziehung. Bis ein Mann kam, der mit seinem Auto eine Staubwolke hinter sich herzog. Knight Rider fuhr in mein Leben: «Er kommt – Knight Rider – Ein Auto, ein Computer, ein Mann.» Es gab in meiner Jugend eine Zeit lang nichts Besseres als diesen Vorspann: «Knight Rider – Ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht.»
Dabei hat mich David Hasselhoff in der Rolle des ehemaligen Polizisten Michael Knight, der im Auftrag der Foundation For Law And Government gegen das Verbrechen kämpft, mässig interessiert. Meine ganze Liebe galt K.I.T.T., dem sprechenden Auto.
Tja, wo die Liebe hinfällt: Enten, Cowboys, sprechende Autos. Sollte ich darüber nachdenken? Oder kann ich Sie mit David Hasselhoff an der Rezeption ablenken?

Unverhofft kommt «Hoff»

Da stand also ganz unverhofft und zum Glück mit Hosen: «The Hoff». Und ja, ich war ein bisschen aufgeregt, aber «The Hoff» war unglaublich nett, hat sogar ein wenig Smalltalk gemacht und erzählt, er sei mit seiner Tochter und seiner Freundin da, und weil die zwei etwa im gleichen Alter wären, würden sie zusammen in Zürich shoppen gehen, während er hier oben bleibe. Das sei ganz wunderbar.
Ich lächelte sehr viel, guckte grenzdebil und sagte: «How nice!»
Wer weiss, ich hätte ihm wohl auch gratuliert, hätte er gesagt, er habe zum Lunch ein Pinguin-Carpaccio gehabt. Das hier war Knight Rider. Der ritterliche Reiter von K.I.T.T. Und ich rückständiges Weib hätte ihn so gerne gefragt:
«Bist du mit dem Auto da? Nimmst du mich mit?»

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