Der Fall Jussie Smollett: Wenn ein Schwarzer kein Opfer, sondern ein Betrüger ist

Der Fall Jussie Smollett: Wenn ein Schwarzer kein Opfer, sondern ein Betrüger ist

Im Westen grassiert der Opferkult. Was immer ein vermeintliches Opfer behauptet, muss stimmen. Oder auch nicht. Ein Lehrstück aus den USA.

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von Markus Somm am 11.12.2021, 05:04 Uhr
Jussie Smollett verlässt das Gericht nach dem Urteil. Er verdankt seine Karriere der Fernsehserie Empire. Heute, so sagt er, sei er arbeitslos.
Jussie Smollett verlässt das Gericht nach dem Urteil. Er verdankt seine Karriere der Fernsehserie Empire. Heute, so sagt er, sei er arbeitslos.
Der amerikanische Schauspieler Jussie Smollett ist am Donnerstag wegen Irreführung der Justiz verurteilt worden. Ein Geschworenengericht in Chicago kam zum Schluss, dass er die Polizei systematisch belogen hatte. Kaum war das Urteil gesprochen, kündigten Smolletts Anwälte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Wie immer auch der Fall weiter behandelt wird, Smollett selbst dürfte sich davon nicht mehr erholen. Zu plump, zu hinterhältig hat er offensichtlich ein ganzes Land an der Nase herumgeführt.
Im Januar 2019 rief er mitten in der Nacht die Polizei in sein Appartement in Chicago und behauptete, zwei Weisse hätten ihn um zwei Uhr nachts auf der Strasse verprügelt – weil er schwarz, weil er schwul sei. Die beiden wären dabei mit roten MAGA-Mützen aufgetreten – den SS-Mützen der Trump-Anhänger gewissermassen – und hätten «This is Trump country!» geschrien – das ist Trumps Land. Wenn die Sache schon kurios genug war – warum läuft Smollett im Januar ausgerechnet um zwei Uhr nachts in Chicago, der kältesten Stadt Amerikas, herum? – dann stank sie spätestens jetzt, da Smollett auch noch den Text seiner Angreifer soufflierte: «This is Trump country!» War das nicht zu melodramatisch? War es nicht zu schön, um wahr zu sein? Es entsprach so präzis den liebsten Vorurteilen des linksliberalen, von Trump-Hass erblindeten Establishments, dass schon früh Zweifel an Smolletts Aussagen hätten aufkommen müssen.

Voreilige Solidaritätsbekundungen

Nicht so bei Joe Biden, dem aktuellen US-Präsident, der sich damals bestimmt schon Gedanken machte, ob er 2020 zur Wahl antreten sollte: «Was heute Jussie Smollett widerfahren ist» twitterte er umgehend, bevor auch nur eine Aussage des Opfers überprüft worden war, «darf in diesem Land nie geduldet werden. Wir müssen aufstehen und verlangen, dass wir diesem Hass nicht länger einen sicheren Unterschlupf bieten. Dass Homophobie und Rassismus nie einen Platz finden auf unseren Strassen und in unseren Herzen. Wir stehen mit Dir, Jussie.»
Und Kamala Harris, ebenfalls bald Kandidatin, heute Vizepräsidentin, pries Smollett, als «einen der liebenswürdigsten und angenehmsten Menschen», den sie kenne und bezeichnete die Attacke als «modernes Lynchen».
Tatsächlich hatte Smollett nichts unversucht gelassen, um seinen Fall mit den nötigen, historisch schwer belasteten Requisiten zu versehen: Als die Polizei bei ihm auftauchte, trug er immer noch den Galgenstrick um den Hals, den ihm die Angreifer übergestülpt hatten, wie er angab. Einen auffällig weissen, fast zu ordentlichen Strick. Warum er diesen eine halbe Stunde nach dem Überfall immer noch trug, wirkte zwar etwas merkwürdig angesichts der Tatsache, dass wohl niemand gerne mit einem Galgenstrick um den Hals allzu lange herumsitzt. Schon allein der Gedanke daran, was einem damit angetan werden könnte, dürfte jeden von uns dazu bewegen, sich möglichst rasch daraus zu befreien. Da der Polizist eine Bodycam laufen liess, können wir uns die Szene selbst ansehen: Das Video zeigt, wie Smollett dem Polizisten den Galgenstrick zeigt, dabei tritt er unsicher auf – wie ein miserabler Schauspieler oder ein kleiner Bub, der irgendetwas verbirgt. Im Nachhinein ist klar: Smollett, der hochbezahlte Schauspieler, scheiterte am eigenen Drehbuch. Es war zu überladen: MAGA-Mützen, Trump-Parolen, Galgenstrick. Er hatte es überzogen. Bald fiel der vermeintliche Dok-Film zum Thema Rassismus und Homophobie beim Publikum durch. Wenige war noch bereit, ihm die Geschichte abzunehmen. Sie war erstunken und erlogen.
Link zum Video, das zeigt, wie Smollett der Polizei den Galgenstrick vorführt:

Angeheuerte Täter aus Nigeria

Dabei erwies sich auch, wie unendlich naiv Smollett gewesen war, aber genauso wie kriminell: Um den Überfall zu inszenieren, hatte er zwei Bekannte aus Nigeria angestellt, auch sie natürlich schwarz, und meinte sie mit einer Zahlung von 3500 $ abspeisen zu können; inzwischen haben sie sich gegen ihn gewandt und traten im Prozess als Kronzeugen gegen ihn auf. Was wollte er da noch ausrichten? Doch Smollett behauptete vor Gericht unverdrossen, es werde ihm Unrecht getan – und auch nach dem Urteil, so machte er den Eindruck, wollte er nicht von seiner Version ablassen. Womöglich rieten ihm die Anwälte dazu. Und vermutlich haben sie recht.
Solange Smollett nicht zugibt, selbst zur Tat angestiftet zu haben, werden trotz Urteil, trotz unübersehbarer Faktenlage, manche Amerikaner daran festhalten: Smollett ist wohl doch das Opfer. Wenn nicht im Januar 2019, dann halt zu einem anderen Zeitpunkt. In der Kindheit, in der Jugend, in Hollywood. Man weiss es, ohne es zu wissen. Herrscht in den USA nicht seit langem ein «systemischer Rassismus» vor, wie die Linke argumentiert? Ein schillernder, ein verführerischer Begriff, weil so diffus, und der den Vorzug besitzt, dass man Rassismus diagnostizieren kann – ohne ihn im Einzelnen und konkret belegen zu müssen. Wir sind alle schuld. Vom Sündenfall, worin auch immer dieser bestehen soll, sind wir alle gezeichnet.

Die Revolution frisst ihre Kinder

Smolletts Geschichte zeigt, was alles in den USA aus den Fugen geraten ist. Fakten sind keine Fakten mehr, sobald bestimmte, von der Linken zu Kollektivopfern erklärten Minderheiten ins Spiel kommen. Wer schwul ist, wer schwarz ist, kann nichts anderes als ein Opfer sein. Smollett setzte darauf. Und zu Beginn, wie die Wortmeldungen von Biden und Harris beweisen, ging es für ihn auch auf. Niemand glaubte, ihm nicht glauben zu dürfen. Selbst Trump verurteilte die Attacke.
Hinterher kam übrigens heraus, dass Smollett mit dem vorgespiegelten Hate Crime seinen Arbeitgeber unter Druck setzen wollte: eine Gage von 100'000 $ pro Folge in der Fernsehserie «Empire», der er seinen Durchbruch verdankt hatte, schien ihm nicht hoch genug. Ein Hate Crime als Argument in den Lohnverhandlungen.
Wo Opfer immer recht haben, verleitet man Betrüger dazu, sich als Opfer einzuschleichen. Der Verbrecher von heute tut gut daran, sich als Opfer eines Verbrechens darzustellen: Smollett hat im Grunde nur ein System ausgenutzt, das andere für ihn aufgebaut haben, zumeist weisse Linke, die die Schwarzen, aber auch die Homosexuellen oder die Frauen und die Hispanics, kurz: welche Minderheit auch gerade in Mode steht, als Maskottchen ihrer Politik missbrauchen. Denn darum geht es: Um Macht. Um wenig anderes. Smollett passte, weil seine Geschichte den Demokraten zu helfen schien, den ungeliebten Trump in Schwierigkeiten zu bringen. War das nicht der Beweis, dass seine Anhänger Rassisten waren, wie er vermutlich auch?
Hate Crimes gibt es. Nach wie vor – und nicht zu wenige. Niemand heisst sie gut. Im Gegenteil, um sie zu bekämpfen, unterhalten alle westlichen Staaten ein teures, effizientes, hochprofessionelles Polizei– und Justizsystem, das sich bei der Bevölkerung breitester Zustimmung erfreut – ausser vielleicht bei der Linken. In der Regel werden die Täter gefasst und kommen hinter Schloss und Riegel.
Aber ein Opferkult hilft den Opfern nicht, sondern den Betrügern und manchmal den Politikern, die sich wählen lassen, mit dem Argument, sich für die Opfer einzusetzen, indem sie uns alle zu Tätern machen. Kaum gewählt, haben sie meistens andere Sorgen.

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