Der eidgenössische Bauchladen

Der eidgenössische Bauchladen

Fast 6000 verschiedene Artikel hat der Bund letztes Jahr herausgegeben. Vieles ist gratis. Aber auch notwendig?

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von Gast Autor am 14.4.2021, 15:00 Uhr
Erste und Zweite Säule auf arabisch Bild: Beni Frenkel
Erste und Zweite Säule auf arabisch Bild: Beni Frenkel
Sorgt sich der Bund um die Gesundheit seiner Bevölkerung? Und wie. «Ich habe Schmerzen, albanisch», ist nur ein Werk der Bundespublikationen, das sich um das Wohlbefinden sämtlicher Einwohnerinnen und Einwohner kümmert. Die Autoren warnen: «Schmerzen können wütend oder traurig machen.» Manchmal liegt man aber auch nur im Bett und kann nicht einschlafen. Was tun, Herr Bundesrat? «Achten Sie darauf, dass Sie keinen Kaffee trinken.» Verstanden, aber der Sandmann ist noch immer nicht gekommen. Was jetzt? «Kreuzworträtsel lösen, handarbeiten, mit den Kindern oder der Familie ein Spiel spielen.»
Für Letzteres gibt es auch im Bundesshop etwas. Das «Gifthaus – Würfelspiel» ist wie der albanische Schmerzratgeber kostenlos. Im Gifthaus lernen Spieler den «verantwortungsvollen Umgang mit chemischen Produkten.» Das Spiel ist für Spieler ab vier Jahren freigegeben.
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Fünf kostenlose Jutesäcke für die Familie bestellt

Der Bundesshop (https://www.bundespublikationen.admin.ch/) hat von Parlament und Bundesrat den Auftrag, die Bevölkerung mit den von den Bundesstellen publizierten Informationen zu versorgen.
Der Auftrag wird sehr ernst genommen. Das Giftspiel, der Schmerzratgeber, aber auch Kleber, Taschen, Bücher: Vieles ist gratis und portofrei. Zum Beispiel 500 weisse Papier-Tischsets für eine sechs Jahre alte Alkoholkampagne des BAG. Die Tischtücher haben A3-Format. Die 500 Tischtücher umfassen eine Fläche von über 62 Quadratmeter. Man könnte mit ihnen auch alle Wände in der Wohnung tapezieren. Und dann die der Nachbarin.
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2 Jutesäcke für die Eltern bestellt.

Nicht alles ist gratis, aber zum Glück das ethische Gutachten «Genome Editing und Gentherapie in der Veterinärmedizin». 118 eng beschriebene Seiten.
Der Bund denkt an alles. Das Werk «Ernährung Schwangerschaft» wurde nicht nur in den drei Landessprachen gedruckt, sondern gleich in sechs weitere. Zum Beispiel in Tigrinya, Somali und Farsi. In allen Sprachen: gratis.
Jeden Werktag kommen mehr als 20 neue oder überarbeitete Artikel heraus. Das hat natürlich seinen Preis. Das Eidgenössische Finanzdepartement beziffert die jährlichen Kosten des Bundesshops auf 17 Millionen Franken. Und jährlich wird es mehr. 2018 kamen knapp 5000 Artikel heraus, 2019 über 5300 und letztes Jahr genau 5924 verschiedene Broschüren, Prospekte, Kleber, Bücher und Spiele.
Der Shop erfreut sich grosser Beliebtheit. Fast 150'000 Mal wurden letztes Jahr die Organspende-Karten geordert, 280'000 Mal das Poster «Schweizer Pärke – Kleine Naturwunder». Nicht in die Top Ten schafften es leider die Bundesratsfotos. Der Nebelspalter empfiehlt: Bestellen Sie noch heute die Fotos der Jahre 2015-2018 und 2020-2021. Die sind noch nicht vergriffen und kosten – nichts.
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Te jesh i moshuar ne Zvicer

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