Der darf das

Der darf das

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von Ralph Weibel am 13.5.2021, 04:00 Uhr
Vorlage SRF
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Alleine die Frage, «Was darf Satire?» ist falsch. Sie suggeriert eine mögliche Antwort. Genauso könnte man fragen, ob Broccoli eine Delikatesse, eine Umweltverschmutzung oder eine Frisur ist. Deshalb darf man SRF-Dominic-Deville für seine schlechten Witze nicht teeren und federn. Eigentlich schade.

Dass Satire alles darf, ist spätestens seit dem Rausschmiss des international anerkannten Schweizer Karikaturisten Chappatte bei der New York Times obsolet. Nur zu gerne zitieren Satiriker weltweit die Antwort Kurt Tucholskys auf die Frage, was Satire dürfe: «Alles!» Doch Tucholsky sagte nicht nur dieses eine Wort. Er schob als Erklärung nach: «Die Würde muss es sich gefallen lassen, dass sie manchmal am Bart gezupft wird.» Was sehr verniedlichend tönt. Gleichzeitig zeigt dieser Satz auf, wie vor über 100 Jahren miteinander umgegangen wurde. In ungleich schwierigeren Zeiten als der unsrigen, stellte man sich ritterlich der Kritik. Leider kenne ich die weibliche Form des Ritters nicht, womit hier die Frauen ausgeschlossen sind. Zakbumbäng! Das schreit nach einem Shitstorm. Gleichzeitig ist der Beweis erbracht, wie wenig es heute braucht, etwas Empörung zu provozieren.
Beissende, oder bissige, Kritik übervorteilt immer eine Seite und eine andere muss einstecken. Zu verlockend ist es, den Rahmen von Anstand und Respekt zu sprengen, es als Satire zu deklarieren und so zu legitimieren. Einfacher gesagt, es gibt durchaus Grenzen, die nicht der Pointe willen überschritten werden dürfen. Nur, wer legt die Grenze fest? Wenn ich beispielsweise die Meinung vertrete, Deville sei mir völlig egal, weil ich seine Sendung nur einmal, etwa drei Minuten, gesehen habe, bis alleine seine krähenhafte Stimme bei mir spastische Zuckungen auslöste, ist das noch keine Satire, sondern die Wahrheit. Ich muss für die Pointe aber in Kauf nehmen, als erklärter Vogelfreund, die Krähen beleidigt zu haben.
Was lässt das für eine Schlussfolgerung zu? Satire darf alles, ausser langweilig sein. Gute Satire respektiert die Grundrechte und Menschenwürde, was schon wieder so schwurbleig ist wie ein §-Zeichen. Ein konkretes Beispiel: Religion. Sich über die Institution und ihre Symbole wie Kreuze, Hilal oder Dharmachakra lustig zu machen ist schlecht. Ins Visier genommen gehört das Bodenpersonal, also der Papst, Erdogan und ein dicker Buddha.
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