Das überflüssigste Museum der Schweiz

Das überflüssigste Museum der Schweiz

Die Berner Mitte-Nationalrätin Marianne Streiff (EVP) will, dass der Bund ein nationales Frauenmuseum einrichtet. Der Nationalrat unterstützt das Ansinnen. Doch ein solches Museum wäre nichts als ein feministisch-überflüssiger Staatsausbau.

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von Claudia Wirz am 29.6.2021, 16:52 Uhr
Gehören die Frauen ins Museum? Die Mehrheit des Nationalrats meint: Ja!
Gehören die Frauen ins Museum? Die Mehrheit des Nationalrats meint: Ja!
Die Ukraine hat eins. Dubai hat eins. Burkina Faso hat auch eins. Vietnam hat sogar zwei, ebenso die Volksrepublik China. Und rund 90 weitere Länder sollen angeblich auch mindestens eins haben. Die Rede ist von einem mehr oder weniger offiziellen Frauenmuseum. Und die Schweiz? Fehlanzeige! Wieder einmal «hinkt» die Schweiz «hinterher», ist sie ein «Entwicklungsland», «im Hintertreffen» angesichts all der leuchtenden Vorbilder aus dem Ausland.

Gender und Geschichte

Für die Berner Mitte-Nationalrätin (EVP) Marianne Streiff ist das ein Ärgernis. Die Tatsache, dass die Schweiz eines der egalitärsten, demokratischsten und wohlhabendsten Länder weltweit ist, bietet offenbar nur wenig Trost. Deshalb soll die Schweiz nun den Vorbildern aus Burkina Faso und Vietnam nacheifern und ebenfalls ein Frauenmuseum schaffen.
Dort soll dann – sozusagen in einem gesonderten «safe space» – die Geschichte der Frauen «sichtbar» gemacht werden. Und wer weiss, vielleicht sollen dort dereinst auch alle Schulklassen des Landes in den Genuss staatlich anerkannter und feministisch korrekter Geschichtsschreibung kommen, möglicherweise gar zu 100 Prozent in gendergerechter Sprache. Das Pädagogische ist Marianne Streiff als ehemaliger Primarlehrerin jedenfalls keineswegs fremd.

Dekret von oben

Um diese Vision umzusetzen hat Marianne Streiff nicht etwa eine private Initiative ergriffen, Verbündete gesucht und Geld gesammelt. Nein, die Berner EVP-Politikerin setzt ganz oben an und versucht, dieses Ansinnen zentralistisch zu dekretieren und durch die Allgemeinheit zu finanzieren. Dazu hat sie eine Motion eingereicht, die in der vergangenen Sommersession vom Nationalrat mit 91 Ja gegen 81 Nein angenommen wurde und nun in den Ständerat kommt.
Die Motion beauftragt den Bundesrat, ein Konzept für ein «Haus der Frauen» auszuarbeiten. In diesem vom Steuerzahler finanzierten Haus soll fortan die Geschichte der Frauen in der Schweiz dokumentiert und aufgearbeitet werden. Verlangt wird ein Konzept, kein separates Institut, denn dafür wäre eine Gesetzesänderung notwendig und zu dieser wiederum hätte das Volk das letzte Wort.
Wie eine solchermassen feministische Geschichtsaufarbeitung aussehen könnte, zeigt die gegenwärtige Ausstellung «Frauenrechte» im Landesmuseum. Die Ausstellung ist nicht nur ein Schulbeispiel für gefällige Selbstdarstellung der Genderlobby, sie ist auch von A bis Z ideologisch eingefärbt.
Sie folgt fast ausschliesslich der links-grün-gewerkschaftlichen Heilslehre, kommt ohne historische Tiefe aus, weiss über Frauen ausschliesslich Gutes zu berichten und verklärt stalinistische Parteisoldatinnen aus der Sowjetunion zu Lichtgestalten der Frauenrechte, während die Schweiz als Terrain ebenso verknöcherter wie privilegierter weisser Männer dargestellt wird.

Das Gleichstellungsbüro gehört abgeschafft

Die Motion von Marianne Streiff haben ausschliesslich Frauen mitunterzeichnet. Die überwiegende Mehrheit von ihnen stellen SP und Grüne, aber auch einige Mitte-Politikerinnen und Freisinnige wünschen sich eine staatliche Zentralstelle für Frauengeschichte, etwa Doris Fiala, Isabelle Moret und Christa Markwalder.
Der Bundesrat hingegen lehnt die Motion ab. Die Geschichte der Schweizer Frauen werde schon heute mannigfaltig aufbereitet. Er hat recht. Die Geschichte der Frauen separat als Sonderfall zu betrachten, hat sogar etwas ausgesprochen Rückwärtsgewandtes. Ausserdem gibt es keinerlei Mangel an öffentlicher «Sichtbarkeit» von Frauen in der Schweiz, ganz im Gegenteil. Und es ist niemandem verboten, sich mit Frauengeschichte zu befassen.
Vielmehr stellt sich angesichts dieses Befundes die Frage, ob nicht ein anderes, in ebendiesem Bereich tätiges staatliches Institut endlich abzuschaffen ist. Mit dem Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann leistet sich der Bund eine Stelle, die gewerkschaftliche Projekte fördert, ganz normale Frauen zu Heroinnen emporstilisiert und Männer vor allem dann thematisiert, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht. Das kann man in einem freien Land natürlich tun – aber auch hier bitte nicht mit dem Geld der Steuerzahler.
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