Das «Widerstandsnest» des Schweizer Gewerbes steht unter Druck

Das «Widerstandsnest» des Schweizer Gewerbes steht unter Druck

Das Projekt «Animap» ist ein Branchenportal, auf dem sich Anbieter präsentieren, die jeden willkommen heissen – auch ohne Covidzertifikat. Doch seit dem jüngsten Entscheid des Bundesrats droht solchen Firmen Gefahr. Die Animap-Macher mussten deshalb schnell handeln und haben das Portal «entschärft».

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von Stefan Millius am 8.9.2021, 18:00 Uhr
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Im März 2021 ging es los mit Animap.ch, später folgten identische Portale für Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und die Beneluxstaaten. Das anfänglich zweiköpfige Team ist auf zehn Leute gewachsen. Ihre Mission: Ein Branchenverzeichnis, in dem sich Firmen präsentieren, die nicht vorhaben, sich einer Zertifikatspflicht zu unterwerfen. Konsumenten können so schnell und einfach herausfinden, wo sie auch ohne Impfung oder Test jederzeit eingelassen werden.

Nur noch via Kontaktformular

Beziehungsweise: Sie konnten. Denn die vom Bundesrat beschlossene Ausweitung der Zertifikatspflicht hat Auswirkungen. Wie Markus F. (Name der Redaktion bekannt), Initiant und Mitbegründer von «Animap», sagt, habe man sich auf diesen Moment vorbereitet. Unmittelbar nach der Entscheidung wurde aus dem offenen Portal ein eher abgeschirmtes. Die angemeldeten Firmen sind nun nicht mehr mit Name und Adresse frei abrufbar; Interessenten sehen nur, an welchem Ort ein Anbieter einer bestimmten Kategorie mit dabei ist. Danach müssen sich via Kontaktformular melden, um Näheres herauszufinden.
Nicht ohne Grund. Denn die Animap-Macher haben in Österreich schon einmal erlebt, was im Fall von verschärften Massnahmen passieren kann. «Die Polizei hat kurz danach begonnen, gezielt Betriebe zu kontrollieren, die auf Animap registriert waren», so Markus F. Das Resultat seien viele panische Anrufe von Firmenbesitzern gewesen, die um umgehende Löschung vom Portal baten.

«Vor Denunziantentum schützen»

Aktuell sind an die 4000 Anbieter bei animap.ch zu finden. Beziehungsweise eben nur noch indirekt zu finden. Auch auf den anderen Länder-Webseiten hat das Team zu dieser Einschränkung gegriffen, weil absehbar sei, dass es dort nicht anders laufen werde. Markus F.: «Wir wollen die Betriebe, die bei uns mitmachen, vor dem Denunziantentum schützen.»
Die Massnahme kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. animap.ch wuchs zuletzt sehr schnell, bis zu 50 Unternehmen kamen pro Tag dazu. Doch das war, bevor die Ausweitung der Zertifikatspflicht Tatsache wurde. Gerade in der Gastronomie und den Freizeitbetrieben, die mit Sanktionen rechnen müssen, wenn sie sich nicht ans Gesetz halten, sei damit zu rechnen, dass sie «einknicken wie ein Strohhalm», nun, wo aus der Befürchtung eine Tatsache geworden ist. Das sei in Österreich auch schon so gewesen.

Mit Mehraufwand verbunden

Auf animap.ch sind allerdings auch viele Betriebe verzeichnet, die von der Zertifikatspflicht nicht – oder noch nicht – betroffen sind und die mit ihrer Präsenz auf dem Portal in erster Linie Flagge zeigen wollen. Es sei in den ersten Monaten «eine vorausschauende präventive Aktion» gewesen, so Markus F., man habe begonnen zu einem Zeitpunkt, als die Schweiz von der Zertifikatspflicht noch nicht tangiert war.
Bleibt die Frage, ob das Branchenportal der besonderen Art mit der erfolgten Anonymisierung überhaupt noch Sinn macht. Denn für den Benutzer ist die Suche nach einem Anbieter nun um einiges mühsamer. Markus F. räumt das ein. Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass «Animap» kein herkömmliches Suchregister sei. «Aussergewöhnliche Zeiten erfordern aussergewöhnliche Massnahmen, die User, die wirklich dabei sein wollen, müssen sich an den Mehraufwand gewöhnen.»

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