Covid-Zertifikat als Judenstern - ein absurder und inakzeptabler Vergleich

Covid-Zertifikat als Judenstern - ein absurder und inakzeptabler Vergleich

Wenn der Holocaust und dazugehörige jüdische Symbole zu Objekten der Instrumentalisierung werden oder schlimmer noch, wenn sie für politische Zwecke missbraucht werden, ist das nicht tolerierbar und ein Skandal.

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von Gerardo Raffa am 21.10.2021, 07:00 Uhr
David Beeler vergreift sich bei seiner Wutrede im Ton. Foto: Youtube@kleinmeisterlein
David Beeler vergreift sich bei seiner Wutrede im Ton. Foto: Youtube@kleinmeisterlein
Der jüngste Fall in dieser Reihe von Dummheiten, ist der Redebeitrag eines SVP-Politikers an einer Demonstration von Corona Massnahmen-Kritikern in Rapperswil. In seiner Wutrede, in der der Schwyzer SVP-Kantonsparlamentarier unter anderem die «Pandemie-Verantwortlichen vor ein Kriegsgericht» stellen wollte, verglich er das Covid-Zertifikat mit dem Judenstern. «Als unterjochter Bürger hat es früher einen Stern gebraucht. Jetzt muss man ein Covid-Zertifikat haben», sagte Redner David Beeler.
Es ist legitim und in einer Demokratie wichtig, wenn Massnahmen des Staates hinterfragt, kritisiert und wo nötig auch bekämpft werden. Mit allen politischen Mitteln, die zu Verfügung stehen, inklusive friedlichen Kundgebungen und Demonstrationen.
Aber Aussagen und Vergleiche, wie die des SVP-Politikers aus Schwyz, sind unzulässig. Das Aktionsbündnis Urkantone, «MASS-VOLL!» und der Verein Stiller Protest, die als Organisatoren der Demonstration auf Plakaten erwähnt sind, hätten sich dazu nach dieser Rede äussern müssen. Auch die SVP wäre als Partei gefordert, hier mehr zu tun, als sich in nichtssagenden Floskeln wie «die Wortwahl ist teilweise sehr unglücklich gewesen» zu flüchten.
Der Judenstern bedeutet Leiden, Schmerz, Abschiebung, Eliminierung, Massenmord. Die Vermischung des Covid- Zertifikats mit der schrecklichen Realität der Shoah, ist eine Beleidigung des Gedenkens an Millionen von Männern, Frauen und Kindern, die aufgrund der verbrecherischen Machenschaften des Nationalsozialismus gedemütigt, gefoltert, deportiert und auf barbarische Weise ermordet wurden.
Der Vergleich ist inakzeptabel, er beleidigt die Erinnerung an die Menschen, die unter den Rassengesetzen gelitten haben und ermordet wurden. Er verletzt ausserdem die noch wenigen Überlebenden – und diejenigen, die noch heute jeden Tag dafür kämpfen, dass die Erinnerung an die Opfer der Shoah lebendig bleibt und respektiert wird. Während des Nationalsozialismus wurden Menschen diskriminiert, weil sie als Juden oder Roma geboren wurden, weil sie homosexuell oder behindert waren, sie wurden gefoltert und getötet, nur weil sie existierten.
Man muss immer und überall für Frieden, Freiheit und Souveränität demonstrieren, aber ohne unsägliche Vergleiche des Covid- Zertifikats mit dem Judenstern oder Konzentrationslagern.
PS: Auch sogenannte Komiker oder Satiriker, die Massnahmen-Kritiker als Ignoranten oder Schwurbler bezeichnen oder gar etwas von Gaskammern faseln, sollten sich mit respektlosen und unfassbaren Vergleichen und Entgleisungen zurückhalten. Manchmal hilft es, etwas an die frische Luft zu gehen.

Gerardo Raffa ist Redaktionsleiter bei Audiatur-Online und Geschäftsführer der Audiatur-Stiftung.

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