Coronavirus: Valentin Vogt hat recht

Coronavirus: Valentin Vogt hat recht

Wenn der Bundesrat seine Massnahmen an den Kranken statt an den Fallzahlen ausrichtet, dann sind Lockerungen möglich.

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von Dominik Feusi am 11.4.2021, 14:42 Uhr
Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. (Bild: SAV)
Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. (Bild: SAV)
Der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes sagte am Freitag in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens, dass nach der Impfung der Risikopatienten höhere Fallzahlen möglich sind, ohne dass das Gesundheitswesen zu stark belastet wird:

«Wenn die Risikopatienten geimpft sind, werden etwa drei Viertel der Hospitalisationen wegfallen. Das heisst, wir könnten dann mit Fallzahlen von 20’000 bis 30'000 pro Tag leben, ohne dass die Spitäler an den Anschlag kämen.»


Der darauffolgende Aufschrei in den Medien war riesig, aber falsch. Von den positiv Getesteten müssen nur ein bis zwei Prozent in Spitalpflege – Tendenz wegen der fortschreitenden Impfungen sinkend. Alle anderen haben zwar das Virus, sind aber nicht krank oder nur so, dass sie sich selber helfen können.
Bei 30’000 positiv Getesteten würde das maximal 600 Spitaleintritte bedeuten. Eine Berechnung von Tamedia kommt sogar nur auf 480 zusätzliche Spitaleintritte. In der Schweiz gibt es rund 38000 Spitalbetten.
Und wie sähe es bei der Intensivpflege aus? Von den 600 zusätzlichen Patienten müsste nur ein kleiner Teil in die Intensivpflege. Auch diese Zahl nimmt wegen der Impfkampagne ab. Derzeit sind 201 Patienten wegen Covid auf einer Intensivpflegestation. Die Schweiz verfügt jedoch über fünf Mal mehr Intensivpflegebetten. (Lesen Sie hier die Recherche dazu)

Die Horrorszenarien sind nicht eingetroffen

Vor einem Jahr war es die Strategie des Bundesrates, das Gesundheitswesen vor einer Überlastung zu schützen. Jetzt, wo die Risikopatienten geschützt sind, sind die leicht höheren Fallzahlen als Mitte Januar kein Problem für die Spitäler. Die Horrorszenarien der Taskforce mit exponentiell in die Tausenden steigenden Fallzahlen und einem Spitalwesen am Anschlag sind nicht eingetroffen.

«Wenn die Strategie des Bundesrates vom letzten Frühling noch gilt, dann sind Lockerungen kein Problem.»


Am Mittwoch diskutiert der Bundesrat die nächsten Schritte. Wenn die Strategie des Bundesrates vom letzten Frühling – also #flatenthecurve zugunsten des Gesundheitswesens – noch gilt, dann sind Öffnungen epidemiologisch kein Problem. Valentin Vogt hat recht.
Wenn der Bundesrat seine Strategie aber auf die unbedingte Senkung der Zahl der positiv Getesteten statt auf die tatsächlich Erkrankten ausrichtet, dann schon. Das ist aber weder medizinisch noch wirtschaftlich sinnvoll. (Lesen Sie hier unsere Recherche dazu.)
Das Virus dürfte – das sollten wir nun gelernt haben – unsere Masken, den Beizen-Lockdown und sogar die Impfung sowieso überleben und mit einem PCR-Test auch in Zukunft gefunden werden können. Wie bei den Tausenden von anderen Viren auch gilt für Covid-19: Entscheidend ist, wie viele Menschen wie schwer davon krank werden.

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