Corona-Wahnsinn. 100’000’000’000 Franken kosten die Massnahmen. Das Fazit von Experten: «Völlig unverhältnismässig»

Corona-Wahnsinn. 100’000’000’000 Franken kosten die Massnahmen. Das Fazit von Experten: «Völlig unverhältnismässig»

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von Sebastian Briellmann am 26.5.2021, 10:03 Uhr
Kann sich die reiche Schweiz solche kostspieligen Massnahmen noch für lange leisten? Foto: Shutterstock
Kann sich die reiche Schweiz solche kostspieligen Massnahmen noch für lange leisten? Foto: Shutterstock
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Die beiden Gesundheitsökonomen Konstantin Beck und Werner Widmer rechnen in ihrem neuen Buch mit den Massnahmen des Bundesrats ab. Dieser agiere so, als wollte er einen Baum fällen und dafür eine Bombe abwerfen.

Dass die Corona-Massnahmen viel Geld kosten, ist unbestritten. Milliarden von Franken wendet der Staat dafür auf. Diskutabel ist, was diese Massnahmen bringen. Die Ökonomen der bundesrätlichen Corona-Taskforce haben im Januar eine Kosten-Nutzen-Rechnung vorgelegt, die die beträchtlichen Ausgaben des Bundes rechtfertigen. Aufgrund gewonnener Lebensjahre ist das Verhältnis im Vergleich zu den Investitionen positiv. Diese Rechnung sorgte bereits in der Vergangenheit für viel Kritik. (Lesen Sie hier: Lockdown-Rechnung – harte Kritik an der Taskforce)
Einer der meistbeachtetsten Kritiker der Taskforce-Rechnung ist der Gesundheitsökonom Konstantin Beck von der Universität Luzern. Im letzten Jahr hat er mit seinem Kollegen Werner Widmer ein Buch über den Umgang der Schweiz mit der Pandemie geschrieben. Am Freitag kommt nun eine zweite Auflage in den Handel. Der bisherige Inhalt wurde überarbeitet und aktualisiert, ein beträchtlicher Teil dreht sich auch um neue Erkenntnisse.
Besonders auffallend ist dabei die Kosten-Nutzen-Analyse der beiden Autoren. Sie zeigt klar auf: Ob man unglaublich optimistisch (und nicht sehr wahrscheinlich) – oder doch eher realistisch rechnet: Einen Nutzen ergibt kein Szenario, es sei denn, man nimmt an, das Virus raffe vor allem die gesunde Bevölkerung dahin. Die realitätsnäheren Szenarien zeigen jedoch: Die Kosten nach Abzug des Nutzens betragen immer noch mehrere Dutzend Milliarden Franken. Im strengsten Beispiel belaufen sie sich auf sagenhafte 123 Milliarden Franken. Im halbwegs realistischen Best Case sind es immer noch stolze 40 Milliarden.

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Realistisch werden die Szenarien laut Autoren ab Zeile 3. Screenshot: Beck/Widmer: Corona in der Schweiz

Wie kommen Beck und Widmer zu diesem niederschmetternden Befund – bei dem, wie Beck erklärt, der Nettonutzen sogar noch überschätzt und «ganz sicher» nicht unterschätzt wurde? Die Autoren rechnen verschiedene Szenarien durch. Sie berücksichtigen verschiedene Einschätzungen bei der Restlebenserwartung. Diese Szenarien werden zudem sowohl mit einer tiefen und einer hohen Mortalität (2,7 Promille respektive 8 Promille) sowie mit hohen und tiefen Werten für ein Lebensjahr (250’000 Franken respektive 100’000 Franken) berechnet.
Konstantin Beck sagt: «Es zeigt sich einmal mehr, dass die Taskforce viel zu optimistisch rechnet, zum Beispiel bei der Lebenserwartung mit einer Restlebensdauer von mehreren Jahren, die in keinem Verhältnis zur Realität steht.»

Kosten: Ein Überschuss bleibt bestehen

Für die Autoren sind deshalb die Zeilen 7 und 10 in der Grafik die realistischsten, da die meisten an Corona Verstorbenen mindestens eine schwere Vorerkrankung hatten. Schon hier zeigt sich: Der Nutzen ist bereits nur gering, obschon noch kein Franken an Kosten verrechnet wurde. Auch bei diesen Berechnungen gilt für die Autoren: Selbst wenn man damit rechnet, dass etwa die Darlehen des Bundes wieder zum Staat zurückfliessen – bleibt in der Regel ein Überschuss an Kosten bestehen.
Beck sagt: «Die Sicht, dass es sich nur um ein Darlehen handelt, scheint uns aber zu eng. Immerhin zwingen die Massnahmen des Bundes tausende Unternehmen sich zusätzlich zu verschulden, um überleben zu können. Schulden sind Druck, sie implizieren eine Leistungsverpflichtung in der Zukunft, um die Schulden zurückzahlen zu können.»

Kosten: Eher zu tief angesetzt

Zudem stelle es einen nie dagewesenen Staatseingriff in die freie Wirtschaft dar, was wiederum volkswirtschaftliche Kosten mit sich ziehe (Erschwindeln ungerechtfertigter Darlehen, Verhinderung von notwendigen Strukturanpassungen, Moral Hazard).
Der zu berücksichtigende Betrag innerhalb der Kosten-Nutzen-Berechnung liegt also irgendwo zwischen null und 42,8 Milliarden. «Das ist somit auch eine Grösse, die bei der Beurteilung des Schlussresultats im Auge behalten werden muss.» Die 25 Milliarden an privaten Kosten sind eine geschätzte Zahl, schreiben die Autoren, «aber mit Sicherheit eher zu tief angesetzt.»
Für die Autoren steht fest: «Der negative Netto-Effekt ist ein hochplausibles und robustes Resultat. In der erdrückenden Mehrheit der Fälle liegt das Ergebnis zwischen minus 95 und minus 123 Milliarden Franken.»

Kosten: Noch mehr, noch lange?

Nicht berücksichtigt sind im Buch dagegen Spätfolgen wie Long Covid oder auch ein möglicher Zusammenbruch des Gesundheitswesens. Beck und Widmer weisen jedoch nach, dass Letzteres nie gedroht hat – und bei Langzeitfolgen wie Long Covid das statistische Gewicht fehlt. Eher drohten noch mehr Kosten, da die Pandemie noch nicht vorbei ist. Noch immer kostet eine Woche zwischen 350 und 450 Millionen Franken – bei sinkendem Nutzen.
Das Fazit der Autoren ist vernichtend: «Die Pandemie-Politik des Bundes erweist sich als vollkommen unverhältnismässig und das in einem Ausmass, wie es die Schweiz wohl noch nie gesehen hat. Wenn es das Ziel ist, einen Baum zu fällen, so kann man das auch mit dem Abwurf einer Bombe bewerkstelligen. Das Argument, der Baum sei danach gefällt, spricht trotzdem nicht wirklich für die Wahl dieses Mittels.»
Konstantin Beck und Werner Widmer: Corona in der Schweiz – Plädoyer für eine evidenzbasierte Pandemie-Politik (2. aktualisierte Auflage). Ab Freitag auf www.corona-in-der-schweiz.ch erhältlich. Die PDF-Version ist gratis, die gedruckte Version kostet 22 Franken
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