Corona-Lockerungen: Der Schweizer Weg macht Sinn. Auch mit Blick auf unsere Nachbarländer

Corona-Lockerungen: Der Schweizer Weg macht Sinn. Auch mit Blick auf unsere Nachbarländer

Wer nicht nur auf die Fallzahlen schaut, der merkt: Die Lockerungen des Bundesrats sind absolut nachvollziehbar. Auch im Vergleich mit unseren Nachbarländern.

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von Sebastian Briellmann am 15.4.2021, 15:29 Uhr
Ab Montag wieder möglich: In der Beiz essen, wenn auch nur draussen. Hier Impressionen aus Luzern vom Juni 2020. Foto: Shutterstock
Ab Montag wieder möglich: In der Beiz essen, wenn auch nur draussen. Hier Impressionen aus Luzern vom Juni 2020. Foto: Shutterstock
Das Urteil aus Deutschland kommt postwendend. Ob «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung» oder «Tagesschau» der ARD: Die Medien sind mindestens verwundert, dass die Schweiz ihre Corona-Massnahmen lockert, auf eine Rückkehr zur Normalität hinarbeitet. Die «Aargauer Zeitung» hat wenig überraschend einen Epidemiologen gefunden, der sagt: «Das Gegenteil wäre jetzt richtig.» Die Schweiz müsste nochmals wie Frankreich strenge Massnahmen ergreifen, wenn nötig auch Ausgangssperren einführen.
Die Verwunderung wird stets gleich begründet: Die Schweiz hat steigende Fallzahlen – und lockert dennoch? Egal, wie zurückhaltend die Ablehnung formuliert sein mag; die Botschaft dieser Einschätzung kann getrost so verstanden werden: Die spinnen, die Schweizer.

Die Zahl der Toten sinkt

Wer auf die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100’000 Einwohner blickt, stellt fest: Deutschland liegt mit einem Wert von 160 tatsächlich vor der Schweiz (178). Aber unsere anderen Nachbarländer – Frankreich (451), Italien (180) und Österreich (202) – haben entweder (weit) höhere Fallzahlen oder ungefähr gleich hohe.
Warum die Schweiz so strenge Regeln wie Frankreich erlassen müsste, erschliesst sich nicht. Und die Kritik an den Lockerungen ist vor allem deshalb fraglich, weil sie sich einzig an den Fallzahlen orientiert. Die Botschaft von Alain Berset hat zumindest den Eindruck hinterlassen, dass der Bundesrat dieses Kriterium nicht mehr als entscheidender Faktor berücksichtigt wird.
Die Sich der Landesregierung ist durchaus verständlich. Die Spitaleintritte bleiben seit Beginn der Impfung konstant – und zwar konstant tief (nie gab es zum Beispiel weniger als 250 freie Betten auf den Intensivstationen). Obschon die Anzahl Betten in den letzten Monaten von rund 1400 auf unter 1000 reduziert wurden.
Viel wichtiger scheint ohnehin: Die Todeszahl pro Million Einwohner sinkt in der Schweiz kontinuierlich. Zu Beginn des Jahres noch höher als in den Nachbarländern, ist der Wert seit Februar der tiefste. Und er sinkt weiterhin stark. Stand Mittwoch lag die Zahl im Sieben-Tages-Durchschnitt bei 0,92 – verglichen mit Deutschland (2,85), Österreich (3,7), Frankreich (5,2) und Italien (7,5) steht die Schweiz hier mit Abstand am besten da. Diese Zahlen lassen die Lockerungen als überaus nachvollziehbar erscheinen.
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