Corona-Hilfen für Gastrobetriebe: Es lohnt sich nur, wenn man Verlust macht

Corona-Hilfen für Gastrobetriebe: Es lohnt sich nur, wenn man Verlust macht

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von Sebastian Briellmann am 7.4.2021, 15:03 Uhr
Harte Zeiten für Gastrobetriebe. Sogar für jene, die Gewinn machen – wie im Kanton Nidwalden. Foto: Shutterstock.
Harte Zeiten für Gastrobetriebe. Sogar für jene, die Gewinn machen – wie im Kanton Nidwalden. Foto: Shutterstock.
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Im Kanton Nidwalden wird nur entschädigt, wer in diesem Jahr einen Verlust budgetiert. Bis im März war die Praxis der Volkswirtschaftsdirektion noch strenger – doch dann wurde der Druck auf die Regierung zu gross.

Irgendwann kann auch Walter Blaser nur noch eines tun: seufzen. Der Gastronom aus dem Kanton Nidwalden ist ein Opfer der Corona-Politik seiner Regierung. Weil er zu gut gearbeitet hat, erhielt der Inhaber der Brasserie «Le Mirage» in Stans bis heute keine Unterstützungsbeiträge.
Blaser sagt: «2020 haben wir trotz Lockdowns etwa 85 Prozent Umsatz im Vergleich zum Vorjahr gemacht. Das ging aber nur dank grosser Eigenleistung: Wir haben auch an den Sonntagen stets geöffnet. Die Betriebsferien fielen auch aus.» Blaser hatte seit über einem Jahr keine Ferien mehr. Nur deshalb musste er niemanden entlassen und konnte sich ohne grössere Verluste durch die erste Corona-Zeit retten.
Die Situation im Kanton Nidwalden ist folgende: Die Volkswirtschaftsdirektion hat bis Ende März viele Betriebe nicht als entschädigungsberechtigt eingestuft. Obschon diese über 40 Tage schliessen mussten – und nach gängiger Praxis als Härtefälle definiert werden. Wer im letzten Jahr Gewinn gemacht hatte, ging leer aus. Wie Walter Blaser. Das kann der Gastronom nicht nachvollziehen: «Wir stehen mit unserer GmbH zu gut da. Wir haben nie etwas rausgenommen. Und dafür sollen wir bestraft werden?»

Lieber Verlust als Gewinn?

Mit dieser Praxis geriet Nidwalden unter Beschuss. Die Nachbarkantone verfolgten eine kulantere Strategie – und der Gastroverband machte grossen Druck auf die Volkswirtschaftsdirektion von Othmar Filliger (CVP). Seit dieser Woche gilt deshalb neu: Allfällige Gewinne aus 2020 werden bei den Härtefall-Entscheiden nicht mehr berücksichtigt. Wer aber auch für dieses Jahr ein positives Budget angegeben hat, bekommt weiterhin keinen Franken.
Blaser, ein engagierter Gastronom, der immer mehrere Lehrlinge pro Jahr ausbildet, hat dies anfangs Februar auch getan: «Ich dachte, es gehe bald aufwärts. Das ist bereits Makulatur. Und trotzdem kommt keine Hilfe. Es versteht wirklich niemand mehr, was mit uns passiert.» Weil die Betriebe noch immer geschlossen sind, hat er sein Budget nun justiert und für dieses Jahr einen Verlust prognostiziert.

«Es kann doch nicht sein, dass jemand für dieses Jahr ein positives Budget plane – und dafür eins auf den Deckel bekommt.»

Nathalie Hoffmann, Präsidentin des Gastroverbands Nidwalden

Lob für sein Verhalten erhält er von Nathalie Hoffmann. Sie ist die Präsidentin des Gastroverbands Nidwalden. Sie erzählt vom Unverständnis mehrerer Betriebe, die in derselben Lage steckten. Zum Glück hätten alle eine Beschwerde beim Kanton eingereicht: Mit der neuen Regelung werden nun nur noch wenige Unternehmen keine Härtefall-Hilfen erhalten.
Für Hoffmann ist das ein äusserst spätes Eingeständnis der Regierung. Zu wenig, findet sie: «Die Volkswirtschaftsdirektion hat uns klar gesagt: Das Ziel ist, dass die Unternehmen dieses Jahr überleben – ohne Stellenabbau. Für ihre Top-Leistung sollen auch Betriebe, die auch in diesem Jahr ein Plus budgetiert haben, einen Solidaritätsbeitrag in Form eines Sockelbetrags erhalten.» Hoffmann sagt: «Es kann doch nicht sein, dass jemand positiv plane – und dafür eins auf den Deckel bekommt.»

«So macht das keine Freude»

Auf Anfrage schreibt die Nidwaldner Volkswirtschaftsdirektion, dass ein solche Beitrag (auch auf Wunsch des Parlaments) kein Thema sei. Die Regierung sei überzeugt, dass es sich beim Härtefallprogramm in erster Linie um ein Unterstützungsprogramm für Unternehmen handle, die aufgrund der Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten seien. Letztlich stelle man sich die Frage: In welchem Ausmass sollen Betriebe, die im 2020 einen Gewinn ausgewiesen haben und auch dieses Jahr wieder gut unterwegs sind, Härtefall-Finanzhilfen, also Steuergelder, erhalten? Die Volkswirtschaftsdirektion kommt zum Schluss: Die Einzelfallbetrachtung hat sich bewährt.
Wer gut wirtschaftet, wird also bestraft. Unternehmerfreundlich scheint dies nicht. Und wirklich motivierend dürfte sich diese Politik auch nicht auf Arbeitgeber auswirken.
Immerhin: Werner Blaser darf nun erst einmal aufatmen. Er dürfte vom Kanton bald Bescheid bekommen, dass endlich Geld fliesst. Geld, auf das er seit Monaten wartet. Seine Beschwerde hat sich doch noch gelohnt. Auch wenn er weiss, dass die Schutzkonzepte nicht nur Tausende von Franken verschlingen, sondern auch weiterhin Umsatzeinbussen verursachen werden.
Darum sagt er: «Ich werde in gut fünf Jahren pensioniert – aber so macht es keine Freude.»
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