Christian Schönbächler vom Obstverband bei Markus Somm: «Ohne Pestizide kann man Obst nicht produzieren».

Es gibt kaum ein Nahrungsmittel, das so auf Pflanzenschutzmittel angewiesen ist, wie Obst. Zum einen liegt das daran, dass Obst und Früchte lange gehegt und gepflegt werden müssen und deshalb für geraume Zeit Schädlingen und Krankheiten ausgesetzt sind.

image 10. Juni 2021, 09:01
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Wer einen Apfelbaum aufzieht, wartet drei bis vier Jahre, bis er ernten kann.

Zum andern sind wir Konsumenten auch schizophren: Es gibt viele Krankheiten oder Pilze, die überhaupt kein Problem wären, doch mögen wir das nicht: Wir ziehen einen schönen roten Apfel einem Apfel vor, der vom Schorf befallen ist. Tatsächlich ist Apfelschorf eine Krankheit, die den Apfel geradezu verunstaltet: er erhält Löcher, es gibt Flecken, es sieht aus, als stammte die Frucht aus der Hölle. Unsere Gesundheit gefährdet der Schorf aber keineswegs. Im Gegenteil, einen solchen hässlichen Apfel könnten wir jederzeit essen, ohne dass wir Bauchschmerzen kriegten. Dennoch würden wir ihn im Migros oder Coop nie auswählen.
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Christian Schönbächler ist Leiter der Kommunikation des Schweizer Obstverbandes.
Diese Schizophrenie hat politische Konsequenzen. Die beiden Agrarinitiativen, über die wir am kommenden Wochenende abstimmen, dürften ungefähr die Hälfte der Bevölkerung ansprechen, ganz gleich, wie das Ergebnis am Ende ausfällt. Würden so viele Leute auch Bio-Obst kaufen, müsste das Bio-Geschäft boomen. Stattdessen liegt der Marktanteil von Bio bei den meisten Früchten unter 10 Prozent. Taten und Worte – sie stimmen nicht immer überein.
Ein Gespräch über den Irrsinn des modernen Konsumenten, seine Vorlieben und seine Schwächen – und die Frucht, die uns Schweizer ausmacht. Ist es der Apfel, ist es der Mango? Hören Sie selbst.

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