Bundestagswahl: Löcher stopfen mit wenig bis nichts

Bundestagswahl: Löcher stopfen mit wenig bis nichts

Als Emigrant nehme ich die Wahlen gelassen. Dieses Mal aber gilt meine Aufmerkelsamkeit der Tatsache, dass sich nach Angelas Amtszeit ein Machtvakuumsloch auftun wird, in welches die drei Kandidierenden fallen werden. Bevor sie sich in Antimaterie verwandeln, ein paar Worte zum Abschied.

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von Oliver Hepp am 15.9.2021, 07:00 Uhr
Cartoon: Markus Grolik
Cartoon: Markus Grolik

Der Erdtrabant Armin Laschet

Ein Mondgesicht mit Pausbäckchen. Der nette Kerl aus der Union. Zwar von athletisch anmutender Statur aber fleissig. Sicher blitzgescheit, freundlich zu Jedermann, gewissenhaft, eingeseift und mit allen Wassern gewaschen. Kurz: Ein Muster an was eigentlich? Wir hatten früher auch so einen in der Klasse. Schrieb immer Bestnoten, liess aber niemanden abschreiben. Bei Klassenarbeiten machten wir es immer so: Wir warteten, bis unser Streber als Erster fertig war (was immer der Fall war). Ein kluges Haus. Wenn der Lehrer nicht hinschaute, setzten wir die Daumenschrauben an. Das heisst, zwei hielten und oder würgten unauffällig den Streber und einer entwendete seine Klassenarbeit. Diese liessen wir dann kursieren und schrieben die Lösungen mit kleinen Variationen ab, sonst wäre wir ja alle Klassenbeste gewesen. Laschet ist sicherlich der beste Kandidat. Egal was er sagt - und der Mann hat was zu sagen! - ich höre nicht zu.

Mein Tipp: Den Streber kann man wählen oder würgen.

Die Asteroidengürtelneurose Olaf Scholz

Vizekanzler unter Merkel. Will sie jetzt beerben. Blablabla. Der Mann scheint für irgendwas zu stehen. Für was weiss ich nicht. Und ich muss gestehen: Olaf überrascht mich. Als ich in der Recherche feststellte, dass Scholz der SPD angehört und in Relation dazu der Kanzlerkandidat der SPD ist, war ich einigermassen irritiert, denn ich wusste gar nicht, dass es die SPD noch gibt.
Zum besseren Verständnis: Die SPD begriff sich als die älteste Partei Deutschlands. Kurz bevor sie sich in die Geriatrie verabschiedete, ging sie mit Willy Brandt vor Warschau in die Knie, was ihr unbestrittener Höhepunkt war. Unter Kanzler Helmut Schmidt löste sie sich endgültig in Rauch auf. Seitdem hat man nie wieder etwas von ihr gehört. Und nun, wie ein Phönix aus der Asche: Scholz. Potzblitz!

Mein Tipp: Er wird’s. Mit TippEx kriegt man’s dann zwar nicht wieder weg, aber übertünchen kann man’s immerhin.

And last but not least

Die Supernova Annalena Baerbock

Der Baerbock hört auf den Vornamen Annalena. Annalena ist ein Name, den man nur korrekt aussprechen kann, wenn man davor drei Flaschen schweren Barolo getrunken hat. Nnnannallllennna...sssff.
Baerbock ist Teil des Forums der Young Global Leaders. Das ist meines Wissens eine Selbsthilfegruppe von Neophyten, die ihr Trauma der versehentlichen Einschleppung und der dadurch hervorgerufenen Ausrottung angestammter Biodiversität durch endlose Gesprächsverschleifungen zu verdrängen suchen. Irgendwie sowas Pflanzliches. Politisch irrelevant - aber Grün. Bevor man den Baerbock wählt muss man eines wissen: In den 80-ern wurden die Wälder Europas reihenweise vom Borkenkäfer dahingerafft. Der Wald stirbt! hiess es damals. Die Wissenschaft prophezeite das Ende der Welt. Leider fehlte damals die Waldjugend, die jeden Freitag für den Wald auf die Strasse ging. Auch eine Treta Gunberg war da noch nicht gebohren. (Der Druckfehler ist absichtlich, denn der ungeborene ohne h Borkenkäfer bohrt mit h.) Das Thema Wald geriet aus den Schlagzeilen. Bäume wurden gefällt und eingestampft, um daraus Zeitungen zu machen, auf die man andere fette Schlagzeilen drucken konnte. Niemand mehr kümmerte sich um den Wald und so konnte der Wald sich langsam erholen. Bis jetzt! Doch nun droht die grüne Supernova! Gefahr im Anzug! Ich kann nur sagen: Was der Borkenkäfer in den 80ern übriggelassen hat wird der Baerbock zunichtemachen.

Mein Tipp: Wehret den Anfängen.

Soviel zur 1. Liste zur Wahl des Direktkandidaten. Auf der 2. Liste, den Landeslisten und den Parteien sieht es nicht rosiger aus. Am 26. September, wenn das Lichtgestirn Angela Merkel astronomisch gesehen vom roten Riesen zum weissen Zwerg wird und ihr politisches Leben aushaucht, ist es soweit. Die Qual der Wahl. Was soll man/frau wählen, wenn alles sowieso schon zugrunde gerichtet ist? Da bleibt eigentlich nur eines übrig: Man baut alles wieder von der Basis her auf. Schon gehört? Die Basis? Da könnte man listenweise ein paar vernünftige Leute wählen, die was zu sagen haben. Aber ich will hier wirklich keinen Wahlkampf betreiben. Das liegt mir ferne. Als strammer Katholik, der ich mal war, bleibe ich meinem Wahlspruch treu, der damals wie heute Gültigkeit besitzt: Alle vier Jahre mache ich mein Kreuz und dann darf ich es tragen.
Amen.

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