Bundesratslimousinen: Ab in die Werkstatt

Bundesratslimousinen: Ab in die Werkstatt

image
von Beni Frenkel am 26.4.2021, 17:51 Uhr
Ein teurer BMW der Regierung ist noch immer in der Werkstatt Bild: Shutterstock
Ein teurer BMW der Regierung ist noch immer in der Werkstatt Bild: Shutterstock
  • Schweiz
  • Repräsentationsfahrzeuge
  • Dienstfahrzeuge
  • Gesellschaft

Die Bundesräte dürfen sich jedes dritte Jahr eine Limousine gönnen. Danach werden mit den Fahrzeugen ausländische Gäste herumkutschiert. Am Ende landen BMW, Tesla und Mercedes bei den Stuntsmen.

Der BMW 745Le xDrive Plug-in-Hybrid ist ein Traum. Die Limousine hat fast 400 PS und wird vom Werk bei Tempo 250 abgeriegelt. Hinten im Fond können sich Passagiere dank Massageprogramme durchkneten lassen. Basispreis: 116'200 Franken.
Bundesrat Ignazio Cassis (FDP) und Bundeskanzler Walter Thurnherr fahren so einen BMW. Oder anders ausgedrückt: Sie lassen sich fahren. Beide haben nämlich letztes Jahr dieses Modell als Repräsentationsfahrzeug bestellt. Da sitzt am Lenker ein Chauffeur.
Pech für Cassis und Thurnherr: Ihr BMW ist ein Problemauto. Der Hersteller musste letzten Herbst einen peinlichen Rückruf starten. Beim Laden drohte ein Kurzschluss im Hochvoltspeicher. Aktuell ist einer der beiden BMWs noch immer in der Werkstatt, wie der Bund auf Anfrage mitteilte.
Repräsentationsfahrzeugen haben den höfischen Adel als Vorbild. Wenn der Bundesrat zu einer Tunneleröffnung kommt, soll er natürlich in einem standesgemässen Fahrzeug vorfahren werden. Der Chauffeur springt am Ziel aus dem Wagen und öffnet dem wichtigen Passagier die Tür.
Ein Bundesrat hat nebst des Repräsentationsfahrzeugs auch noch Anrecht auf ein Dienstfahrzeug. «Für den persönlichen Gebrauch», wie es in einem Faktenblatt heisst - «Preislimite: etwa 100'000 Franken».
Zurück zu den Repräsentationsfahrzeugen. Alle drei Jahre dürfen die Bundesräte ein neues Fahrzeug bestellen. Mittlerweile befinden sich 20 Limousinen im Fuhrpark des VBS. Darunter auch der Tesla S 85 von Alt-Bundesrätin Doris Leuthard. Die Frage aber lautet: Was passiert eigentlich mit den ausgemusterten Staatskarossen?
Laut Bund werden sie 7 Jahre lang als Repräsentationstransporte für ausländische Besucher genutzt und die letzten 3 Jahre zur Fahrerausbildung eingesetzt. Eine 400 PS-Limousine für Fahrschüler? Ein Armeesprecher erklärt: «An den Fahrtrainings nehmen professionelle Fahrer teil.» Auf abgesperrten Pisten trainieren sie im Gefahrenbereich.
Nach 15 Jahren im Dienste der Schweiz sind die Limousinen dann nur noch ein Wrack. Die Karossen seien so abgenutzt, dass sie nicht einmal weiterverkauft werden können.
Anmerkung: Das VBS legt Wert darauf, dass bei den Repräsentationsfahrzeugen des Bundesrats und des Bundeskanzlers die hinterlegte Fahrdistanz entscheidend sei. Ein Fahrzeug werde dann ersetzt, wenn es 100'000 Kilometer gefahren ist. In der Praxis ist dies nach ca. fünf Jahren der Fall.
Ähnliche Themen