Brotz teilt aus – und ruft nach dem Anwalt

Brotz teilt aus – und ruft nach dem Anwalt

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von Stefan Millius am 23.3.2021, 10:06 Uhr
TV-Mann Sandro Brotz. (Bild: SRF / Oscar Alessio)
TV-Mann Sandro Brotz. (Bild: SRF / Oscar Alessio)
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Arena-Moderator Sandro Brotz will sich juristisch gegen Hasskommentare im Internet wehren. Im jüngsten Fall hat er allerdings selbst die Steilvorlage für Reaktionen geliefert. Mit einem unfeinen Rundumschlag.

Am Samstag liess sich der SRF-Journalist und Arena-Moderator Sandro Brotz auf Twitter zur Kundgebung von Coronamassnahmengegnern in Liestal vernehmen. Es hagelte umgehend Rückmeldungen. Neben Zustimmung und gemässigter Ablehnung griffen einige Leute auch in die unterste Schublade.
Einige der verbalen Entgleisungen veröffentlichte der Arena-Moderator, um zu zeigen, wie übel ihm mitgespielt wird. Da wünscht sich einer beispielsweise den Fernsehjournalisten zusammen mit Alain Berset in den Knast, die Wortkreation «Kotzbrotz» fällt, von «Lügenpresse» und «Drecksack» ist die Rede. Für Sandro Brotz zuviel des Guten. «Wir werden das juristisch prüfen», schreibt er als Reaktion. Mit «wir» meint er vermutlich sich und die SRG. Auch der «Blick» ergriff sofort Partei: «Sandro Brotz wird im Netz schwer beleidigt.»

Wer war zuerst?

Wer die Eskalation aber an den Ursprung zurückverfolgt, sieht, wer zuerst zum Zweihänder gegriffen hat. Zumindest den hart, aber anständig formulierten Teil der Kritik hat der TV-Journalist ohne Zweifel provoziert.
Gestartet hat es am Samstag um 11.42 Uhr so:
Je nach Zählart waren in Liestal 6000, 10'000 oder sogar über 12'000 Menschen vor Ort, die friedlich demonstrierten. Brotz teilt sie in ihrer Gesamtheit dem Lager der «Flat Earther» zu. Gemeint sind die Leute, die ernsthaft glauben, die Welt sei eine Scheibe, eine sehr kleine und eher harmlose Gruppe aus Verwirrten. Aber muss man zwingend verwirrt sein, um im März 2021 gegen die Coronapolitik des Bundes zu demonstrieren?

Pauschaler Vorwurf

Im gleichen Atemzug suggeriert der SRF-Moderator mit seinem Tweet, dass den Demonstranten das Erschliessen einfacher Tatsachen «zu hoch» sei. Das ist elegant ausgedrückt für: Sie sind geistig überfordert oder dumm. Das kritisierte inzwischen auch Weltwoche-Verleger Roger Köppel:
Inhaltlich korrekt war seine überspitzte Darstellung jedenfalls mit Sicherheit nicht. Einige dienstfertige Brotz-Fans lieferten zur Unterstützung zwar umgehend den Fotobeweis. In der Tat lief da in Liestal mindestens ein Teilnehmer mit einem «Flat Earth»-Plakat herum.
Aber mit diesem Schnappschuss kann man kaum mehrere tausend Leute auf einen Schlag diskreditieren. Denn nicht nur Sammelklagen fehlen in der Schweiz, sondern auch die Sippenhaftung.
Die Frage ist daher grundsätzlicher Natur: Kann man eine Demonstration mit tausenden von Beteiligten für gesamthaft geistig leicht beschränkt erklären, nur weil es ein Einzelner von ihnen möglicherweise ist? Sandro Brotz hat es getan. Auf seine Aussage zurückgekommen ist er auf Twitter bisher nicht, von einer Entschuldigung für die pauschale Beleidigung ganz zu schweigen. Stattdessen konzentriert er sich nun auf die juristische Aufarbeitung der Reaktionen an seine Adresse.

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