Bier, Whisky, Werkzeug und Silikonbrüste: So sieht man uns Väter

Bier, Whisky, Werkzeug und Silikonbrüste: So sieht man uns Väter

Endlich gibt es die Steilvorlage, auf die Männer seit Jahren warten: Sie können sich über Diskriminierung beschweren. Und zwar zum Vatertag. Glaubt man den Geschenkeshops, wollen wir Männer nämlich nur trinken, grillieren, hämmern und dazwischen zum Stressabbau Silikonbrüste drücken.

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von Stefan Millius am 7.5.2021, 13:00 Uhr
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Am Sonntag, 9. Mai begehen wir den Muttertag. Die Floristen liegen in Lauerstellung. Die Kinder bemühen sich einen vollen Tag lang, erträglicher zu sein. Und die Entsorgungsstellen ächzen am Montag danach unter dem Ballast der schlecht gebastelten Geschenke, die Mama unauffällig los wird.
Der Muttertag wird medial zelebriert. Einen Monat später heisst es dann: Vatertag. Der interessiert allerdings kein Schwein. Uns Vätern schenkt auch niemand was. Es gibt nicht mal Frühstück ans Bett. Nicht aus bösem Willen, sondern weil die meisten Leute nicht einmal wissen, dass es einen Vatertag gibt geschweige denn wann der stattfindet.

Man(n) muss sich selbst beschenken

Man kann nun sagen, dass das so in Ordnung ist. Vater werden ist bekanntlich nicht schwer und keine besondere Leistung, im Idealfall macht es sogar Spass in den fünf Minuten, in denen es passiert. Aber seit sich Männer der Haus- und Erziehungsarbeit nicht mehr verweigern dürfen, ohne von der eigenen Frau vors Bundesgericht gezerrt zu werden, gibt es keinen Grund mehr, die Mütter mehr zu ehren als die Väter.
Also habe ich mich dieses Jahr im Anflug von Trotz entschieden: Ich beschenke mich einfach selbst zu meinem Ehrentag als zweifacher Vater. Und zwar mit einem ausgeprägten Vatertagsgeschenk. Diese Kategorie gibt es in fast jedem Onlineshop, der Präsente verkauft. Immerhin nimmt der Kommerz uns Väter zur Kenntnis. Völlig selbstlos natürlich.

Wie in der Steinzeit

Aber was in diesen Shops an Geschenken für den Vatertag angepriesen wird, ist so diskriminierend gegenüber uns Männern, dass Alice Schwarzer vor Freude weinen würde. Wenn das Bild, das da von uns gezeichnet wird, korrekt ist, sitzen wir Herren der Schöpfung immer noch grunzend vor einer Höhle, den Blick auf potenzielles Jagdfleisch oder den Hintern eines paarungswilligen Weibchens gerichtet. Was in der Steinzeit vermutlich dasselbe war.
Die Vatertags-Geschenkgalerie vermittelt folgende Grundbedürfnisse bei Männern. Wir wollen trinken (vor allem Bier) und brauchen dazu unendlich viele Utensilien. Wir wollen am Grill stehen. Wir wollen permanent heimwerken. Und wenn wir von all diesen typisch männlichen Tätigkeiten erschöpft sind, brauchen wir dringend einen Stressball in Form einer weiblichen Brust. Ein kleiner Ausschnitt aus einem Onlineshop:
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Bier, Werkzeug, Brüste: Das Universum des typischen Mannes.
Bier ist leicht erkennbar der Bestseller. Saufen wir Männer mit Kindern denn wirklich den ganzen Tag? Wird hier völlig ausgeblendet, dass wir Väter auch produktiv sind? Natürlich nicht. Aber wir sind es nur mit unseren Händen. Werkzeugkästen deluxe, personalisierte Hämmer, ein Bohrer, mit dem man die Nationalbank knacken könnte: Zum Vatertag gibt es nur so richtig Brachiales. Offensichtlich haben mich die Bestücker des Onlineshops noch nie heimwerken sehen, sonst würden sie mir nichts in dieser Art anvertrauen.

Basketball auf dem Klo?

Aber Moment, da gibt es auch ein Geschenk aus der Kategorie Küche. Und zwar ein ultrastarkes Schneidebrett mit einem ultrascharfen Messer – denn der Mann im Haus bearbeitet natürlich ausschliesslich Fleisch, seit er das Feuer entdeckt hat. Ausserdem tut er das nur mit einem Messer, das bei Jack the Ripper erste Wahl gewesen wäre und beim geringsten Fehler zur Handprothese führt.
Ausserdem sind Männer schnell gelangweilt. Fürs Klo gibt es deshalb ein kleines Basketballset, das man gegenüber von der Schüssel montieren soll. Spielspass während der «Sitzung»! Wobei sich die Frage stellt, wie durchdacht diese Innovation ist. Wenn man den Korb trifft, liegt der Ball danach auf der anderen Seite am Boden. Wie soll ich dort hinkommen, wenn ich auf dem WC sitze?
Brot und Spiele sind auch sonst angesagt im Vatertags-Shop. Wie wäre es mit dem Trinkspiel «Drinking Ludo»? Dem «Wikinger-Geschenkset» inklusive Trinkhorn für den nordischen Barbaren in uns? Oder dem «Riesen-Wasserball» mit drei Metern Durchmesser? Weil wir Männer doch alle kleine Kinder sind?

Grillmeister, Hipster, Fallschirmspringer

Wer noch nicht fündig geworden ist bis hierin: Es gibt noch weit mehr. Ein Grillbrandeisen, mit dem man seine Initialen in ein Steak brennen kann zum Beispiel. Das Whisky-Set «Bester Papa» – in direkter Konkurrenz zum «Sexy Bierglas» in Form einer weiblichen Silhouette. «Eiswürfel-Patronen» aus Metall sind der Gesprächsstoff schlechthin beim Apéro mit Gästen.
Dann gibt es da noch das «Notfallpaket für Hipsterbärte». Und eine Uhr mit dem Slogan «Kein Bier vor Vier», auf deren Zifferblatt es originellerweise und völlig überraschend nur die Uhrzeit 4 gibt. Vielleicht darf es auch ein Schachbrett sein, bei dem die Spielfiguren Shotgläser sind? Wer doch mal eine Trinkpause einlegen möchte, ist gut bedient mit der Erlebnisbox «Für wahre Helden». Da drin stecken Gutscheine für Adrenalinkicks wie eine Ferrarifahrt oder einen Fallschirmsprung. Alles, was ein Vater eben so macht.
Wenn die Frau des Lebens oder die selbst gezeugten Kinder wirklich auf die Idee kommen sollten, diese Auswahl entspreche einem tiefen Bedürfnis des typischen Mannes, ist das leicht beunruhigend. Hätte es doch wenigstens ein einziges Buch im Angebot, das suggeriert, Väter hätten auch einen Kopf auf dem Hals!
Aber das bewusste Buch wäre dann vermutlich ein Bier-Führer, ein Heimwerker-Guide oder der Bestseller «99 Dinge, die Sie mit einem Brust-Stressball auch noch machen können».

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