Teufelsstein

Ralph Weibel | veröffentlicht am 28.10.2020

Wenn ich ganz ehrlich bin, konnte ich es mir bis jetzt nicht vorstellen: Raclette ohne Essiggürkli. Gehört doch irgendwie einfach dazu.

Teufelsstein
Nebelspalter | (Nebelspalter)

Trotzdem werde ich künftig darauf verzichten. Was kann denn an einem Essiggürkli schon schlimm sein, werden Sie sich fragen. Bis vor kurzem war mir das auch nicht bewusst. Eigentlich bis zur diesjährigen Nominierung für den Teufelsstein. Dieser wird vom Verein Alpen-Initiative vergeben, für die absurdesten Transport­praktiken. Ausgerechnet die Essiggurken, die bei mir im Kühlschrank stehen, haben demnach eine Reise von über 18-tausend Kilometer per Schiff und Bahn hinter sich. Aus Vietnam kommen sie, man glaubt es kaum. Die Essiggurken sind weitergereist als ich es je sein werde.

Doch diese Idiotie ist noch nicht einmal die Spitze des Eisberges. Was ein passendes Bild ist. Die Negativauszeichnung in Form des Teufelssteins 2020 erhielt das kanadische Mineralwasser «Berg». Geschmolzenes Eis von grönländischen Gletschern, noch vor meinen Essiggurken aus Vietnam und Granatapfelkernen aus Peru.

Wenn ich so etwas lese, bekomme ich fast existenzielle Ängste. Nicht wegen dem Klima, das wir versauen. Viel mehr davor, dass die Realsatire mich irgendwann arbeitslos macht.

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