Symbolik

Ralph Weibel | veröffentlicht am 20.01.2021

Sind wir ehrlich, die zur Routine gewordenen Medienorientierungen des Bundesrates zu den neusten Coronamassnahmen langweilen.

Symbolik
Nebelspalter | (Nebelspalter)

Diese immer gleiche Rhetorik, vorgetragen mit dem Pathos des bevorstehenden Weltunterganges, gipfelt für gewöhnlich in Widersprüchlichkeiten, die keiner versteht. Beispielsweise, weshalb Blumengeschäfte offenbleiben, Bücherläden dagegen nicht, obschon wir endlich Zeit hätten, im Homeoffice ein paar Klassiker zu lesen. Im Andenken an Alain Berset beispielsweise Robert Musils «Der Mann ohne Eigenschaften». Wenn die Glaubwürdigkeit schwindet, braucht es starke Symbole. Beim Bundesrat besteht diese neustens aus Auftritten mit Plexiglasabtrennung und Maske. Zwar versteht man so das Genuschel kaum mehr, es wirkt aber wesentlich dramatischer. Das Risiko minimieren heisst aber auch, das Risiko eingehen, sich lächerlich zu machen, wenn Parmelin seinen Kollegen Berset mit Maske nicht versteht, sich deshalb hinter das Plexiglas beugt und so Kopf und Kragen riskiert. Er möge trotzdem überleben!

Symbolik ist wichtig in der Pandemie. Deshalb kritisiert – Achtung, kein Witz – der Friseurverband die Profikicker in Deutschland, die perfekt frisiert sind. Dies obwohl dort die Friseure seit acht Wochen geschlossen sind.

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