Trump – Heilsbringer oder Psycho?

Jan Peters | veröffentlicht am 04.12.2020

Diverse Schweizer Zeitungen veröffentlichten kürzlich ein Interview mit dem ehemaligen Zürcher Bob Lutz, der 1939 mit seinen Eltern in die USA auswanderte. Dort kam er u. a. auf die heroische Idee, als Top Gun in den Koreakrieg zu ziehen. Anschliessend wurde er erfolgreicher Automanager. Heute ist Lutz der Meinung, dass Amerikas internationales Ansehen unter Trump zugenommen habe. Kann man so sehen – muss man aber nicht.

Trump – Heilsbringer oder Psycho?
Schlorian (Stefan Haller) | (Nebelspalter)

Wer ist eigentlich dieser jegliche Etikette mit Füssen tretende zwielichtige Immobilien-Tycoon Trump, der vier Jahre lang als Politclown «Pennywise» die Politszene aufmischte? An American Dream? Nightmare on Elm Street? Während wir nun versuchen, halbwegs elegant in die durchaus schon früher mehrfach – und wahrlich nicht nur von uns – abgehandelte Thematik «Donald Trump und die Folgen für die westlichen Demokratien» einzutauchen, betritt unvermutet Goethes Dr. Faust unsere Schreibstube: «Da steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!» Wie soll man nach vier chaotischen Jahren Donald Trump im Weissen Haus auch anders in der Gegend herumstehen? O Lord, this does not really help! Wir müssen einen revolutionär neuen Ansatz finden. Vielleicht ist ja alles ganz anders, als wir bisher glaubten?

Die Guten und die Bösen
Drehen wir das Ding mal um: Wenn Trump eigentlich der Voll-Checker ist und wir die Bekloppten sind, die nix kapiert haben? Es fällt sauschwer, sich damit abzufinden; aber wir versuchens! Noch mal zum Mitschreiben: Wir sind doof und Trump ist schlau. Natürlich ist er schlau, sonst hätte er nicht mehrfach New York City bei dubiosen Immobiliengeschäften und Steuern übers Ohr hauen können. Aber ist er auch gut? Und was soll «gut» im Politbusiness heissen? Total falscher Begriff, Schlüsselkriterien in diesem Geschäft sind Erfolg oder Misserfolg, basta! Und schon hören wir jemanden rufen: «Aber WIR sind doch die Guten, die mit der Demo­kratie! WIR verteidigen die Werte des Westens! WIR sind eine Wertegemeinschaft!» Heureka! Und die Gralshüterin der westlichen Werte ist die Nato. Ihr Hochamt feiert diese ehrenwerte Gesellschaft auf der jährlichen Münchner Sicherheitskonferenz, ein absolutes Must-have für die Rüstungsindustrie und deren Lobbyisten. Was das mit Moral zu tun hat? Voll
in die Binsen, wir sind doch hier nicht in der Kirche!

Gleich knallts!
Es heisst übrigens nicht Rüstungs-, sondern Verteidigungsindustrie; merken Sie sich das! Und diese profitable Branche verkauft nicht Tod und Verderben, sondern Sicherheit und Freude an einer ganz speziellen Art von Power Driving; ähnlich BMW, aber für echte Männer: «Der PUMA bietet seiner Besatzung einen bislang von keinem vergleichbaren Fahrzeug erreichten modularen, hochwirksamen Schutz vor Minen, dem Beschuss mit Panzerabwehrwaffen sowie selbst gebauten Sprengsätzen – und garantiert damit maximale Überlebensfähigkeit im Einsatz.»

Echt geil – Krauss-Maffei Wegmann vertickt keine JAGUARS, sondern PUMAS. Damit ersetzt die Münchner Sicherheitskonferenz auch die Internationale Automobilausstellung, das frühere Eldorado der PS-Junkies in Frankfurt am Main, das mittlerweile unter die Räder gekommen ist. Das Signal an Moskau ist deutlich: «Es gibt auf die Glocke, dass die Lampen ausgehen!» Genau diese Sprache versteht er, der Russe.

The wheel keeps on turning
Kommen wir nach diesem Exkurs in die Wertegemeinschaft zurück zu Donald Trump. Aufgrund dessen, was wir bis jetzt herausgefunden haben, können wir über ihn die Aussage machen: Er ist ein windiger New Yorker Immobilien-Tycoon, der kürzlich seine Politikerkarriere als Clown «Pennywise» abbrechen musste. Wenn SIE jetzt sagen, das wussten Sie schon  am Anfang dieses seltsamen Artikels, dann antworten WIR Ihnen: wir auch – bätsch! Trump hat die ganze Zeit gefordert, Deutschland und Co. müssten unverzüglich zwei Prozent ihres Bruttosozialprodukts für die Verteidigung ausgeben. Gleichzeitig lässt er durchblicken, dass er von der NATO eigentlich nichts halte. Den Little Rocket Man in Pjöngjang findet er abwechselnd toll oder abgespact. Manchmal auch umgekehrt.


Über Israel und Benjamin Netanyahu möchten wir an dieser Stelle lieber schweigen, denn man landet blitzschnell in Schubladen, die einem nicht gefallen. Nur beim Iran ist alles klar – das sind nukleare Arschgeigen, die man bombardieren sollte! Bei Putins Russland siehts aus Trumps Sicht differenziert aus: Einerseits haben russische Hacker die Clinton E-Mail-mässig vorgeführt, was Donald gut gefiel, andererseits versuchen Gazprom und Gerhard Schröder gerade krampfhaft, Nord Stream 2, die Pipeline des Schreckens, in der Ostsee zu verlegen. Wie seufzte resignierend ein Schüler in Fausts Studierzimmer, nachdem Mephisto ihn in der Verkleidung des Herrn Doktor erbarmungslos zugetextet hatte? «Mir wird von alledem so dumm, als ginge mir ein Mühlrad im Kopf herum.» Am Ende dieser Betrachtung bleibt festzustellen, dass es uns nicht besser geht als dem Studiosus, den Mephisto drangsaliert. Und NACH Trump ist VOR Trump? O Lord, won’t you buy me a Mer­cedes-Benz?

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