Lichter an!

Ralph Weibel | veröffentlicht am 25.11.2020

Traditionen sind alleine deshalb schön, weil sie sich wiederholen. Das liegt in der Natur der Sache.

Lichter an!
Nebelspalter | (Nebelspalter)

Nun kann man das inflationäre Montieren von Weihnachtsbeleuchtungen gut oder schlecht finden. Am besten ist aus meiner Sicht, wenn sie die anderen machen. Meine Nachbarn sind Meister darin. Längst haben sie Sterne und Lichterketten montiert und verkabelt, wie jedes Jahr. Traditionell ärgere ich mich über die Lichtverschmutzung, die Vögel auf dem Weg in den Süden fehlleitet. Meist direkt ins nächste Windrad, welches sie während der Stromerzeugung für eben diese Lichtdekoration schreddert. Dazu fühlt man sich im eigenen Wohnzimmer wie bei einem Folterinterview der CIA.

Jährlich versuche ich daraus das Beste zu machen und lade Freunde und Bekannte zu einem Weihnachtsapero vor dem Haus ein. Die Deko stellt ja der Nachbar. Angesichts weiterer drohender Kontaktbeschränkungen wegen Corona, würde ich den Apero gerne möglichst bald durchführen, auch wenn erst November ist. Doch der Nachbar hat das Kabel noch nicht eingesteckt. Es bleibt dunkel. Er wartet wohl wieder, nach seiner Tradition, bist zum ersten Advent. Lange kann ich mich nicht mehr zurückhalten. Demnächst rufe ich gegen meinen Willen rüber: «Mach endlich Licht!»

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