Einmal ganz Mann sein

Jörg Kröber | veröffentlicht am 01.10.2020

Oft fängt es schon so oder ähnlich im Kindergarten an: «Weil sie an seinem Dreirad hängt, sie ihn massiv zur Heirat drängt.» Wobei Motiv für solches Drängen weniger der so entstandene Schüttelreim sein dürfte.

Einmal ganz Mann sein
Petra Kaster | (Nebelspalter)

Vielmehr wird offenbar schon hier, in denkbar frühem Stadium, weibliche Druck­ausübung als legitimes Mittel zur möglichst raschen materiellen Mitbesitzerlangung an männlichen Vermögenswerten begriffen. Und wenn bei dem so bedrängten kindlichen Eigentümer besagten Dreirads dann zu Hause auch noch eine Erziehungsberechtigte vom Schlage «Militante Tante Milli» ihr strenges Regiment führt, ist dessen seelische Schädigung als Mann schon so gut wie vorprogrammiert: So beginnen klassische Pantoffelhelden-Karrieren. Und wo die klischeegemäss enden, ist hinlänglich bekannt: Beim ehefräulich verordneten Dauer-Küchendienst am Herd, wo schon so mancher zwangsbeschürzte Gemahl seinen ganz persönlichen «Archipel Gulasch» erleben durfte.


Sturmreif

«Als Gott den Mann schuf, übte sie bloss.» – Mit diesem und anderen despektierlichen Sprüchen aus dem radikalfeministischen Lager soll der Mann als solcher allmählich gesellschaftlich sturmreif geschossen werden. Einigermassen kess, wenn man bedenkt, dass Eva am Anfang bekanntlich nichts weiter gewesen ist als eine Adam’sche Rippe. Aber wahrscheinlich wird frau dem Manne früher oder später auch noch weismachen wollen, diese alttestamentarische Version der Schöpfung sei eine biblische Ente (pardon: ein Erpel) gewesen, und tatsächlich sei vielmehr Adam als die Nummer zwei modelliert worden: aus Evas Blinddarm.

Parallel zu solchen taktischen De­moralisierungsversuchen wird eine ebenfalls von langer Frauenhand vorbereitete Kampagne geführt, die den «Softie» (man beachte in diesem Wort die kaum zufällige schriftbildliche wie klangliche Nähe zum kuschelig-harmlosen «Stofftier») als das Idealbild des modernen Mannes propagiert. Motto: «Mini-Mumm = Maximum». Diagnose: Frauen machen Männchen. Aber eben nicht vor, sondern aus Männern. – Höchste Zeit für eine internationale Männchenrechtskonvention!


Entbeutelt

Und wer von den Herren der (Er-)Schöpfung da nicht mittun will und in seiner Not womöglich nach feminismusresistenten gesellschaftlichen Institutionen Ausschau hält, hat schlechte Karten. Selbst das Militär, als traditionelle Rückzugsnische für vom emanzipierten Zivilleben ge- (oder besser: ent-)beutelte Männer, büsst diese Funktion zunehmend ein, seit auch diese letzte maskuline Bastion im Namen der Gleichberechtigung geschleift wird. – Als hätten die Pionierinnen der Frauenbewegung (Göttin hab sie selig!) ausgerechnet für Pionierinnen in den Streitkräften gekämpft!

So erhält der in der derben militärischen Alltagssprache gern als solcher geschmähte «Schütze Arsch» neuerdings immer zahlreichere Gesellschaft von «Schützin Arsch». – Und dies übrigens mit dem nicht uninteressanten sozio demografischen Nebeneffekt, dass der in der Vergangenheit bei Single-Bällen nach verlustreichen militärischen Kampfeinsätzen stets zu beklagen gewesene leidige Kriegerwitwen-Überhang endlich ausgeglichen werden kann: dank künftig ebenso vieler zu erwartender Kriegerinnenwitwer.


Sechszylinder

Die regulären Streitkräfte, einstmals geschützter Hort männlichen Zusichselbstfindens, also auch schon feministisch unterwandert: Was bleibt dem von einer Feminismus-dominierten Gesellschaft ins innere Exil getriebenen Manne da überhaupt noch als sein ureigenes Metier, als ein den männlichen Unabhängigkeitstraum schlechthin verkörperndes Beschäftigungsobjekt, als Gegenstand seiner uneingeschränkten Zuneigung und Fürsorge? – Richtig: sein Auto! Statt die eigene Daseinsberechtigung von männerkritischen Emanzen auf die Verfügbarkeit seines «Sex-Zylinders» reduzieren zu lassen, stellt sich der postemanzipierte Mann lieber gleich einen Sechs-Zylinder in die Garage und zieht der Rolle als Märtyrer im Geschlechterkampf das Rollen im Mehrtürer in den automobilen Stras­senkampf vor. – Eine für Frauen kaum nachvollziehbare Prioritätensetzung: Sollte dafür tatsächlich einmal eine Miss Verständnis äussern, kann es sich eigentlich nur um ein ebensolches handeln.


Schonungsloses Fazit

Zu viel feministischer Miss-Mut erzeugt maskulinen selbigen. Wen wundert es da, dass die verunsicherten, ihrer traditionellen gesellschaftlichen Führungsrolle beraubten Männer als einzige feste Bindung allenfalls noch die an ihren Skiern interessiert? War früher das Eingehen einer Ehe noch ein selbstverständlicher Schritt in der männlichen Biografie, fürchten heute allzu viele potenzielle Gatten das Eingehen an einer Ehe. – Und blicken doch gleichzeitig nicht ohne Wehmut auf die unangefochtene Stellung und die beneidenswerten Möglichkeiten ihrer Geschlechtsgenossen in den patriarchalischen Mehrehe-Gesellschaften des Orients: Wenn schon Bräuti-, dann doch wenigstens polygam!

Artikel erschienen in der Ausgabe

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