Alter schützt vor Präsidentschaft nicht

Jan Peters | veröffentlicht am 01.10.2020

Die Gereifteren unserer Leser*innen werden sich noch wehmütig an die TV-Serie «Bonanza» erinnern. Dort wurde dem Publikum gezeigt, wie der American Dream entstand – Mann gegen Mann, das letzte Wort hatte dabei oft eine Winchester ’73. Ben Cartwright, Boss der «Ponderosa»-Ranch, und seine Söhne demonstrierten in 430 Folgen, warum es unvergleichlich ist, in The Land of the Free zu leben.

Alter schützt vor Präsidentschaft nicht
Petra Kaster | (Nebelspalter)

«Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!», so gings in Nevada los, und so gehts in der amerikanischen Aus­senpolitik bis heute weiter: Das Muster ist immer gleich – das Gute gegen das Böse. Und wenn Böse nicht kapiert, dass Gut, nach einigen Irrungen und Wirrungen, sowieso gewinnen wird, gibts zur Aufmunterung eins auf die Fresse. Diese simple Blaupause, die sogar ein geistiger Kleingärtner wie Donald Trump schnallt, hat Ame­rika schon lange auf seine Wild-West-Aussenpolitik übertragen: siehe Nord Stream 2 (zum Beispiel). Europa will in seiner Starrköpfigkeit einfach nicht begreifen, wie schlicht amerikanische Machtpolitik gestrickt ist. Deutschlands Aussenminister Heiko Maas, dessen Salär so bescheiden zu sein scheint, dass er immer noch seine Konfirmationsanzüge austragen muss, sollte sich mal «Rauchende Colts» im Archiv reinziehen; das würde ihm die Augen öffnen im Hinblick auf God’s own country und die hohe Kunst der Konfliktlösung à la Dodge City – erst schiessen, dann fragen!


Duell der Zombies

Donald John Trump, 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, hat der Welt vier Jahre lang hämisch feixend demonstriert, dass Lüge und Wahrheit keine Kriterien sind, an denen sich seine Politik messen lassen muss. In konsequenter Befolgung von Pippi Langstrumpfs Lebensmaxime «Zwei mal drei macht vier – widewidewitt – und drei macht neune, ich mach mir die Welt – widewidewitt – wie sie mir gefällt» hat er die Welt gemäss «America first» umgebaut. Bei der nächsten Wahl im November gehts für ihn ans Eingemachte. Die Demokraten haben den Volkssturm in den Schützengraben gejagt – einen 78-Jährigen! Werden die USA damit zur Gerontokratie? Wer sind diese Kontrahenten? Kluge Männer voller Weisheit? Oder ein rüpelhafter Bauernfänger mit dem Verstand eines einfältigen Achtjährigen und ein grenzdebiler Greis? Steht Amerika eine Schreckensherrschaft seniler Untoter mit unabsehbaren Folgen bevor? Trump versus Biden – hätten Sie lieber die Pest oder die Cholera, liebe Wähler*innen?


Der Amtsinhaber

Wie schon Meister Yoda, Kommandant der Jedi-Ritter, zielsicher bemerkte, sind Prognosen immer vertrackt: «Schwer zu sehen, in ewiger Bewegung die Zukunft ist.» Auf die US-Wahlen trifft das gleichermassen zu wie auf langfristige Wettervorhersagen. Vielleicht hilft uns eine fein differenzierte, wissenschaftlich untermauerte Analyse der zur Wahl stehenden Kandidaten weiter. Beginnen wir mit dem Psychogramm des jetzigen Hausherrn im Oval Office (Auszug aus einem streng geheimen FBI-Protokoll, das uns unser Mann in Washington in die Hände gespielt hat): «Bei den zahlreichen Publikumsauftritten des Probanden fällt besonders auf, dass dieser verhaltensgestörte, permanent dämlich grinsende Vollpfosten dem Publikum in einer Art und Weise die Hucke volllügt, dass man berechtigte Ängste hegen muss, dass die für solche Belastungen nicht konstruierte Decke jeden Moment herunterkommt und die wehrlose Zuhörerschaft mit Donnergetöse unter sich begraben wird. Die spastische Hampelei hinter dem Rednerpult und die zwanghafte Körpersprache der Untersuchungsperson sehen wir als aussagekräftige Indikatoren dafür an, dass er sich für King Kong hält oder Szenen aus ‹Einer flog übers Kuckucksnest› nachzuspielen versucht. Unsere therapeutische Empfehlung: Lock that New York bastard up!»


Der Herausforderer

«Über ‹Creepy Uncle Joe›, auch Joe Biden genannt, liegt eher wenig vor; ausser, dass er mal Running Mate von Obama war und jetzt selbst eine supertolle Vizepräsidentschaftskandidatin hat. Bei einer Wahlveranstaltung soll er gesagt haben, dass er sich für Joe Bidens Ehemann halte. Daraus einen Hinweis auf Demenz zu konstruieren, erscheint uns übertrieben. Ausserdem geht es die verdammte Öffentlichkeit nichts an, mit wem Biden verheiratet ist. Fernerhin ist aufgrund der allgemeinen Menschenkenntnis davon auszugehen, dass die Betroffenen langjähriger Lebensgemeinschaften gelegentlich den Überblick verlieren. Häufig tritt dann das Stockholm-Syndrom in Funktion. Darunter versteht man, dass sich das Opfer einer Geiselnahme mit dem Angreifer solidarisiert, um nicht vollends unter die Räder zu kommen.» Das psychiatrische Gutachten über Biden, das uns vorgelegen hat, fasst abschliessend zusammen: «Ob Bidens Ehemann nun Mr Joe Biden oder Mrs Jill Biden heisst, halten wir für belanglos und dürfte der Öffentlichkeit auch voll am Arsch vorbeigehen. Entscheidend ist hingegen, für wen Joe R. Biden sich halten wird, falls er Präsident der Ver­einigten Staaten wird: Joe Biden? Hillary Clinton? Dr Alzheimer and Mr Hyde?»

Artikel erschienen in der Ausgabe

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