Kampfjet

Ralph Weibel | veröffentlicht am 09.09.2020

Als Kind habe ich mir zu Weihnachten und zum Geburtstag immer eine Märklin-Eisenbahn gewünscht. Ich träumte davon, auf unserem Spannteppich imaginär dem Genfersee entlang zu rattern und in den Tessin zu fahren.

Kampfjet
Nebelspalter | (Nebelspalter)

In meiner Fantasie hätte ich für den Bau der neuen Eisenbahn-Alpentransversale nicht Jahre gebraucht, sondern höchstens bis zum Znüni. Verdankt hätte ich das Spielzeug mit glitzernden Kinderaugen die Mami, Papi, Gotte und Götti in den Himmel der Glückseligkeit katapultiert hätten. Doch diese versuchten, mir meinen Wunsch auszureden. Mit den engen Platzverhältnissen einer Mietwohnung wurde argumentiert, mit endlosen Folgekosten für die ständige Erweiterung und Brüdern, die wesentlich bescheidenere Wünsche hätten.

Daran muss ich denken während ich überlege, wo ich mein Kreuz bei der Beschaffung neuer Kampfjets machen soll, oder ob ich sie angesichts der Ausgaben von vielen Milliarden Franken zum Abschuss ins Fadenkreuz nehmen soll. Doch dann sehe ich mich unter dem Christbaum, wie enttäuscht ich von den selbstgestrickten Socken und den Farbstiften bin und ich stelle mir die weinende Viola Amherd und ihre Vor­zeigepilotin Fanny Chollet vor. Kurz ziehe ich ernsthaft in Erwägung, ja zu sagen zu neuen Kampfjets für die Schweizer Armee.

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