Weltverschwörung: Swiss made

Jan Peters | veröffentlicht am 03.07.2020

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt trat eine bedenkliche Situation ein: Ein winziges Virus war in die Schweiz ein­gedrungen und hatte das Parlament in Schockstarre versetzt. Diese «ausserordentliche Lage» machte sich eine Gruppe abgefeimter Schurken zunutze, indem sie ein Femegericht einberief und den Briganten Berset zu ihrem Anführer wählte.

Weltverschwörung: Swiss made
Marina Lutz | (Nebelspalter)

Wie ernst es der «Bundesrat», so nannten sich diese scheinheiligen Kanaillen, mit der Entmachtung des Parlaments meinte, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass eine der ersten Massnahmen diejenige war, dem Parlament unter Strafandrohung zu verbieten, seine turnusgemässen Sitzungen (in der Schweiz «Sessionen» genannt) im Bundeshaus abzuhalten. Alain «Cartouche» Berset zu seinen Vertrauten: «Sollen sich die Penner doch eine Turnhalle mieten, hier können wir diese Typen nicht brauchen!»

Spass muss sein
An dieser Stelle verzeichnete das geheime Bundesratsprotokoll, das uns von einem unserer Berner Maulwürfe zugespielt wurde, «allgemeine Erheiterung. BR Cassis stösst BR Maurer feixend in die Rippen; dieser grinsend zu BR Amherd: Leck mich, du Wachtel! BR Amherd verlässt wutschnaubend den Raum, dabei murmelnd: Blöde Siech! BR Sommaruga fragt errötend, ob sie ausnahmsweise während des Unterrichts austreten dürfe: Antrag einstimmig abgelehnt. BR Keller-Sutter, sich die Nägel lackierend, zu BR Parmelin: Wie viel Grad Oechsle haben wir heute, Monsieur le vigneron en chef? BR Par­melin: Isch Sie demonstrier gern dies. Der Bundesrat beendet die Sitzung vorzeitig und disloziert zur Chasselas-Verköstigung in den Carnotzet vaudois im Bundeshauskeller.»

Exodus
Nachdem der National- und der Ständerat von der dunklen Seite der Macht vor die Tür gesetzt worden waren, war guter Rat zunächst teuer. Bis sich dann die Berner Messeorganisation Bernexpo, die nach eigener Aussage «Inhalte, Marken und Ideen effektiv in Szene setzt», bereit erklärte, dem vertriebenen Parlament gegen ein geringes Entgelt ein vorübergehendes Obdach zu gewähren. Ob dieses ungewohnte Ambiente dazu beitragen konnte, die Fantasie und Inspiration unserer Volksvertretung zu beflügeln, wollen wir an einigen handverlesenen Themen untersuchen, die während der Sommersession der Räte in der Halle der Bernexpo abgearbeitet wurden. Aufgrund des beachtlichen Umfangs der Traktandenliste sahen wir uns gezwungen, eine Auswahl zu treffen. Um dennoch fundiert berichten zu können, haben wir einige Themen massiv gekürzt, andere ausführlich dargestellt, Wesentliches weggelassen oder verdreht, unwesentliches aufgebauscht, unsere subjektive Meinung als unumstössliche Wahrheit aus­gegeben – in einem Wort: einfach nur das gemacht, was Sie von den Me­dien tagaus, tagein gewohnt sind.

Des Lebens ganze Fülle
Beginnen wir mit Thema Nr. 1, SEX: Endlich gibt’s die Ehe für alle, Frau darf Frau heiraten. Grösstes Problem, die Samenspende für lesbische Partnerschaften, wurde gelöst: In gleichgeschlechtlichen Paaren dürfen sich Frauen ab sofort befruchten lassen. Die auf Wahrung der göttlichen Ordnung bedachte NZZ im Mai 2019: «Was kommt als Nächstes?» Wenn alles funktioniert, ein Bébé, lieber Zürcher Generalanzeiger.

Kommen wir nun zum lieben Geld: Die Überschüsse der Nationalbank könnten einerseits dem Schuldenabbau, andererseits der AHV zugutekommen. Dazu Philipp Hildebrand, ehemaliger SNB-Banker, jetziger BlackRock-Vizepräsident: «Bei uns finden Vermögen einen sicheren Hafen – unabhängig von ihrer Herkunft.» Die FDP denkt darüber nach.

Bleiben wir beim Geld: Aufgrund der kürzlich aufgetretenen pekuniären Probleme beim Lockdown wurde staatliche Unterstützung der Wirtschaft nötig. Wie bekommt der Staat sein Geld wieder zurück? Die Wirtschaft: «Welches Geld?»

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral: Die von der Linken lancierte Konzernverantwortungsinitiative hält der Ständerat für abwegig, CH-Unternehmen müssen nicht für Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden haften, die ihre Tochtergesellschaften im Ausland anrichten. Sollen diese Ausländer doch zusehen, wie sie mit kriminellen Ausländern klarkommen!

Zivildienst versus Wehrdienst: Einen wuchtigen Schlag ins Kontor musste die Stahlhelmfraktion wegstecken: Nationalrat weigert sich, Zivildienst unattraktiver zu gestalten. Schweizerischer Zivildienstverband: «Endlich kommen sie zur Vernunft.» – Schweizerische Offiziersgesellschaft: «Haben die noch
alle Handgranaten im Spind?»

Terrorismus: Es wird beschlossen, den Erwerb von Dünger und anderen Stoffen, aus denen man Sprengmittel basteln kann, zu erschweren. Künftig wird das Auge des Gesetzes darüber wachen, ob sich frustrierte Landwirte zu Bombenbauern umschulen lassen.

Lernerfolgskontrolle
Wenden Sie Karl Valentins Aussage, dass Kunst schön sei, aber viel Arbeit mache, auf die schweizerische Demokratie an. Sie dürfen dabei im Bonmot des bekannten Münchner Volkssängers nur ein einziges Substantiv ändern. Welches wäre das?

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