Konzeptet

Ralph Weibel | veröffentlicht am 20.05.2020

Das Jahr 2020 wird als Geburtsjahr einer neuen Selbstverständlichkeit in die Geschichte eingehen, dem Hohelied auf das Sicherheitskonzept.

Konzeptet
Nebelspalter | (Nebelspalter)

Wenngleich uns immer wieder gesagt wird, es gäbe keine absolute Sicherheit, streben wir nach ihr. Und so boomen Sicherheitskonzepte. Die Woche, nach dem als «historischen Lockerungsschritt» gepriesenen 11. Mai, wurde deshalb zum Schaulaufen zwischen Abstandsmarkierungen, Richtungspfeilen, Plexiglasscheiben, Desinfektionsspendern und bemundschutztem Personal. Jedes Geschäft, Restaurant oder jeder Sportverein scheint sich in der Umsetzung von Sicherheits­konzepten übertreffen zu wollen, egal wie blöd die Auflagen sind.

Das färbt ab. Auch ich habe mir die Zeit genommen, ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Auf die Gefahr hin, nach Absage aller Auftritte könnte mir die Decke auf den Kopf fallen, trage ich 24 Stunden am Tag einen Helm. Auch und gerade zuhause. Bevor ich die Wohnung verlasse brülle ich wie ein Nebelhorn ins Treppenhaus, damit ich keinem Nachbarn begegne. Waschmaschine und Tumbler desinfiziere ich vor Gebrauch mit einem Flammenwerfer. Das vom Bio-Bauern gelieferte Gemüse stecke ich zwei Wochen in Quarantäne und werfe es dann direkt auf den Kompost. Irgendwie fühle ich mich so einfach sicherer.

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