Seitenblick

Ralph Weibel | veröffentlicht am 29.04.2020

Was haben wir gelacht über all die Hamstereinkäufer, die sich vor leeren Gestellen mit alten Frauen um Toilettenpapier prügelten und Pasta mit dem Palettrolli einkauften, so als ob sie für ganz Italien Spaghetti al pomodoro kochen müssten.

Seitenblick
Nebelspalter | (Nebelspalter)

Darüber schüttelte ich vor zwei Monaten nur den Kopf, im Wissen, dass man von beidem genug zuhause hatte. Die normalen Vorräte im Haus halt. Doch auch diese gehen irgendwann zur Neige, bevor sich Alain Berset vom Lockdown trennen kann. Weil insbesondere Frauen darauf bestehen, nicht irgendwelche Teigwaren zu kaufen, sondern eine bestimmte Marke, die es natürlich nur bei dem Grossverteiler gibt, den man nur zum Einkaufen von eben diesen Paste aufsucht, steht man an der Kasse mit einem Wagen voll mit nichts anderem als Farfalle, Fettucine und Fusilli.

Aus mindestens zwei Metern Abstand spürt man die verächtlichen Blicke der anderen Einkaufenden. Die Situation ist peinlich und unweigerlich überkommt einem das Gefühl, sich erklären zu müssen für den Hamstereinkauf, der vor zwei Monaten noch Grosseinkauf hiess und sowohl ökonomisch wie ökologisch als sinnvoll galt. Bevor man aber etwas sagt, schaut man rüber in den Einkaufswagen mit der Grosspackung Toilettenpapier und denkt sich, irgendwie ist man in dieser Zeit immer angeschissen.

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