Es läuft wie geschmiert

Jan Peters | veröffentlicht am 04.10.2019

Während Angela Merkels Klimakabinett unter dem Druck der Strasse zaghaft Neues wagt und ein Massnahmenpaket zum Schutz des Planeten vorlegt, setzen die USA auf Bewährtes und verfolgen beharrlich ihre konstruktive Aussenpolitik: Wer auch immer das Öl in Saudi-Arabien angezündet haben mag, sicherheitshalber wird dem Iran mit Krieg gedroht. Die waren das gar nicht? Völlig egal!

Es läuft wie geschmiert
Adam Zyglis | (Nebelspalter)

Die Sturzgeburt des deutschen Klimapakets wurde von Vizekanzler Olaf Scholz begründet mit: «Es ist fünf vor zwölf!» Wenn jemand heutzutage eine der wenigen noch gedruckten Zeitungen aufschlägt, einen Blick in digitale Gazetten wirft, in sozialen Netzwerken surft oder das Fernsehgerät anschaltet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie/er mit der verblüffenden Überschrift «Es ist kurz vor zwölf – Energiewende JETZT!» begrüsst wird. So viel zur Meinungs- und Medienvielfalt. Wir vom ‹Nebelspalter› könnten dies zwar leicht und locker toppen mit einem: «Es ist bereits zwölf – Energiewende SOFORT!», wollen dies aber unserem werten Publikum ersparen. Statt uns in Streitereien verwickeln zu lassen, möchten wir der Leserschaft in Erinnerung rufen, dass vor Jahren selbst ein so pfiffiges Kerlchen wie Paulchen Panther nicht in der Lage war, herauszufinden, wie spät es eigentlich war: «Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?»

Hätten Sie mal Feuer?
Während sich der rosarote Panther auf Samtpfoten davonschleicht, steht Greta Thunberg mit ihrem schwedischen Schild «Skolstrejk för klimatet» (dt.: Unterrichtsboykott bis zum Klimakterium) in der Gegend herum wie einst Lale Andersens Lili Marleen bei der Laterne vor dem grossen Tor. Und in Saudi-Arabien brennen die Öl­felder munter vor sich hin. Wie konnte es so weit kommen? Wer war das? Muss das eigentlich sein? Haben die linksversifften Ökos, die es nicht abwarten konnten, bis Peak Oil (dt.: globales Ölfördermaximum) von selbst kommt, die gottverlassene Dünenlandschaft, in der es ausser Sand und staubigen Skorpionen nichts Vernünftiges gibt, mit Drohnen bombardiert? Oder waren es, wie Donald Trump (dt.: das Rindvieh vom Dienst) aus zuverlässigen Texas­ölquellen weiss, diese verdammten Penner aus dem Iran? Früher, als die Höhlenmenschen noch Teppiche verhökerten oder in der Moschee hockten, wo sie endlos Suren aus dem Koran herunterleierten, bevor sie nach Hause gingen, um ihre Pinguinweiber zu verdreschen, sich ansonsten aber halbwegs gesittet aufführten, war es ja noch auszuhalten gewesen. Beruhigend wirkte damals, dass Mohammad Reza Pahlavi, der Schah von Persien, als Statthalter Amerikas über allem wachte und aufpasste, dass die Kameltreiber ihr Maul hielten und reichlich Erdöl nach Amerika floss.

Spass muss sein
Dann übernahm der Revolutionsführer Ru­hollah Musawi Chomeini mit seiner übermütigen Mullah-Rasselbande das Kommando und machte sich unverzüglich ans Werk, eine islamische Republik zu gründen (engl./amer.: What the fuck is that?). Von da an war, diplomatisch zurückhaltend formuliert, die Kacke am Dampfen. Hauptsächlich für die Amis, die irgendwie nicht klarkamen mit dem religiösen Gedöns. Im ersten Golfkrieg hatte Chomeini dann die brisante Idee, einige seiner Landsleute mittels Handgranaten in lebende Bomben zu verwandeln und zu den Ungläubigen zu schicken, wo sie sich mit einem freudigen «Allahu Akbar!» in die Luft sprengten – «Da schiesset mit Getos der Bombardör den Böller los!», hätte der norddeutsche Dichter Wilhelm Busch solche Himmelfahrtskommandos reimend begleitet. Den frohen Mutes ins Jenseits Eilenden hatte Ajatollah Chomeini in Aussicht gestellt, dass im Paradies 70 Jungfrauen auf sie warteten. Inzwischen haben sich allerdings so viele Radikalinskis in die Luft gejagt, dass im Elysium Lieferengpässe bei der Bereitstellung passender Damen aufgetreten sind.

Si vis pacem para bellum
(Dt.: Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor.) Es folgten dann noch weitere Golfkriege mit diversen Teilnehmern, die mal mehr, mal weniger Spass an diesen Festivitäten hatten. Gemeinsam war diesen pyrotechnischen Grossveranstaltungen, dass die Gründe, die zum Krieg führten, durchweg erstunken und erlogen waren. Solches hat eine lange Tra­dition in der Weltgeschichte (dt.: Der Sender Gleiwitz wurde 1939 von polnischen Soldaten überfallen; amer.: Saddam Hussein besitzt Massenvernichtungswaffen). Es scheint auch ein Mythos zu sein, dass der amerikanische Generalstab vom japanischen Angriff auf Pearl Harbor überrascht gewesen sein soll. Und die Attacken von 9/11? NEIN!! ERBARMEN – darüber spekulieren wir nicht!!

Auf der Grundlage des Diskutierten scheint es schwierig, die Urheber der Angriffe auf die saudi-arabischen Öl­felder namhaft zu machen. Waren es die Huthi-Rebellen (amer.: Who the fuck is that?)? Oder Teheran? Oder Putin? Der Vatikan? Trump-Tweet an Pentagon: «Fuck Persia. Nuke the Kaaba in Mecca!» – Pentagon an Trump: «But that’s in Saudi Arabia!» – Trump an Pentagon: «Shut up, mother­fucker – execute commands!» Pentagon-In­tranet: «Who the fuck is Donald Trump?»

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