VARsinn

Ralph Weibel | veröffentlicht am 24.07.2019

Die Gerechtigkeit ist in den Schweizer Fussballstadien angekommen.

VARsinn
Nebelspalter | (Nebelspalter)

So wird die Einführung des Video Assistant Referee (VAR) lobpreist. Dennoch sangen die Anhänger des FC St. Gallen im ersten Spiel gegen Luzern «ihr macht unsren Sport kaputt». Was war geschehen? Den St. Gallern wurde auf Grund des Videobeweises ein Penalty weggenommen, den Luzernern einer gegeben. Zu Recht. Unrecht war, dass Luzern noch elf Spieler auf dem Platz hatte, nachdem Schiedsrichter Tschudi Luzerns Schürpf mit einer Ampelkarte hätte vom Feld verbannen müssen. Rein sportlich hätte zudem St.Gallen den Sieg mehr verdient, doch Fussball ist nicht gerecht. Da hilft kein Videobeweis. Doch genau das macht den Sport ja interessant. Er ist ein Spiegel der Gesellschaft, und die ist nicht gerecht.

Ist es gerecht, wenn Frauen bis 65 arbeiten müssen und die 300 reichsten Schweizer 60 Milliarden einsacken mit Kapitaleinkommen, die nicht sozialversicherungspflichtig sind? Ist es gerecht, Hilfsschiffe zu büssen, wenn sie Flüchtlinge retten oder Kinder in Indien in giftigen Chemikalien stehen, damit wir billige T-Shirts haben? Dagegen hilft leider kein Videobeweis. Aber wie hat schon Oscar Wilde gesagt: «Das Leben ist nicht gerecht, und für die meisten von uns ist das gut so.»

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