C’est super(be)

Hans Abplanalp | veröffentlicht am 05.07.2019

Die Welschen haben das Festen im Blut, beeinflusst von ihrem Nachbarn, der Grande Nation, die in Sachen Feiern abhalten alle zu übertrumpfen vermag. So verwundert es den eher nüchternen Deutschschweizer nicht, dass die Compa­triotes in der Romandie wieder einmal mit der grössten Kelle anrichten, wenn es um die Fête des Vignerons geht.

C’est super(be)
Schlorian (Stefan Haller) | (Nebelspalter)

Immerhin findet dieses Spektakel nur etwa alle 20 Jahre statt und figuriert auf der Liste des Weltkulturerbes. In diesem Volkskulturwettkampf vermögen das Sechseläuten in Zürich, die Fasnacht in Basel und Luzern oder der Zibelemärit in Bern nicht mitzuhalten, ganz zu schweigen von der OLMA in St.?Gallen. (Pardon, liebe Ostschweizer.) Das müssen wir Schweizerdeutschsprachigen einfach neidlos zugeben.

400?000 Zuschauer verzaubern soll dieses 100-Millionen-Spektakel, welches 1999 noch die Hälfte kostete. Was aber würde eigentlich passieren, wenn für die diesjährige Aus­-gabe nur die Hälfte der Hälfte, also 25 Millionen Franken, verbuttert worden wäre? Mais non, ça ne va pas du tout. Die Besucher erwarten aller­modernste Licht- und Soundeffekte, wenn «ein Jahr im Leben eines Weinbergs» gezeigt wird, in dessen Verlauf ein Grossvater seiner Enkelin das Handwerk des Weinmachens erklärt. Was denn sonst. Und 100 Millionen Franken sind da eben mal recht.

So werden die Veveyanerinnen und Veveyaner während 25 langer Tage eine weingeschwängerte Festatmosphäre (500?000 Liter) mit einer Million erwarteten Gästen erleben dürfen oder überleben müssen. Daniele Finzi Pasca, der Regisseur der Aufführung, meint dazu: «Die ganze Stadt wird überkochen.» Zum Glück liegt zum Abkühlen der Lac Léman gleich nebenan. Und der Weltkonzern Nestlé wird für einmal nur als Sponsor auftreten, darf aber dafür vielleicht ein paar alkoholfreie Getränke und Snacks liefern.

Und jetzt, liebe Deutschschweizer, reist nach Vevey (aller et retour), packt euer Schulfranzösisch ein (moi aussi Suisse), lasst euch nicht abschrecken von den Eintrittspreisen (entre 80 et 460 francs), geniesst den Wein (santé) und lasst euch von den Festivitäten so richtig mitreissen (Vive la France … eh … vive la Suisse française … eh romande … isch ja glych).

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