Chuzpe

Ralph Weibel | veröffentlicht am 19.06.2019

Freuen Sie sich an dieser Zeitung! Immerhin hat sie noch die Chuzpe, Karikaturen zu veröffentlichen (siehe unten).

Chuzpe
Nebelspalter |

Die als gemeinhin beste Zeitung der Welt gelobte «New York Times» verzichtet künftig auf politische Cartoons. Davon betroffen ist auch der Schweizer Zeichner Patrick Chappatte, der unter anderem auch im «Nebelspalter» zu sehen ist. Nicht besser ergeht es seinem Kollegen Heng Kim Song. Ein Cartoon des Por­tugiesen Antunes zeigte den israelischen Premier Netanyahu als Blindenhund mit Davidstern, der den blinden Trump mit Kippa führt. Proteste und ein Antisemitismus-Shitstorm brachten die Redaktion zum Einknicken und dem oben erwähnten Entscheid. Zugegeben, die Zeichnung ist schlecht und die Vermischung von Politik und Religion unnötig.

Viel mehr sollte uns aber zu denken geben, dass die Vierte Macht im Staat sich selber zensiert. Ein Stich ins Herz eines jeden Satirikers. Deren Aufgabe ist es, gesellschaftliche und politische Ereignisse zu überzeichnen mit Gedanken, die nicht gedankenlos sind. Nicht zuletzt können, und sollen, so Denkanstösse geliefert werden. Wenn dabei einmal über das Ziel hinausgeschossen wird, sollte man darüber diskutieren, unverfroren, dreist, frech, kurz mit Chuzpe, wie das jiddische Wort dafür heisst.

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