Zeit zum Aussterben

Roland Schäfli | veröffentlicht am 03.05.2019

In der Schweiz sterben bedrohte Arten wie die Fliegen. Mehrere Bugs sind in hiesigem Habitat nicht mehr überlebensfähig. Folgende Spezies drohen zu verschwinden.

Zeit zum Aussterben
Marina Lutz | (Nebelspalter)

Der Rüsselkäfer
Der Rüsselkäfer (Schawinski plap­perus) ist vom akuten Aussterben bedroht, weil ihm sein natürliches Habitat entzogen werden könnte. Denn sein natürlicher Lebensraum – er hält sich mit Vorliebe unter schön warmen Scheinwerfern von Fernsehstudios auf – wird enger. Er ist bekannt dafür, seinen grossen Rüssel in fremde Angelegenheiten zu stecken. Der ansonsten robuste Käfer, der sich selbst überleben kann, vollzieht diese Tätigkeit unter einem öffentlichen Mikroskop, wo er in den Brennpunkt geraten kann, wenn er über seinen eigenen Rüssel stolpert.  

Der Ohrwurm
Nachdem in den vergangenen Jahren in der Schweiz kaum noch Ohrwürmer zu hören waren, krümmt sich nun ein Wurm letztmals auf, sozu­sagen das letzte Aufbäumen vor dem Zero: Ebenso wie Luca Hänni tritt der Schweizer Ohrwurm am Eurovision Song Contest für kurze Zeit auf. Obwohl Forscher feststellen konnten, dass er mit einem neuen Hüftschwung Konkurrenten aus dem Feld schlagen will, glauben Botaniker nicht, dass der Winzling in dieser feindlichen Um­gebung lange überleben kann.

Der Blick-Käfer
Der Blick-Käfer (Boulevardis comicus) krabbelte jahrzehntelang über die
Titelseite einer Boulevard-Zeitung. Nun wurde er vom eigenen Blatt totgeklatscht, weil er eine Bemerkung über Jolanda Spiess-Hegglin gemacht hatte («Wenn ich sie sehe, nehme ich freiwillig K.o.-Tropfen»). Der bisherige Züchter des Blick-Käfers kratzte die schäbigen Überreste von der Zeitung, was ihm die Kritik des Presse­rats eintrug: Blick-Käfer, auch wenn sie ein grosses Maul haben, stehen unter Artenschutz.

Der Weisse Wüstenkäfer
Der Weisse Wüstenkäfer (Schwyzerus Ku-Klux-Klanus) ist durch einen weis­sen Wachsüberzug weiss gefärbt, ist darunter aber schwarz. Botaniker teilten jahrelang die Ansicht, diese Maskerade hänge von der geografischen Lage ab. Ein Sensationsfund an der Fasnacht im Kanton Schwyz hat nun gezeigt, dass der Weisse Wüstenkäfer sich aus reiner Gehässigkeit schwarz anmalt (engl. Blackfacing), um den echten Schwarzkäfer, politisch korrekt auch Dunkelkäfer genannt, zu
ärgern. Ironischerweise stammt der Weisse Wüstenkäfer selbst aus der
Familie der Schwarzkäfer. Schädlingsbekämpfer hoffen, den hartnäckigen Weisskäfer in Schwyz bald ausge­-rottet zu haben.

Der Glanz-Käfer
Der Glanz-Käfer (Promi servelatus) war bislang täglich zu sehen, vor allem am Vorabend, und hatte sogar einen Stammplatz: Das Schweizer Fernsehen strahlte jahrelang die Natursendung «Glanz & Gloria» aus. In diesem Gefäss tummelten sich alle Arten von Glanz-Käfern, die sich lediglich durch die blendende Farbe
ihrer Flügel auszeichnen, was aber eigentlich bedeutungslos ist. Auch ist der Glanz-Käfer wenig produktiv, wiederholt sich oft und krabbelt gern in den Mittelpunkt. Männliche Exemplare schmücken sich gern mit einem Glanz-Käferchen, das die Flügel unnatürlich gross erweitert hat.

Der Spreizflügelfalter
Klimaforscher stellen fest, dass sich diese Art während ihrer Lebensspanne immer später verpuppt und darum kaum noch dazu kommt, die Flügel zu spreizen. Wenn der Spreizflügelfalter schliesslich an die Spitze der Nahrungskette gelangt, führt dieser mit Lametta geschmückte Falter eine ganze Armee von kleineren Faltern an.
In der Schweiz nimmt der Philippus rebordus wegen Altersbeschwerden diese Position nur noch kurze Zeit ein.

Der Kurz-Flügler
Dem Kurz-Flügler (Junkers Ju-52) wurden die Flügel gestutzt, weshalb nur noch einige Exemplare am Boden verbleiben. Das Bundesamt für alles Geflügelte (Bazl) verbietet die Aus­flüge der Kurzausflügler.

Der Borkenkäfer
Der Borkenkäfer kann aus einem Grund nicht aussterben: weil er nämlich gar nie existiert hat. Diese bahnbrechende Entdeckung machte  Freizeit-Botaniker Christoph Blocher nach umfangreichen Feld-, Wald- und Wiesenstudien: Nachdem er sich höchstpersönlich im tiefen Forst umgesehen hat und kein einziges Ex­emplar entdecken konnte, empfahl er die Irrlehre der Grünen zur sofor­tigen Verwerfung.

Die Bremse
Die gemeine Bremse wird im Volk immer unbeliebter und man schlägt unwillkürlich nach ihr, wenn sie ihren Stachel eindringen lassen will. In der Schweiz auch als Spass-Bremse (Rösti albertus) bekannt, ist bislang noch abzuwarten, ob es wegen einer Fehlfunktion der Bremse zu einer Rückrufaktion ins völkische Hauptwerk kommt.

Die Sackträgermotte
Die Sackträgermotte sucht wie alle Motten das Licht und läuft Gefahr, nach nervös-zappeligen Flugbewegungen darin zu verglühen. In der Schweiz hat diese Spezies die Sonderform des Rogerus köppelus hervor­gebracht: eine Motte, die einen gros­sen Sack trägt und von diesem un­aufhaltsam in Richtung Ständerat gesteuert wird.

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