Vogelmensch Albert und die Genfer Unterwelt

Jan Peters | veröffentlicht am 03.05.2019

Kürzlich wurde das Foto eines Schwarzen Lochs publiziert, das man in 55 Millionen Lichtjahren Entfernung in der Galaxie M 87 entdeckt haben wollte. Später wurde kleinlaut eingeräumt, dass das Loch selbst nicht sichtbar sei, lediglich Schatten und Umrahmung desselben könne man erkennen.

Vogelmensch Albert und die Genfer Unterwelt
Oliver Schopf | (Nebelspalter)

Als ich das Foto in der Zeitung sah, war ich sehr erstaunt und rief in Richtung Küche: «Berta, ein Schwarzes Loch hat ein Selfie gemacht!» Das dort tätige Personal fragte zurück, woran ich erkenne, dass es ein Selfie sei. «Eher so ein Gefühl», rief ich meiner Frau zu, «von der Qualitätsanmutung her.» Das Team von Event Horizon Telescope erklärte dann aber, dass es kein Selfie sei, für das Bild hätten sie sogar etliche Radioteleskope zusammenschalten müssen, damit es wenigstens so etwas Ähnliches wie ein Foto geworden sei. Ich habe zwar etwas höhere Qualitäts­ansprüche, im Weltraum scheint es aber sehr schwierig zu sein, wirklich gute Fotos zu machen. Weil Kameras dort zu wenig Gravitation besitzen, um das Licht anziehen zu können. Oder so ähnlich.

Basejumping im Amt
Wer von Schwarzen Löchern, Gravitationswellen und dergleichen redet, kommt an Einstein nicht vorbei, dem sich vor 100 Jahren, als er still auf seinem Sessel im Berner Patentamt sass und geduldig auf den Feierabend wartete, die Frage aufdrängte: «Wenn sich eine Person im freien Fall befindet, spürt sie dann ihr eigenes Gewicht?» Man muss wohl Beamter sein, um auf solche Ideen zu kommen. Weder ist bekannt, ob sich Albert Einstein anschliessend einen Wingsuit anlegte, aufs Stehpult kletterte und sich zwecks Beantwortung seiner Frage in die Tiefe stürzte, noch, ob aufgrund des dadurch entstehenden Gepolters sein Vorgesetzter in die Amtsstube gestürmt kam und schrie: «Sind Sie jetzt endgültig wahnsinnig geworden, Einstein?» Albert könnte darauf erwidert haben: «Zu dienen, Euer Gnaden: E = mc2.» Daraus entwickelte er später seine Relativitätstheorie. Seitdem nennen wir alles, was unseren Horizont übersteigt, «theoretische Physik». Das kann aber auch nicht ganz stimmen, denn 97?% unseres Lebens können unmöglich aus theoretischer Physik bestehen.

«Gott würfelt nicht!»
Das soll Einstein später einmal gesagt haben, als ihm ein gewisser Niels Bohr, der auch Physiker war, mit abstrusen Hirngespinsten namens «Quantenmechanik» saftig auf die Nerven ging. Die Quantenmechanik ist praxisorientierter als die Relati­vitätstheorie, die sich Albert Einstein damals ausdachte, um die Zeit im Patentamt totzuschlagen, und ihr Bezug zum täglichen Leben, um den es uns im vorliegenden Artikel ja geht, sollte aus folgendem Beispiel klar werden: Stellen Sie sich einmal vor, Sie wollen nachts zum Tanken fahren. Aufgrund Ihres geringfügig erhöhten Blutalkoholgehalts von 2,6?‰ verfehlen Sie knapp die Einfahrt zur Servicestation und donnern in eine Zapfsäule; was ja mal vorkommen kann. Die Polizei dreht Ihnen umgehend einen Strick daraus und brüllt Sie an: «Haben Sie eigentlich einen an der Waffel?» Zum exakten Unfallhergang befragt, halten Sie sich schwankend an den Resten der Tankstelle fest und weisen darauf hin, dass Sie sich aufgrund der bei Streifenbeamten als bekannt vorauszu­setzenden «Heisenbergschen Unschärferelation» ausserstande gesehen hätten, die Koordinaten der Einflugschneise präzise in ihren Bordcomputer einzugeben. In der anschliessenden Nacht in der Ausnüchterungszelle werden Sie Gelegenheit haben, die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Ihnen widerfahrenen Missgeschicks in einem Artikel darzustellen und bei «Nature» zur Publikation einzureichen. Bis zum Nobelpreis ist es dann nicht mehr weit.

Äpfel mit Birnen verglichen
Die heutige Physik krankt daran, dass sie sich dem Normalbürger nicht mehr verständlich machen kann. Dabei hatte alles einmal so vielversprechend begonnen – mit Isaac Newton in England beispielsweise. Der hielt unter einem Apfelbaum Mittagsschlaf. Da fiel ihm ein Apfel auf den Kürbis. Daraus leitete er die Frage ab: «Wäre mein Schmerz ein anderer, wenn der Apfel nicht nach unten auf mein Haupt gestürzt, sondern ich nach oben geschossen und mit der Birne gegen einen Apfel geknallt wäre?» Unsere Frage an den Herrn Chef-Physiker: «Haben Sie noch alle Latten am Zaun, Newton?»

Fröhliche Wissenschaft
Heutzutage ist kaum bekannt, dass Pythagoras in einer Beta-Version von «Wetten, dass …?» an folgender Frage scheiterte: «Wenn in einem 90°-Dreieck die Summe der Katheten-Quadrate gleich dem Hypotenusen-Quadrat ist, wie spät ist es dann morgens um 9 Uhr in Athen?» Moderne Naturwissenschaftler möchten sich solche Blamagen ersparen. Sie machen deshalb nur noch, was ihnen Spass macht. Darum haben sie sich in Genf eine unterirdische Carrera-Bahn gebaut, die sie aus Verschlei­erungsgründen «Large Hadron Collider» nennen. Dort liefern sie sich mit den Minions illegale Autorennen. Damit ihnen der Steuerzahler, der dafür galaktische Subventionen zahlt, nicht auf die Schliche kommt, haben diese Banditen den Minions alberne Tarnnamen wie «Quark» und «Higgs-Boson» gegeben.

Artikel erschienen in der Ausgabe

loader