Erdbeeren

Ralph Weibel | veröffentlicht am 06.03.2019

Erdbeeren
Marco Ratschiller | (Nebelspalter)

Ich stand kürzlich in der Reihe vor der Kasse eines Grossverteilers. Vor mir eine Gruppe junger Menschen. Angesichts der Nähe zu einer Kantonsschule durfte ich annehmen, es handle sich um eine Gruppe Teenager, die sich in eben dieser auf die Zukunft vorbereitet. Aha, fürs Klima streiken, dachte ich mir, was ich sehr löblich finde, und dann zu Mittag einen Fertig-Salat in einer keimfreien Plastikschale mit Folie kaufen. Die Gruppe hatte sich reichlich mit modernem Convenience Food eingedeckt. Eine junge Frau legte unter anderem eine Schale Erdbeeren aufs Förderband.

«Die sind ja gar nicht bio», sagte eine Freundin der jungen Frau. Diese begutachtete die Plastikverpackung und tatsächlich fand sich darauf kein schlechtesgewissenberuhigendes Signet. Kurz flammte eine Diskussion auf, ob man überhaupt noch Produkte kaufen sollte, die nicht «bio» sind. «Da keimt wenigstens etwas Kritik über das Keimfreie», dachte ich mir und freute mich, als wenigstens eine der jungen Frauen die Bemerkung fallen liess, es sei überhaupt blöd, im Februar Erdbeeren zu essen. Vielleicht lernen sie ja wirklich auch Sinnvolles in der Schule, dachte ich mir und legte meinen in Plastikfolie eingepackten Bio-Broccoli aufs Förderband.

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