Einfach zu wenig Biss

Roland Schäfli | veröffentlicht am 01.03.2019

Jeder dritte Haushalt hat eins – ein Haustier. Aber keiner hat ein Diplom, um Tiere zu halten. Oder, wenn er sie nicht halten kann, wenigstens an die Leine zu legen.

Einfach zu wenig Biss
Marco Ratschiller | (Nebelspalter)

Mit der Abschaffung der obligatorischen Hundeprüfung auf Bundesebene sind nun unterschiedliche kantonale Regelungen in Kraft: In manchen Kantonen bestimmt die Rasse, wer zur Prüfung muss. Andere Kantone finden es rassistisch, bestimmte Halter derart zu benachteiligen. So ist zum Beispiel im Bündnerland erlaubt, dass ein Hund mitten im Dorf ein Reh jagt (der Halter, ein Ex-HC-Davos-Präsident, hatte eine Bewilligung zur Sonderjagd). Im Kanton Schwyz fressen Huskys Katzen und Schafe, obwohl der Halter beteuert, «der will nur spielen». Und im Circus Royal treten Raubkatzen auf, die so tun, als wollen sie den Dompteur fressen.

Obwohl sich die Haustiere in der Schweiz weiter vermehren (selbst auf dem Bauernhof von Renzo Blumenthal, dessen Vasektomie dagegen nicht geholfen hat), fehlen griffige Richtlinien. Verglichen mit der Anzahl von einer halben Million Hunden sind die Katzen mit 1,6 Millionen klar in der Überzahl. Ganz zu schweigen von Millionen Chüngeln, Hamstern, Vögeln und Geckos, die hinter ihren Käfigwänden arglistig nur darauf warten, auf die Menschheit losgelassen zu werden. In Aquarien und Kunstteichen schwimmen vier Millionen Zierfische, die in der Regel nicht einmal zum Speisefisch taugen.

Alleine drei Millionen Tiere warten in Durchgangsheimen auf Asyl bei naiven Familien, die auf den treudoofen Blick reinfallen. Mit anderen Worten: der Schweizer Dichtestress hat die Tierwelt erreicht. Immer mehr sorgen Hundebisse für nationale Schlagzeilen. Die Nation fragt sich geschockt: Warum unternimmt niemand etwas gegen Hundebisse? Meist stellt sich dann heraus, dass der Hund überhaupt nicht gebissen, sondern nur von einem Menschen angeknurrt wurde. Obwohl viele Halter den Vorwurf, sie könnten des Tiers nicht Herr werden, als haltlos abtun, wird das Gekläffe nach einem Eignungstest immer lauter, dem sich sämtliche Tierhalter unterziehen sollen. In Ausarbeitung befindet sich die­se Theorieprüfung, die nicht geschwänzelt wer­den darf.

Welche Frage müssen Sie sich stellen, wenn Sie ein Haustier anschaffen wollen?

a)            Wäre es günstiger, gleich zwei zu nehmen?

b)           Habe ich genügend Zeit, das Tier 1 × wö-chentlich vor die Tür zu lassen?

c)            Hat es im Schrank unter der Treppe genü-gend Platz?

 

Haben Sie genügend Geld für den Unterhalt des Tiers?

a)            Den Hintern leckt es sich ja wohl gratis.

b)           Ich lebe in Waldnähe mit grossem Wild­tierbestand.

c)           Das Tier ist ja nicht von mir, darum muss ich auch nicht Unterhalt zahlen.

 

Wann müssen Sie Ihr Tier gegen Tollwut impfen?

a)            Wenn der gebissene Nachbar aus dem Maul schäumt.

b)           Wenn der Rottweiler aus Platzgründen im Babyzimmer schlafen soll.

c)           Wenn niemand mehr glaubt, das sei nur Rasierschaum an der Schnauze.

 

Sie wollen sich einen Vogel anschaffen.

Welche Erfahrungen haben Sie?

a)           Sass selbst schon mal als Knastvogel hinter Gittern.

b)           Kann ein Poulet tranchieren.

c)           Kann Vogellaute nachmachen.

 

Lassen Sie Ihr Tier vom Tierarzt chippen?

a)           Um die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu dämpfen, gehen wir nicht mit jedem Bobo zum Doktor (Bobo heisst unser Hund).

b)           Mit einem Teppichmesser lässt sich so ein Chip selbst einsetzen.

c)           Es braucht nicht gechippt zu werden, ich lasse das Vieh auf dem Landweg kommen.

 

Sie kommen an einem Bauernhof mit bellendem Bless vorbei. Wie verhalten Sie sich?

a)           Ich kaufe Bio-Eier, um den Hund milde zu stimmen.

b)           Ich frage den Bauern, ob der Hund subven-tioniert ist.

c)           Ich erkläre dem Appenzeller Bauern, dass ich den Dialekt seines Hundes nicht verstehe.

 

Ihr Goldfisch treibt bauchaufwärts im Aquarium. Wie verhalten Sie sich?

a)           Ich erneuere zuerst einmal und zum ersten Mal das Wasser.

b)           Ich beklage mich beim Hersteller und poche auf Garantie.

c)           Ich freue mich über meinen Dressurerfolg des Rückenschwimmens.

 

Kann Ihr Tier genügend Sozialkontake mit Artgenossen unterhalten?

a)           Freier WLAN-Zugang zum Internet und Social Media.

b)           Ein tägliches Meeting beim Hydranten reicht  hinlänglich.

c)           Fenster wird täglich 30 Minuten geöffnet, um der Nachbar-Töle zuzukläffen.

 

Eine Frau benutzt den Radstreifen, um mit Hund Gassi zu gehen. Ihr Verhalten als Radfahrer?

a)           Wenn es der Gegenverkehr zulässt, überfahre ich den Radstreifen.

b)           Wenn es der Gegenverkehr zulässt, überfahre ich den Hund.

c)           Ich schalte mein E-Bike auf Slalom-Betrieb, um den Häufchen auszuweichen.

 

 Haben Sie an einen Ferienplatz für Ihr Tier gedacht?

a)           Die Katze darf naturnahe Outdoor-Ferien machen.

b)           Der Chihuahua kommt in den Zwinger zum Pitbull.

c)           Der Goldfisch wird via sanitäre Anlage in den Ozean ausgewildert.

 

Was antworten Sie, wenn Sie nach dem Namen Ihres neuen namenlosen Hunds gefragt werden?

a)           Er heisst «Hundi».

b)           Er wollte sich gendermässig noch nicht festlegen.

c)           Er übernimmt selbstverständlich meinen Familiennamen und legt entsprechend seinen ledigen Namen ab.

 

Können Sie mit dem Hund kommunizieren?

a)           Ich mit ihm schon, umgekehrt nicht.

b)           Unkontrolliertes Bellen = volle Blase

c)           Unkontrolliertes Bellen + Scharren an Tür + nervöses Herumgerenne = platzende Blase

 

Wie vermeiden Sie, dass Ihr Hund gestresst wird?

a)           Ich lese ihm zum Einschlafen «Der Hund von Baskerville» vor.

b)           Ich erkläre ihm, dass ein grosser Hund vor Giftködern keine Angst hat.

c)           Ich sage ihm sein Alter auf gar keinen Fall in Hundejahren.

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