Spar dir die Konsequenzen

Hans Suter | veröffentlicht am 01.02.2019

Unser Umweltbewusstsein führt schon dahin, dass wir uns überlegen, ob wir nun atmen dürfen oder nicht. Wo soll das noch hinführen?

Spar dir die Konsequenzen
Sandro Fiscalini | (Nebelspalter)

Jetzt soll man also jedes Mal überlegen: Darf ich das oder darf ich das nicht? Zumindest soll man sparsam mit den Ressourcen umgehen, heisst es. Da vergeht einem doch jede Lust. Eine gewisse Freiheit möchte der Mensch doch haben. Nehmen Sie zum Beispiel das Wasser, heutzutage ist es ja wieder einigermassen akzeptabel und es gibt auch genügend davon. Trotzdem soll man sparsam mit Wasser umgehen: Nicht zu lange duschen, und das nur jeden zweiten Tag. Pool nur zur Hälfte auffüllen!

Sonnen- und Schattenseiten
Dann die Probleme mit der Sonneneinstrahlung. Meine Frau sagt zwar immer: «Ständig im Schatten sitzen kannst du auch nicht, sonst hast du zu wenig von diesem Vitamin D. Da setzt du dich besser an die Sonne und schmierst dir was ein; aber sparsam! Sonst verschmutzt du das Badewasser. Alles hat Sonnen- und Schattenseiten. Man soll auch einen sparsamen Umgang mit Salz und Zucker und Plastiksäcklein pflegen. Wenn Sie so wollen, können Sie überhaupt nichts mehr machen.

Die Abwässer flossen früher direkt in unsere Flüsse und Seen. Dann wurden Kläranlagen gebaut, alle paar Jahre mit einigen Stufen mehr. Das Resultat: Die Fische haben nichts mehr zu fressen und die Fischer werden arbeitslos. Die fordern jetzt, dass Kläranlagen sparsamer reinigen. Also mehr Scheisse in stehenden Gewässern! Was soll man tun? In der Rüstung jedoch ist man schon weiter. Es wurden nachhaltige Gewehrkugeln, Granaten entwickelt, die biologisch abbaubar sind, also weniger Bleivergiftungen. Treibstoff für Panzer wird aus Mais und anderen Kulturpflanzen gewonnen. Vielleicht sogar aus Soja. Aber viele Millionen Menschen haben nichts zu essen. Und wenn du das erwähnst, heisst es: Spar dir deine Moral!

Vegetarier und Veganer
Sogar Essen soll am Maul abgespart werden. Nicht mal ein einfaches Süppchen aus Fleischbrühe wird einem gegönnt. Das Fleisch komme aus einer Tierfabrik. Also dann vielleicht Tofu, der aus diesen Sojabohnen hergestellt wird. Für deren Kultivierung werden aber Regenwälder abgeholzt, sicher motorisiert geerntet und elektrisch gepresst. Also erstens fossile Brennstoffe und zweitens Atomstrom, und das ausgerechnet für Vegetarier und Veganer. Ähnliche Probleme haben wir doch mit der Luft. Stellen Sie sich vor, alle wären nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, mit Bus, Strassenbahn, Zug und so weiter. Wie viele Extrazüge und Extrafahrten wären vonnöten? Also noch ein paar Stauseen mit Talsperren mehr.

Und wenn dann die Leute nicht mehr mit dem Auto in dieses verschandelte Gebirge fahren wollen, bleiben sie zu Hause. Und was tun sie da? Fernsehen. Aber auch mit dem Fernsehkonsum soll sparsam umgegangen werden. Er trage zur Verblödung der Zuschauer bei, heisst es. Aber haben Sie sich einmal überlegt, wie es wäre, wenn diese Fernsehzuschauer auf einmal Bücher lesen würden? Das hiesse mehr Papier, mehr Bleichmittel, mehr Druckfarben, also mehr Chemie. Wie soll man so noch leben?

Bleibt nur noch übrig, sich an einer Hanfschnur aufzuhängen oder kriminell zu werden. Dann lassen Sie sich aber nicht in Amerika erwischen: Elektrische Stühle mit Solarstrom gibt es meines Wissens noch nicht.

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