Rockstar des Buddhismus

Roland Schäfli | veröffentlicht am 31.08.2018

Wir nutzen die exklusive Gelegenheit zu einem Interview mit dem Dalai Lama, der das mehr als witzig findet.

Rockstar des Buddhismus
Petra Kaster | (Nebelspalter)

An der Redaktionssitzung im ‹Nebelspalter›-Newsroom war die Frage, ob wir das grosse Interview der nächsten Ausgabe mit dem Dalai Lama führen sollten, stark umstritten. Die Fraktion der Hardliner schrie die Spiritualisten nieder: «No way! Dieser Platz ist für Trump reserviert!» Unsere Buddhisten wehrten sich nicht. Sie meditierten. Da wurden die Hard­liner weich. Weshalb wir uns statt mit Donald mit Dalai trafen.

Eure Heiligkeit, wir begrüssen Sie in der Schweiz  und bedanken uns für Ihre Zeit.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse über Zeit ist: «Verbringe jeden Tag Zeit mit dir selbst.»
Und wie machen Sie das bei Ihrem vollen Programm?
Ich tue einfach so, als wärt ihr nicht da, haha!
Es gibt sehr viele solcher Zitate von Ihnen. Woher kommen die denn eigentlich alle?
Ich beschäftige einen grossen Stab von Ghostwritern. Es ist unmöglich geworden, die Nachfrage nach schlauen Sprüchen zu befriedigen. Jeder will einen coolen Slogan von mir hören. Das ist der Nachteil der Popularität.
Die Schweiz ist ja das Land mit der weltweit  grössten tibetischen Exilgemeinde …
Kommt jetzt noch eine Frage?
Wir waren eines der ersten Länder, die in den 1960er-Jahren Flüchtlinge aus Tibet aufnahmen. Und viele Ihrer Landsleute sind immer noch hier in der Schweiz.
Tja, liebe Freunde, das hättet ihr euch früher überlegen sollen. Die aktuelle Asylpolitik könnte was draus lernen.
Was halten Sie eigentlich davon, dass viele Nicht-Buddhisten sich einen Buddha ins Wohnzimmer stellen? In der Migros gibt es in der Do-it-yourself-Abteilung sogar einen Zement-Buddha.
Finde ich viel besser als so einen aus Kitsch-Plastik.
Weil Plastik die Weltmeere verschmutzt?
Wenn du einen Zement-Buddha im Meer versenkst, dann treibt er wenigstens nicht irgendwo rum, sondern sinkt zu Boden und wird dort Teil des Korallenriffs. Leider haben wir verpasst, uns rechtzeitig die Rechte an diesen Verkäufen zu sichern. So verdienen wir an der Vermarktung der Buddha-Statuen leider keinen Cent.
Äh, Entschuldigung, aber wir sind jetzt etwas überrascht – haben Sie nicht gesagt: «Der Mensch opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wiederzuerlangen?»
Yep, eben, die Quintessenz ist: Geld macht gesund.
Sie haben auch gesagt: «Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist gestern, der andere morgen.» Bitte erklären Sie uns, was Sie damit genau gemeint haben.
Wann soll ich das gesagt haben?
Äh, früher mal.
Kann nicht sein. Gestern kann ich ja nichts machen. Und morgen auch nicht. Sehen Sie, die Medien schreiben mir immer wieder Aussagen zu, die ich so gar nicht gemacht habe. Das sind nichts anderes als Fake News! Manchmal stammen diese Zitate aus einem Glückskeks.
Sie sind im Alter von 83 Jahren auf Tournee, jeden Tag in einer anderen Stadt …
Das ist keine Tournee, Mann. Ich bin auf der Flucht, schon seit bald 60 Jahren!
Sie sprechen die Besetzung Tibets durch China an. Was halten Sie vom Handelsstreit zwischen China und den USA?
Trump sollte China mit Handelszöllen überziehen, bis die endlich einknicken.
Glauben Sie, dass Sie so etwas gegen China bewirken können?
«Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.»
Wie ist das gemeint?
Ist das nicht sonnenklar? Mach Mücke tot!
Klingt wütend. Haben Sie nicht gepredigt: «In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.»
Das ist jetzt out of context. So klingt das ganz schön doof. Sicher, dass das nicht mein Freund Richard Gere gesagt hat? Wir werden oft verwechselt, das ärgert mich.
Sagten Sie nicht auch: «Den eigenen Zorn zu verringern, ist ein individuelles Abrüstungsprogramm.»
Ja, aber einseitige Abrüstung bringt doch nichts! Damit schwächt man nur seine eigene Position. Wer zuerst abrüstet, den bestraft letztlich das Leben.
Ist das ein neues Zitat? Haben Sie das soeben erfunden?
Ja, ist schon cool. Manchmal fliegt mir das einfach nur so zu. Ich öffne den Mund, und heraus kommt etwas Geistreiches, das dann auf der ganzen Welt auf Zuckersäckchen gedruckt wird.
Und wie können wir dieses neue Zitat von Ihnen interpretieren: «Wissen und nichts tun ist wie nichts wissen.»
Weiss ich nicht.
Können Sie uns das nicht erklären?
Mach ich nicht. Haha!
Es heisst, Ihr Lachen sei ansteckend.
Impfen zwecklos, haha! Ich bin sowieso ein Gegner von Zwangsimpfungen. Bin überhaupt gegen alle Zwänge, darum trage ich meist zwanglose Klamotten. Sie dürfen mich so zitieren. No charge.
Wir wollten an dieser Stelle ursprünglich ein Interview mit Donald Trump bringen. Jetzt stellen wir fest, dass Sie eigentlich viele seiner Ansichten teilen.
Ich teile auch viele seiner Tweets. Der Nebi sollte die Welt nicht so schwarz-weiss sehen. Gibt es in der Schweiz kein Farbfernsehen? Das wäre ärgerlich für meine Exil-Gemeinde, haha!
Das ist doch nicht zum Lachen.
Stimmt! Haha! Sorry, das müssen die Räucherstäbchen sein.
Haben Sie nicht auch einmal gesagt: «Der Sinn des Lebens besteht im Streben nach Glück?»
Gestern hab ich das jedenfalls nicht gesagt, und morgen auch nicht.
Und wenn ich nach Glück strebe?
Dann bist du ein Streber, haha!
Ehrlich gesagt bekommen wir in diesem Interview nicht die Antworten, die wir uns von Ihnen erhofft hatten.
Bedenken Sie, junger Mann: «Nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein grosser Glücksfall.» So, das war jetzt original von mir!

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