Krankheitswesen

Jan Peters | veröffentlicht am 31.08.2018

So sicher wie am 24. Dezember das Christkind kommt, so sicher können Sie auch in diesem Herbst sein, dass Ihnen eine Prämienerhöhung Ihrer Krankenkasse ins Haus flattern wird. Muss das eigentlich sein? Wir meinen «Njet!» und zeigen auf, dass man schon etwas bewirken kann, wenn man die Dinge tatkräftig anpackt.

Krankheitswesen
Marina Lutz |

Es scheint eine Illusion zu sein, auch nur ansatzweise anzunehmen, dass irgendeiner der am Krankenkassenprämien-Desaster Beteiligten auch nur im Geringsten dazu bereit wäre, Abstriche zu machen: weder die Patienten, noch die Spitaladministratoren, noch die Spitalärzte, noch die niedergelassenen Ä., noch Pharma … Das führt nun dazu, dass die Kosten pro Patient unaufhaltsam steigen. Wie wärs denn, man würde zur Abwechslung endlich mal versuchen, das Pferd vom Kopf her aufzuzäumen und nicht mehr die Kosten pro Patient zu senken, sondern umgekehrt die Patienten pro Kosten?

Kein Naturgesetz
Bevor wir Ihnen unsere wohlüberlegten und feindifferenzierten Verbesserungsvorschläge darlegen, wollen wir eins ganz klar festhalten: Die regelmäs­sigen Prämienerhöhungen unserer Krankenkassen sind kein Naturgesetz, wie viele inzwischen glauben. Und es gibt Potenzial, von diesen Kosten runterzukommen. Damit unterscheiden sie sich zum Beispiel vom ewigen Gesetz der Hypothekarzinsen: Wenn die steigen – steigen die Mieten; wenn sie sinken – passiert überhaupt nichts. Nun aber ohne weitere Vorrede zur Lösung des Krankenkassenprämien-Problems.

Hebel richtig ansetzen
Kostentreiber Nr. 1 ist die demografische Entwicklung: Heutzutage will ja inzwischen jedes Rindvieh möglichst alt werden – und dabei auch noch gesund bleiben! Ein Irrsinn sondergleichen und wider die Natur. Denn die sorgte früher auf natürliche Weise dafür, dass die Bäume nicht in den Himmel wuchsen, beziehungsweise Freund Hein frühzeitig zu den Leuten kam; also nicht erst zum 96. Geburtstag. Ausserdem gab es die natürliche Selektion, der man einstmals freien Lauf liess. Um dies anschaulich zu machen, steuert der Verfasser dieses Artikels gern eine lustige Anekdote aus seiner Jugend bei: In der Nach­barschaft lebte die Familie Krause mit ihren zwölf Kindern und Herbert Krauses 87-jähriger Mutter, die von allen «Oma Krause» genannt wurde, in ihrer schnuckeligen 1,5-Zimmer-­Wohnung.

Eines Tages beschloss Herbert Krause, zwecks Reduzierung der Heizkosten die Fenster der Wohnung zuzumauern. Oma Krause wurde zu Hilfsarbeiten eingeteilt. Von zwei Säcken Zement auf ihren Schultern in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt, wurde sie auf der Kellertreppe von einer leeren Bierflasche zu Fall gebracht und rauschte in die Tiefe. Man brachte sie zu Bett. Nachdem sie dort drei Tage gelegen hatte, fand sich Herbert K. schliesslich auf Wunsch seiner Frau bereit, den Hausarzt zu rufen. Dieser stellte fest, dass sich Oma Krause den Oberschenkelhals gebrochen hatte.

Den Vorschlag, Oma ins Krankenhaus zu bringen, wischte Herbert K. mit der Bemerkung beiseite: «Blödsinn, so was heilt von selbst!» Unmittelbar nach Oma Krauses stilvoller Beerdigung wurde ein üppiges Leichenmahl veranstaltet, an das sich alle Beteiligten bis auf den heutigen Tag gern erinnern. Hauptsächlich wohl deshalb, weil Herberts Kollege Willy auf der Fahrt nach Hause mit seinem VW-Käfer voll Rohr in einen Chausseebaum donnerte. Im Polizeibericht: «Fahrer 2,8 ‰, Exitus Fahrer + 6 Insassen; Auto: Totalschaden.» Die Regionalzeitung widmete Willy, Mittelstürmer im dortigen Fussballverein, einen wehmütigen Abschiedsartikel: «Willy, du Schluckspecht, warum nimmst du dich selbst aus dem Spiel?» Was können wir aus dieser ergreifenden Geschichte für unser Thema lernen?

Konkrete Massnahmen
Neben vielen anderen Merkwürdigkeiten ist die Debatte zum Gesundheitswesen massgeblich dadurch gekennzeichnet, dass ganze Heerscharen von mehr oder weniger Berufenen ihren Senf dazugeben, ohne jemals irgendeine Verantwortung übernehmen zu wollen. Wir vom ‹Nebelspalter› dagegen, die wir eine der wesentlichsten Aufgaben von Satire darin sehen, die Zukunft unseres Gemeinwesens zu sichern, ergehen uns nicht in abstrusen Vorschlägen, sondern nehmen die Dinge konkret in Angriff. Hier ein sowohl den privaten als auch den öffentlichen Bereich umfassender Massnahmenkatalog, der umgehend kostenbremsend wirkt:

1. Privatbereich

  • RentnerInnen sind prädestiniert für Arbeiten in grösseren Höhen. Hierzu zählen Fensterputzen und Gardinenaufhängen in Altbauwohnungen. Als trittsichere Basis dienen dabei die Fensterbänke.
  • Bei der Reinigung von Badezimmerventilatoren durch Senioren sollten keine Sicherheitsleitern Verwendung finden; stattdessen steige man in Socken auf den Badewannenrand.


2. Öffentlicher Bereich

  • Die Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen, Landstrassen und in Ortschaften.
  • Alkohol-/Drogenpflicht vor Antritt der Fahrt.
  • Personen mit Rollatoren überqueren Strassen stets diagonal und langsam, niemals auf dem Fussgängerstreifen.


Sie sehen also, dass man schon etwas bewirken kann – man muss es nur wollen!

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