Ballenberg weiht traditionelles Bündner Kartellhaus ein

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 16.05.2018

Im Freilichtmuseum Ballenberg im Berner Oberland ist ab dem 11. Juni eine neue Sehenswürdigkeit zu sehen: ein authentisches Bündner Kartellhaus.

Ballenberg weiht traditionelles Bündner Kartellhaus ein
Charakteristische Wandmalerei eines Bündner Kartellhauses. (Bild: zvg)

Dieser vor allem im Engadin, aber auch in anderen Teilen des Kantons verbreitete Gebäudetyp weist diverse Besonderheiten auf: So besteht er in seinem Inneren ausschliesslich aus Hinterzimmern. Äusserlich besonders charakteristisch ist eine Wandmalerei, auf der die berühmten drei Steinböcke zu sehen sind, welche nichts sehen, nichts sagen und nichts hören.

Wie viele klassische Kartellhäuser im Kanton Graubünden zu finden sind, ist auch unter Experten höchst umstritten. Sie stehen so streng unter kantonalem Schutz, dass eine genaue Untersuchung nicht möglich ist.

Besonders repräsentatives Exemplar

Unbestritten ist jedoch, dass es sich bei dem Gebäude, welches nun im Freilichtmuseum Ballenberg seinen neuen Platz gefunden hat, um ein besonders schönes Exemplar handelt: Neben gut erhaltenen Hinterzimmern und einer immer noch funktionsfähigen «Kammer des Vergessens» verfügt der Bau über einen so genannten Quadroni-Keller, welcher im Kanton Graubünden vor Einführung der Rechtsstaatlichkeit gerne für entwürdigende Polizeiverhöre verwendet wurde.

So kommen Sie zu Ihrem Eintritt

Das Freilichtmuseum Ballenberg geht von einem grossen Ansturm auf die neue Attraktion aus. Museumsgäste, die das neue Haus besuchen möchten, sind gebeten, an einer der vierteljährlich stattfindenden Vorversammlungen teilzunehmen, an denen jeweils der individuelle Eintrittspreis festgelegt wird. Apropos Geld: Die Ballenberg-Direktion hat sich das neue Kartellhaus einiges kosten lassen: Um das Gebäude stilecht und fachgerecht transportieren und wieder aufbauen zu können, musste eigens eine Spezialfirma gefunden werden, deren Offerte 30 Prozent über dem marktüblichen Niveau lag.

Korrigendum:

In einer früheren Version dieses Artikels wurde vermeldet, der «Südostschweiz»-Verleger Hanspeter Lebrument habe dem Museum Ballenberg in einem doppelseitigen Leitartikel dafür gedankt, dass man mit der Einweihung des Hauses das Ende des Bündner Wahlkampfs am 10. Juni abwarte, so dass kein Bündner Regierungskandidat in der heissen Phase wegen seiner Absprachen zusätzliche Aufmerksamkeit erhält. Natürlich müsste es korrekt heissen: «… damit kein Bündner Regierungskandidat in der heissen Phase wegen einer Ansprache zusätzliche Aufmerksamkeit erhält.» Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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