Vorsprung durch Wehrtechnik

Jan Peters | veröffentlicht am 06.04.2018

Gut informierten Zeitungslesern – das werden 120 sein – ist nicht entgangen, dass die Legitimität von Rüstungsexporten und die daraus erwachsenden ökonomischen Opportunitäten vermehrt in den Fokus geraten. Im folgenden Artikel hüten wir uns davor, pazifistischen Moralaposteln und anderen Blindgängern auf den Leim zu kriechen, denn wir halten es im Gegensatz zu den Salonsozialisten für nötig, die positiven Aspekte von Waffen zu betonen.

Vorsprung durch Wehrtechnik
Marina Lutz | (Nebelspalter)

Wer die Geschichte des Homo sapiens kennt, dem ist bekannt, dass es massgeblich militärische Fortschritte waren, welche die Menschheit nach vorn gebracht haben. Nehmen wir beispielsweise das Aufblühen der Raketentechnik in Form der Mondlandung, die Omega-Chronografen einen hübschen Wettbewerbsvorteil eintrug.

Rocket man
Sagt Ihnen der Name Wernher von Braun etwas? Klar doch, ohne diesen deutschen Raketenpionier wäre die NASA nicht über den Bau von Knallfröschen hinausgekommen, denn der Ami hat zwar eine grosse Fresse, aber beispielsweise in Asien sind die toughen Marines noch nicht einmal mit den Komikern vom Vietcong fertig geworden … Zurück zu Cheftechniker von Braun, der politisch korrekt «Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun» hiess und seine Karriere als SS-Sturmbannführer an der Versuchsstelle des deutschen Heeres in Peenemünde startete. Er entwickelte dort das «Aggregat A4» – besser bekannt als V2 –, die erste ballistische Rakete, deren Haupteinsatzziel darin bestand, als «Wunderwaffe» London auszuradieren.

Adolf Hitler war es ein persönliches Anliegen, dass der Säufer Churchill durch die V2 die Brachialgewalt des Thor’schen Hammers zu spüren bekommen sollte. Es kam dann insofern anders, als der GröFaZ 1945 nicht umhinkonnte, sich mit seiner Walther PPK Kaliber 7,65 das wirre Hirn aus der Birne zu blasen, und Sturmbannführer v. Braun in den USA später zum bejubelten Rocketstar avancierte. Ohne den V2-Lift-off an der Ostsee wären die Yankees nie in den Weltraum gekommen, wobei Sturmbannführer Braun damals keine Kenntnis davon hatte, dass die Kernkompetenz der SS bei Massenerschiessungen und Zyklon-B-Einsätzen angesiedelt war. Das ahnte noch nicht mal der Führer, der sicher mit Himmler geschimpft hätte, wenn er gewusst hätte, welchen Schabernack Heinrich hinter seinem Rücken trieb!

Small is beautiful
Nicht nur bei den Raketen, auch in anderen militärischen Bereichen verlief die Entwicklung rasant – von den feuerspeienden Musketen der Söldnerhaufen, die sich aus zahlreichen Schweizer Reisläufern rekrutierten, über die Stahlgewitter der Flandernschlachten bis heute. Sehen wir uns das Faszinosum Munitionstechnik genauer an: Früher meinte man auch bei der NATO, die Sturmgewehre sollten Vollmantelgeschosse des Kalibers 7,62 × 51 mit möglichst hoher Anfangsgeschwindigkeit (Vo) verschiessen können. Diese Geschosse übertragen enorme Energiemengen auf Weichziele (militärischer Fachbegriff für Feinde), wodurch diese neutralisiert (militärischer Fachbegriff für umgebracht) werden. Später ging man dazu über, kleinere Kaliber mit geringerer Aufprallenergie zu verballern. Dies hat den Vorteil, dass die in Weichziele eindringenden Geschosse die Ziele nicht sofort letal perforieren, sondern sich im Weichgewebezielgebiet unter Zerfetzen desselben mehrfach überschlagen, ohne dasselbe auf null zu bringen (militärischer Fachbegriff für sterben), sondern nur ausser Gefecht zu setzen; das dadurch heillos überforderte Sanitätswesen des Feindes gleich mit.

Spass muss sein
Waffendebatten werden oft verbissen und humorlos geführt. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass Kriegsgerät nicht nur überzeugende Argumente gegen randalierende Hottentotten vorbringen, sondern auch zu umwerfend komischen Szenen mit Slapstick-Potenzial führen kann. Ein Beispiel: In den Offizierskasinos der Wehrmacht kursierte eine Anekdote, die immer wieder gern erzählt wurde: Graf v. Zitzewitz, ostelbischer Junker und Grossgrundbesitzer, empfängt auf seinem Rittergut einen Kriegskameraden, den er seit den Burenkriegen und dem Einsatz der deutschen Schutztruppen in Deutsch-Südwest gegen die Hereros kennt. Die Herren trinken Bier und Korn und schwelgen in Erinnerungen. Da fällt der Blick des Besuchers auf die beachtliche Jagdtrophäensammlung an der Wand: Zwischen einem Büffel- und einem Löwenschädel hängt der Kopf eines feixenden Schwarzafrikaners mit einem sauberen 7,92-mm-Einschussloch direkt in der Nasenwurzel. Fragt der Gast den Hausherrn: «Was grinst der Halbaffe denn so dämlich?» Prustet Herr Graf los: «Der Schwachkopf hat meinen Karabiner für ’ne Kamera gehalten!» – Einfach zum Totlachen, finden Sie nicht auch?

Resümee
Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, aber ohne die Wehrtechnik würden wir noch immer in Neandertalerhöhlen hocken und uns zähneklappernd den Arsch abfrieren, statt im kuscheligen Nationalratssaal Pharisäertreffen abzuhalten und scheinheilige Debatten über gute und böse Waffen zu führen.

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