Unser Tor des Monats: Hans-Ulrich Bigler

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 02.02.2018

Unser Tor des Monats: Hans-Ulrich Bigler
Michael Streun | (Nebelspalter)

Wenn dereinst auf dem Gelände des heutigen SRF-Gebührenmonsters am Leutschenbach all die teuren und nutzlosen Büros und Studios abgerissen sein werden und die entstandene Parkanlage der Öffentlichkeit übergeben wird, so wird es das Mindeste sein, zwischen der mit lichten Linden bestockten «Freiheits-Allee» und dem neokapitalistisch gehaltenen Pavillon ein monumentales «Hans-Ulrich-Bigler-Denkmal» zu erstellen.

Zugegeben: Auch Verwaltungsrat, Redaktion, Leserschaftsbeirat und Distributionsorganisation des ‹Nebelspalter› standen der «No Billag»-Initiative zuerst grundsätzlich skeptisch bis ablehnend gegenüber, weil die eigene Zulieferindustrie, namentlich unsere Karikaturisten und Kolumnisten, vordergründig überzeugend argumentierte, erst die SRG liefere in der Schweiz jene Inhalte und schaffe jene Öffentlichkeit, die es für das Bestehen einer gesunden Demokratie und den Erfolg eines unabhängigen Satiremagazins zwingend braucht.  

Glücklicherweise hat Hans-Ulrich Bigler vielen von uns noch rechtzeitig die Augen geöffnet. Mit seiner so schlüssigen wie eingängigen Formel «Ja SRG: No Billag Ja» stellte er sich entschieden den Initiativgegnern entgegen, die mit ihrem allzu vereinfachenden Slogan «Non au Sendeschluss et Oui pour le No to the Yes zum Nein zum No-Billag-Ja» zu verschleiern versuchten, wie komplex eine zukunftsfähige Medienpolitik ist.

Schon jetzt, Wochen vor dem Urnengang, ist klar, dass nur Biglers beherzter «Plan B» einen Abstimmungsausgang verhindern können wird, der einer direkten Demokratie unwürdig wäre – nämlich ein Zufallsresultat bestehend aus «Florian Inhausers Mimik ist Scheisse»-Denkzetteln versus «Der Freund der Tochter  meiner Nachbarin darf jeweils am Set des ‹Bestatter› das Catering machen und möchte den Auftrag auch in der nächsten Staffel wieder»-Bewahrer.

Womit Nationalrat und Gewerbeverbands-Direktor Bigler dereinst vor allem in Erinnerung bleiben wird, ist jedoch schwer abzuschätzen – zu schillernd und weitreichend sind seine Ideen und Impulse. Sofern sein «Plan B» umgesetzt wird, kommt Bigler gewiss eine Pionierrolle in der Entwicklung des «Pay-Radio» zu und unsere Nachkommen werden staunen, warum nach der Erfindung des Radios über 100 Jahre vergingen, bis ein branchenfremder Verbandsfunktionär endlich Abo-Radiosender und Empfangsgeräte mit Münzeinwurf erfand.

Nicht auszuschliessen ist allerdings, dass Hans-Ulrich Biglers wahre Bedeutung einmal weit über die Medienpolitik hinausgehen wird: Als Steigbügelhalter für Bieridee-Initianten und Vorreiter einer Befreiungs­bewegung, für welche der Kampf gegen SRG-Zwangsgebühren nur der Anfang gewesen sein wird. Denn was ist der gesamte heutige Staat in all seinen Gliedern anderes als ein nimmersatter Krake, der seine Tentakel in alle Bereiche unseres Lebens auszustrecken versucht? Kraken lassen sich nicht zähmen. Sie lassen sich nur eliminieren.

Die Zeit ist reif für die Einsicht, dass es für alles, was wirklich wichtig ist, auch einen Markt gibt, der sich ohne staatliche Eingriffe selbst regulieren kann. Die Zeit ist reif für «No Gemeindefeuerwehr», für «No Bezirksschule», für «No Kantonsspital», für «No Nationalstrasse» und für «No Bundespolizei». Denn das lässt sich alles günstiger und schlanker realisieren, wenn es von einer effizienten Marktwirtschaft bereitgestellt wird – und wenn nur noch für das gezahlt werden muss, was man auch braucht. In einer modernen libertären Gesellschaft ist der Staat genauso überflüssig wie das Konstrukt der Nation, welches durch linke Historiker in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin so umfassend zerlegt worden ist, dass die heutige Schweiz nur noch als Zufallsprodukt der europäischen Geschichte betrachtet werden kann. Hier schliesst sich auch der Kreis: Wenn der ausufernde Staat endlich auf ein absolutes Minimum zurückgefahren werden kann, wird auch das Geschwurbel von der gesellschaftspolitisch relevanten Klammerfunktion einer SRG hinfällig.

Sagen also auch Sie am 4. März entschlossen «Ja zum Nein und Nein zum Ja». Und kaufen Sie mit den eingesparten Zwangsgebühren Anteilsscheine an der Betriebsgesellschaft für das geplante Hans-Ulrich-Bigler-Denkmal. Es soll ganz ohne staatliche Zuschüsse realisiert werden und in Anlehnung an den Brüsseler «Manneken Pis» ständig ein wenig Brunz von sich geben.

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