Viel Nebel um nichts

Jürg Ritzmann | veröffentlicht am 02.11.2017

Im Grunde ist Nebel ja bloss eine Anhäufung von vielen klitzekleinen Wassertropfen, die in der Luft schweben. Das sollte man nicht überbewerten. Wobei es ja nicht Tropfen sind, diese Dinger, eigentlich, sondern kleiner als Tropfen. Sonst wären sie ja Regen. Im Gegensatz zum Tropfen, der (oh ja! oh ja!) die Form des geringsten Luftwiderstands annimmt, haben Nebelpartikel die Form von sehr, sehr kleinen Clowngesichtern. Ja, die Natur treibt lustige Blüten.

Viel Nebel um nichts
Schlorian (Stefan Haller) | (Nebelspalter)

Meteorologiker unterscheiden zwischen Hoch-, Mittel- und normalem Nebel, der - ganz zum Ärger von Nebelfans - der Einfachheit halber schlicht «Nebel» genannt wird. Über die Differenzierung von Hochnebel und Mittelnebel liegen sich Experten regelmässig in den Haaren. Ganz offenbar ist dies eine Frage des Standorts, an dem sich der Betrachter befindet. Dennoch musste die jährliche internationale Nebelkonferenz schon mehrmals abgebrochen werden. Das letzte Mal wegen Schneefall.

Im Mittelland - gerade an Orten, die sich in der Nähe der Aare befinden - hat es immer Nebel. Nur wenn es schneit nicht. Oder bei Eisregen. Darum passieren auf Autobahnen im Kanton Aargau (über vierzig Prozent des Kantonsgebietes bestehen bekanntlich aus Autobahn) auch überdurchschnittlich viele Unfälle. Viel mehr als zum Beispiel in Appenzell-Ausserrhoden. In tendenziell nebligen Gebieten baut man auch selten Flughäfen. Eigentlich zu Unrecht, denn dank moderner Technologie können Piloten inzwischen auch bei Nebel starten und landen. Und heutzutage können Flugzeuge der Schweizer Luftwaffe ganz ohne Nebel abstürzen.

Viele Unfälle auf Autobahnen liessen sich vermeiden, wenn die Verkehrsteilnehmer den Bremsweg korrekt berechnen würden. Hier sind die Beifahrer in der Pflicht, denn die Person am Steuer muss sich ja auf die Strasse konzentrieren, und nicht auf Algebra. Die Formel wird an der theologischen Fahrprüfung gelehrt, lässt sich jedoch jederzeit mühelos im Internet nachschauen. Zur Repetition: Wenn Sie auf der Autobahn unterwegs sind bei einer Sichtweite von hundertfünfzig Metern, dann sollten Sie allerhöchstens mit zweihundertzwanzig km/h fahren. Allerhöchstens. Bei gleichzeitiger Eisglätte sogar nur mit zweihundert. Sicher ist sicher.

Es wäre alles so einfach, würden wir Menschen die Gefahren - und übrigens auch die Vorteile - des Nebels richtig verstehen. Natürlich birgt der Nebel auch Vorteile: Die Spezialtruppe «Skorpion» der Polizei setzt zum Beispiel Nebelgranaten ein, wenn der Täter unangemessen hässlich ist. Oder Fussballfans zünden jeweils Feuerwerk, sodass das Spielfeld eingenebelt wird und man die offenbar nicht zufriedenstellende Leistung des favorisierten Teams nicht mehr sehen kann. Es gibt immer zwei Seiten. Nicht nur beim Fussball.

Fassen wir zusammen: Nebel ist Wasser und trotzdem kein Regen. Bewohner aus tiefer gelegenen Regionen klassifizieren Mittelnebel tendenziell als Hochnebel, während Bergbewohner … - nein, schon gut, bitte nicht mehr anrufen!

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