Nach der Krabbelgruppe pensioniert

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 31.08.2017

Nach der Krabbelgruppe pensioniert
Swen (Silvan Wegmann) | (Nebelspalter)

Zeit ist bekanntlich relativ - und man ist meistens so alt, wie man sich fühlt. Mit wie vielen Lenzen ich dereinst in Pension gehen werde, steht noch in den Sternen, in Venusjahren wäre ich schon fast seit fünf Jahren im Ruhestand, während man mich auf dem Jupiter noch in die Krabbelgruppe stecken könnte. Mein Tierzeichen scheint derzeit aber eher unter dem Einfluss der Venus zu stehen.

Die Schweiz stimmt im September wieder einmal über ihre Vorsorgewerke ab. Unabhängig vom Ausgang, ist klar: Die Herausforderungen der Zukunft sind grösser als die Lösungen, die wir derzeit bereithalten. Auf der letzten Titelseite von ‹Spiegel Wissen› äugte ein niedlicher kleiner Rotschopf in die Welt hinaus – verbunden mit der Überschrift «Wird er 150?». Der Mensch macht unverändert grosse Fortschritte darin, immer älter zu werden. Bei Angebot und Dauer für eine «aktive Erwerbstätigkeit» hinkt er dagegen immer stärker hinterher. Schlimmer noch – wir haben sogar gegenläufige Trends: Der Ruhestand dauert hinten hinaus immer länger. Das Alter, in dem man aus Altersgründen kaum mehr eine Stelle findet, sinkt permanent. «Wenn Sie ein abgeschlossenes Studium sowie zehn Jahre Berufserfahrung mitbringen und höchstens 26 Jahre alt sind, bewerben Sie sich noch heute!» In den Kobaltminen im Kongo werden schon 12-Jährige gerne durch jüngere Mitarbeiter ersetzt.

Derweil rollt auf die Industrieländer eine Welle von Robotern und Maschinen zu. Künstliche Intelligenz könnte bald die Jobs von Millionen Menschen übernehmen. Dabei wird es nicht nur die einfacheren Stellenprofile wie Taxifahrer, Paketboten oder Parteipräsidenten treffen. Dennoch wehren sich Zukunftsforscher dagegen, dass viele Beobachter alles schwarzmalen: Wenn repetitive Arbeit von Robotern übernommen wird, haben einfach mehr Menschen die Möglichkeit, sich kreativ zu verwirklichen – zum Beispiel: sich als Künstler, Schriftsteller oder Sänger schwarzmalend mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Damit dennoch unser aller Ruhezustand finanziert wird, soll einfach – kein Witz – die Arbeit der Roboter ähnlich besteuert werden wie unsere eigene bisherige. Hilfe, mein Rasenmähroboter wird zwangsveranlagt! Für all die noch zu entwickelnden Publikums-Roboter, die dereinst unsere kreativen Bücher lesen, Musik downloaden und Vernissagen besuchen werden, gilt übrigens der reduzierte MwSt-Satz von 3,8 Prozent.

 

PS: Liebe Parteipräsidenten, falls Ihr Job bald von einem PR-Roboter ersetzt wird, lesen Sie einfach unser Weiterbildungs-Special.

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