Donald J. Trump

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 26.01.2017

Hoffen Sie insgeheim auch immer noch auf Marty McFly? So heisst der Held einer der erfolgreichsten Filmtrilogien der Achtzigerjahre - der Protagonist aus «Zurück in die Zukunft». Marty, gespielt von Michael J. Fox, trifft über alle drei Filmabenteuer stets auf den üblen Gegenspieler Biff Tannen...

Donald J. Trump
Michael Streun | (Nebelspalter)

Im zweiten Teil des Zeitreise-Spektakels ist dieser Biff in der Zukunft (2015) zu einem ebenso mächtigen wie scheusslichen Tycoon aufgestiegen, weil ihm durch eine Manipulation in der Vergangenheit (1955) ein Almanach aus der 1985er-Gegenwart in die Hände fällt, mit dessen Hilfe er sämtliche Sportresultate der noch bevorstehenden Zukunft nachschlagen und so durch Sportwetten zu immensem Reichtum aufsteigen kann. Das stimmt zumindest so lange, bis Marty McFly die Vergangenheit wieder korrigiert und sich damit die düster gemalte 2015er-Zukunft des Demagogen-Biff wieder in die hoffnungsvoll-sorgenfreie ursprüngliche Zukunft zurückverwandelt.

Dieser zweite Teil von «Back to the Future» ist mit schuld daran, dass mir das, was sich in den USA in den vergangenen Monaten abgespielt hat und sich in den kommenden Jahren noch abspielen wird, so unwirklich und zugleich vertraut erscheint: Denn der schmierige Biff Tannen ist Donald Trump. Das ist jetzt kein Witz! Genau das hat nämlich Drehbuchautor Bob Gale zum 30-Jahr-Jubiläum der Trilogie 2015 offiziell bestätigt. Man habe sich 1985 tatsächlich an Donald Trump orientiert, um eine düstere, unsichere Zukunft unter der Führung eines cholerischen Egomanen auszumalen. Die «Zurück in die Zukunft»-Prognose liegt zwar zwei Jahre daneben, aber die Parallelen lassen jeden, der sich die Szenen wieder einmal anschaut, erschauern.

Entschuldigen Sie bitte, dass Sie bis jetzt vermutlich noch kein einziges Mal geschmunzelt haben. Ich habe auch noch gar nicht versucht, eine Pointe einzubauen. Offen gestanden: Sie sind mir entfallen. Es ist ja nicht so, dass es keine Pointen gäbe. Im Gegenteil - es wimmelt geradezu davon. Internet, Twitter und Facebook sind voll davon. Aber welche Pointe wäre noch neu für Sie, welche haben Sie bereits zigfach gehört? Lachen Sie noch über «Trumpeltier»-Wortspiele? Wann haben Karikaturisten die hinterletzte Variante aus «The Donald's» unverwechselbarer Frisur herausgekritzelt? Vielleicht sind wir schon so weit. Hat das Gros der Satiriker und Cartoonisten nicht schon vor der Wahl monatelang versucht, Trump zu demaskieren oder wenigstens ins Lächerliche zu ziehen - mit der entmutigenden Einsicht, dass man damit nur die eigene Filterblase bediente?

Wer immer noch das Gefühl hat, der unheilvolle Trump-Effekt werde alarmistisch von der Lügenpresse herbeigeschrieben, darf gerne weiterträumen. Tatsache ist: Er hat schon jetzt die Satire verändert. Nie zuvor in den vergangenen Jahren landeten so viele Karikaturen und Texte auf meinem Schreibtisch, die ihr Zielobjekt - wie nun bei Trump - in erster Linie zu beleidigen versuchen: Arschgesichter, Tiervergleiche, Fäkalien. So was geschieht, wenn Satire nicht mehr versucht, verborgene Zusammenhänge freizulegen und Dinge zur Kenntlichkeit zu verzerren, sondern vor allem dazu dient, Frust und Aggression abzubauen. Auch Frustbewältigung ist selbstverständlich ein berechtigtes Anliegen, schliesslich war das Schmähbild schon immer Teil der voraufgeklärten DNA der Karikatur. Was viele Satiriker (und womöglich auch manche Abonnenten) dabei jedoch übersehen: dass das Phänomen Trump sie bereits auf das Niveau hinuntergebracht hat, gegen das sie eigentlich ankämpfen wollten. Ein Niveau voller Obszönität, Brutalität, Oberflächlichkeit, eine Welt jenseits von Fakten und Argumentation.

Ganz anders die bis heute in Erinnerung gebliebene Glanzzeit der Nebi-Satire in den Dreissiger- und Vierzigerjahren: Ihre historische Bedeutung begründete sie mit ihrer scheinbaren Harmlosigkeit und subversiven Subtilität. Die Umstände, welche satirische Zeichner und Schreiber damals zu solcher Subtilität zwangen, wird sich aber gewiss niemand zurückwünschen wollen. Bleibt nur zu hoffen, dass Donald Trump - ein Mann, der sich selbst im Krieg gegen die Medien begreift, sie zu umgehen trachtet und die gleichgeschaltete Demokratie eines Wladimir Putin ausdrücklich bewundert -, dass dieser Mann solche Umstände nicht aus der Vergangenheit zurück in die Zukunft bringt.

Habe ich schon gefragt, ob Sie insgeheim auch immer noch auf Marty McFly warten?

Artikel erschienen in der Ausgabe

loader