Frankreich

Thomas C. Breuer | veröffentlicht am 01.04.2016

Schweizer Nati, aufgepasst: Kein EM-Gruppengegner ernährt sich so gut wie die Franzosen...

Frankreich
(Nebelspalter)

Allez les bleus! Ohnehin fällt tout le monde auf die französische Küche herein, Feuer und Flammkuchen, sogar Nietzsche hat die «hohe Schule des Geschmacks» gepriesen. Darauf kann Frankreich stolz sein. (Ist es auch!)

Sie haben bedeutende Staatsmänner hervorgebracht: Napoléon. De Gaulle. Filet Richelieu. Valérie Noisette-Croquant. Und natürlich eben: Köche! Bocuse (90), Ducasse, Robuchon, Gi­rardet, Rochat - Frankreichs Köche sind auch in der Spitze breit, manche sogar dermassen, dass sie eine eigene Postleitzahl haben. Ungegrillte Häupter allesamt. Paul Bocuse hat einmal die Frage, wer denn bei ihm in der Küche stehe, wenn er mal nicht da sei, so beantwortet: «Derselbe, der in der Küche steht, wenn ich da bin!» Voilà.

Die Franzosen sind bekannt dafür, Tiere mit Haut und Haaren zu verspeisen, sie nennen es Haute-Cuisine. Sie vertilgen mit grosser Leidenschaft alles, was vier Beine hat, mit Ausnahme von Tischen und Stühlen. Franzosen findet man mit verzücktem Blick und gezückten Gabeln am Krötenwanderweg lauern.

Selbst die einfachsten Restaurants mit rustikalem Baguettefussboden sind formidabel: Ob nun raffinierte Krebs-Crêpes, ob saftige Steaks vom Chardonnay-Rind mit zwei, drei Schüben Pfefferspray oder ob Bloeff Bourginonne - der erste Eindruck ist überwältigend. Das meiste wird individuell zubereitet, nur das Weissbrot kommt von der Stange.

Zudem ist nur der Franzose in der Lage, Saucen dermassen zu reduzieren, dass am Schluss nicht mal mehr der Topf übrigbleibt oder eine Auberge so lange zu traktieren, bis aus ihr eine Aubergine wird. Dennoch, gelernt haben die Franzosen das Kochen von einer Italienerin: Maria de Medici. Überdies gibt es in Tokio mehr Drei-Sterne-Restaurants als in Paris.

Kunststück, dass die Franzosen hinterm Herd brillieren, geben sie doch zirka zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes für Essen und Trinken aus. Geld, das anderswo bitter fehlt: Schon mal einen Blick in ein gewöhnliches französisches Wohnzimmer geworfen? Mon dieu! Aber wozu brauchen sie Wohnzimmer, wenn sie doch Restaurants haben?

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