Die ultimative Katzen-Wähler-Typologie

Daniel Glutz | veröffentlicht am 23.03.2016

Die Gründe, wieso sich jemand für eine Katze als Haustier entscheidet, können ganz unterschiedlich sein. Was niemand vermutet hat: Diese Gründe folgen auch parteipolitischen Präferenzen. Doch wir haben recherchiert. Machen Sie es sich bequem, lassen die Katze auf Ihren Schoss springen, streicheln Sie sie, geniessen Sie die Lektüre und erkennen dabei, weshalb dieses Fellvieh wirklich bei Ihnen zu Hause haust.

Die ultimative Katzen-Wähler-Typologie
Jonas Brühwiler | (Nebelspalter)

SVP-Wähler

Eigentlich widerspricht die Katze jeglicher Einstellung eines SVP-Wählers: Sie ist ein Freigeist und schert sich nicht um Grenzen. Sie kackt da, wo sie gerade will, ausser im Garten ihres Besitzers, und das gefällt dem SVP-Wähler. Wenn er aber vergessen hat, sie hinauszulassen, in die Natur der Agglomeration, dann kackt sie ihm in die Wohnung, und das macht ihn dann so wütend, dass er sie als Nestbeschmutzer und als Mitglied des Schwarzen Blocks beschimpft (naja, sie hat ja auch ein schwarzes Fell). Aber auch sonst sind die Eigenheiten einer Katze nicht gerade das, was er sich unter einem aufrechten Schweizer vorstellt. Sie ist faul und schläft den ganzen Tag, und sie kommt nur dann nach Hause, wenn sie etwas fressen will. Also ein Inbegriff eines Schmarotzers. Er gibt ihr dann mit einem süffisanten Lächeln ihr Futter und murmelt: «Da kommst du also wieder angekrochen, du kleines linkes Vieh.» Meistens gibt er ihr dann noch so eine Fleischstange, die sie so gerne mag, denn er liebt sie doch, seine Katze. Er geniesst es nämlich immer, wenn das Guttier nach dem Essen um seine Beine streicht, auf seinen Schoss springt und sie beide kuscheln können.

Beliebte Namen: Fürs Männchen Chrigel, fürs Weibchen Helvetia.

SP-Wähler

Der SP-Wähler liebt die Hilfsbedürftigkeit seiner Katze. Hier kann er sein Helfergen vollends ausleben, ohne dass er in ein Kri-sengebiet reisen muss, um da dann an einer ansteckenden Krankheit elend zu verrecken. Mit Freuden gibt er mit offenen Händen seiner Katze die Gutzis, bis er keine mehr hat und sich neue kaufen muss, was ein tiefes Loch in seine Haushaltskasse reisst. Gerne verzichtet er aber dafür auf Annehmlichkeiten in seinem eigenen Leben, wie zum Beispiel seinen Fleischkonsum. Dafür kriegt sein Kätzchen nur Filet. Einzig wenn die Katze ihre Krallen ausfährt, um ihr Territorium vor der Nachbarskatze zu verteidigen, die vorbeischleicht, löst beim SP-Wähler ungute Gefühle aus. Er versucht ihr dann zu erklären, dass wir eine Welt seien und zusammen friedlich leben sollen. Schliesslich seien sie beide Katzen, egal ob die eine von hier oder von drüben oder ganz weit weg komme. Und Grenzen seien sowieso eine Erfindung der Menschen, sie solle also die Grenzen zu ihrem Territorium öffnen. Meistens schleicht die Katze noch während der Predigt gähnend ab.

Beliebte Namen: Fürs Männchen Mao, fürs Weibchen Alice.

CVP-Wähler

Eine richtige christliche Familie braucht Mann und Frau, mindestens zwei Kinder (je mehr, desto besser) und natürlich ein Haustier. Früher wurden nur Hunde, Kaninchen oder Hamster in einem christlichen Haushalt als Haustier gehalten. Die Katze wurde als heidnisches Symbol betrachtet und nur als göttliches Geschöpf akzeptiert. Denn die Katze hatte viele negative Assoziationen. Beispielsweise waren die Begleiter von Hexen meistens Katzen. Dass das damit zu tun hatte, dass diese Frauen meistens einsam im Wald lebten und sich die Katzen nur als Ersatzliebhaber zum Schmusen hielten, darauf kam damals niemand. Das ständige Schlafen wurde als Sünde der Faulheit und das laute Paarungsverhalten als Indiz für Wolllust betrachtet. Wie soll nur ein CVP wählender Vater seinem kleinen Kind erklären, wenn der Kater es mit der Nachbarsmieze laut im Garten treibt? Deswegen hielten die CVP-Wähler früher keine Katzen als Haustiere. Doch mit der Öffnung der Gesellschaft hat sich auch der Glaube und somit die CVP-Wählerschaft ein bisschen geöffnet. Es gibt bereits Familien, die sich nun ein Katzentier angeschafft haben, natürlich männlich, und garantiert kastriert. Und nun stelle man sich vor, wenn sich die christliche Familie bereits ein wolllüstiges Tier angeschafft hat, wird sie in Zukunft vielleicht auch den schwulen Onkel Herbert mit seinem Partner akzeptieren. Wer weiss?

Beliebte Katzennamen: Fürs Männchen Noah, fürs Weibchen keinen und Christen haben nur kastrierte Männchen.

FDP-Wähler

In seinem Leben hat der FDP-Wähler alles seiner Karriere in der Wirtschaft unterstellt. Morgens geht es bereits um fünf aus dem Haus und abends erst nach Mitternacht ins Bett. Nur so konnte er sich seine Villa mit Blick auf irgendein Gewässer oder seinen zweisitzigen Sportwagen leisten. Doch durch die volle Konzentration auf die Arbeit ging etwas völlig vergessen; die Gründung einer Familie oder wenigstens eine dauerhafte Partnerschaft. Natürlich hat der FDP-Wähler an einigen Geschäftsanlässen ein Gschpusi für eine Nacht gefunden oder die Putzfrau im Büro vernascht. Doch da das Gegenüber auch nur karrieregeil oder nicht vorzeigefähig war, hat sich nie was Längerfristiges entwickeln können. Und mit der Zeit merkte der FDP-Wähler, nachdem seine Karriere ins Stocken geriet, dass ihm doch was fehlte, wenn er nach einem harten Arbeitstag und einer weiteren Standpredigt seines Vorgesetzten einfach nur Liebe und Zuneigung gebraucht hatte. Er hat es mit einem Hund versucht, doch der hat ihm sein teures Designersofa zerbissen und alles zugeschissen, da niemand mit ihm Gassi gegangen ist. Und der Hamster ging ein, nachdem er eine längere Geschäftsreise unternehmen musste. So kam er zur Katze, und er merkte, dass sie sein perfektes Gegenüber ist. Es ist ihr egal, wenn er den ganzen Tag nicht zu Hause ist. Ihr ist nur wichtig, dass es abends was zu Fressen gibt. Und beide schmusen für ihr Leben gern, dazu kann er ihr vom bösen Chef klönen oder von der Putzfrau jammern, die nun seinen Pultnachbarn vernascht. Die Katze hört geduldig zu, solange er ihr nur die Ohren krault.

Beliebte Namen: Fürs Weibchen Milli (für Milliarde) und fürs Männchen Mio (für Million).

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