FDP verlagert Präsidium ins Ausland

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 08.02.2016

Überraschend hat die FDP am Nachmittag die Auslagerung der Parteileitung ins Ausland angekündigt. Der Schritt sei bedauerlich, aber aus wirtschaftlich-liberaler Sicht unumgänglich.

FDP verlagert Präsidium ins Ausland
(Nebelspalter)

Noch im vergangenen Herbst konnte sich die FDP mit einem Gewinnplus von 1,6 Prozent als grosse Aufsteigerin feiern lassen. Nach dem angekündigten Rücktritt von VR-Präsident Philipp Müller folgt nun die grosse Ernüchterung, denn die Suche nach einem geeigneten Nachfolger gestaltete sich bislang äussert schwierig. Trotz breit gestreuten Stelleninseraten (siehe Bild) hat sich bis zum Wochenende mit Petra Gössi erst eine einzige, bisher kaum bekannte Interessentin gemeldet, der lange als Top-Favorit gehandelte Berner Christian Wasserfallen zog am Sonntag seine Bewerbung zurück. 

Tausende Stellen wurden im vergangenen Jahr - vor allem aufgrund des starken Frankens - ins Ausland verlagert. «Dass vom Abbau nicht allein die industrielle Produktion, sondern auch Führungspositionen betroffen sein können, sei nicht überraschend», erklärt der scheidende FDP-Chef auf Anfrage. Die zeitintensiven, langweiligen und gleichförmigen Tätigkeiten eines Parteichefs könnten mit Schweizer Produktivitäts- und Lohn-Standards schlicht nicht mehr mithalten. «Da wir im Gegensatz zur SVP leider nicht in der Lage sind, auf Mitglieder zurückgreifen zu können, die solche einfachen, repetitiven Arbeitsabläufe schätzen, sahen wir uns zum Handeln gezwungen.»

Zielland noch offen

Noch ist nicht entschieden, in welches Land der präsidiale Arbeitsplatz verschoben werden soll. Klar ist, dass es nicht zwingend deutschsprachiges Ausland sein muss. «Unser aktueller FDP-Bundespräsident beweist ja momentan täglich, dass griffiges Deutsch und verständliches Englisch für ein ähnliches Amt grundsätzlich überbewertet werden.» 

Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass die FDP in letzter Minute doch noch eine schweizerische Lösung für Ihr Problem findet: Der Urner Politiker Franz Steinegger beispielsweise ist mit 72 Jahren immer noch drei Jahre jünger als Christoph Blocher und geniesst als «Katastrophen-Franz» unverändert landesweit hohes Ansehen. 

Umschulung als Alternative?

Denkbar wäre aber auch, eine jener zahlreichen Personen von «nationalkonservativ» auf «freisinnig» umschulen zu lassen, die seit dem vergangenen Herbst auf der Regionalen Abstellgleis-Politiker-Vermittlungsstelle RAV) stempeln gehen: Christoph Mörgeli und Hans Fehr waren für eine Stellungnahme allerdings nicht zu erreichen. 

«Zudem besteht die Hoffnung, dass es dem Forschungs- und Innovationsstandort Schweiz bald gelingt, für ähnlich unattraktive Ämter wie dem des FDP-Präsidiums demnächst halbwegs künstlich-intelligente Roboter zur Marktreife zu bringen - am besten kombiniert mit der Fähigkeit zum vollautonomen Autofahren.»

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